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Ärzteschaft

Versicherte haben großes Vertrauen zu ihren Ärzten

Freitag, 28. August 2015

dpa

Berlin – Das Vertrauen, das Patienten ihren Ärzten entgegenbringen, ist ungebrochen hoch. 51 Prozent der Patienten bezeichnen das Vertrauensverhältnis zu dem Arzt, den sie zuletzt besucht haben, als sehr gut, weitere 41 Prozent als gut. Lediglich vier Prozent empfinden es als weniger gut und drei Prozent als überhaupt nicht gut. Zudem bezeich­nen 93 Prozent der Patienten die Fachkompetenz des zuletzt besuchten Arztes als gut oder sehr gut. Das geht aus der aktuellen Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde.­

„Das Vertrauensverhältnis der Patienten zu ihren Ärzten ist hervorragend und spiegelt den ungeheuren Arbeitseinsatz der niedergelassenen ­­­­Kolleginnen und Kollegen in den Praxen wider“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, das Ergebnis. Für die Versichertenbefragung hatte die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV 6.089 zufällig ausgewählte Bürger telefonisch befragt.

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Ein Grund für die hohe Patientenzufriedenheit sei die freie Arztwahl, erklärte Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen. Denn wenn ein Patient mit seinem Arzt unzufrieden sei, könne er einen anderen aufsuchen. Von dieser Möglichkeit machen elf Prozent Gebrauch.

„Wartezeiten im Vergleich exzellent“
Im Vergleich zum vergangenen Jahr unverändert ist auch die Meinung der Befragten zu den Wartezeiten. Während knapp die Hälfte gar nicht auf einen Arzttermin warten musste, empfinden 42 Prozent die Wartezeiten als nicht zu lang, nur zehn Prozent findet sie zu lang. Dabei mussten 47 Prozent der Befragten nicht auf einen Termin warten, weil sie entweder sofort einen bekommen oder weil sie eine Arztpraxis aufgesucht haben, die keine Termine vergibt. 15 Prozent mussten zudem bis zu drei Tagen auf einen Termin warten und 37 Prozent über drei Tage.

Diese Wartezeiten sind im internationalen Vergleich exzellent“, betonte Gassen. Sie seien zudem deutlich kürzer als die Wartezeiten, die die Terminservicestellen umsetzen sollten.

Jung wies darauf hin, dass lediglich die Hälfte der Patienten einen Arzt wegen eines akuten Problems aufsucht. Jeweils gut ein Fünftel sucht einen Arzt wegen einer chronischen Krankheit beziehungsweise wegen einer Vorsorgeuntersuchung oder einer Impfung auf. Zwei Drittel der Patienten suchen einen Facharzt zudem ohne eine Überweisung auf.

Ohne Überweisung geht es offenbar schneller zum Facharzt
Am längsten warten die Patienten auf einen Termin bei einem Facharzt: Knapp zwei Drittel warten länger als drei Tage. Als „überraschenden Befund“ bezeichnete Jung das Ergebnis, dass Patienten schneller einen Facharzttermin erhalten, die keine Überwei­sung haben. „Es sind vor allem die jüngeren Patienten mit einer höheren Kommunika­tionsfähigkeit, die auf eine Überweisung verzichten, direkt bei einem Facharzt anrufen und deshalb schneller einen Termin erhalten als diejenigen, die mit dem Einholen einer Überweisung einen etwas bürokratischen Weg bevorzugen“, erklärte er.  

Mit Blick auf die demografische Entwicklung ist dieser Befund für Gassen problematisch: „Diejenigen, die sich im Gesundheitssystem gut zurechtfinden und die kommunikations­stark sind, haben weniger Probleme, zu einem Termin zu gelangen. Wir als Ärzte gerade sollten gerade chronisch Kranke oder Menschen mit eher geringem Bildungsgrad dabei unterstützen, in geeigneter Frist einen Facharzt­termin zu erhalten.“  Am schnellsten erhalten die Patienten eine Überweisung zum Facharzt, wenn ihr Hausarzt persönlich einen Termin für sie vereinbart. In diesen Fällen wartet nur knapp die Hälfte länger als drei Tage.

Trend: Suche nach ärztlicher Hilfe in der Nacht
Den Ärztemangel merken immer mehr Menschen. Drei Viertel der Befragten gab an, es gebe genügend Hausärzte in Wohnortnähe. Jeder Fünfte ist anderer Meinung. Von dieser Gruppe hatten 26 Prozent und damit vier Prozent mehr als im Vorjahr Probleme, einen Hausarzt zu finden. Noch größer ist der Ärztemangel im fachärztlichen Bereich. Hier sind 55 Prozent der Befragten der Ansicht, es gebe genügend Fachärzte in Wohnortnähe. Von den 40 Prozent, die nicht diese Ansicht teilen, hatte knapp die Hälfte und damit neun Prozent mehr als im Vorjahr tatsächlich Probleme, einen Facharzt zu finden.

Jung betonte, es gebe einen eindeutigen Trend in der Bevölkerung, ärztliche Hilfe nachts oder am Wochenende in der Krankenhausambulanz zu suchen. Gingen vor neun Jahren noch 29 Prozent zu diesen Zeiten bei akuten Beschwerden ins Krankenhaus, waren es in diesem Jahr bereits 41 Prozent. Beim ärztlichen Bereitschaftsdienst sank dieser Wert im selben Zeitraum von 25 auf 20 Prozent, beim Hausarzt von 15 auf sechs Prozent.

Hausarzt weiter oft als Lotse

Der KBV-Versichertenbefragung zufolge ist im Vergleich zum Jahr 2008 die Bereitschaft der Patientinnen und Patienten gestiegen, vor einem Facharztbesuch immer einen Hausarzt aufzusuchen, wenn dadurch ihre Krankenkassenbeiträge sinken. 68 Prozent wären hierzu bereit (2008: 59 Prozent). Zugleich sank die Anzahl derer, die „mache ich bereits“ antworteten, von 29 auf 12 Prozent. Immerhin 74 Prozent wären heute zudem nicht gewillt, für eine Beitragssenkung ihrer Krankenkasse die Arztwahl zu überlassen.

„Das zeigt nicht nur, dass die Patienten ökonomischen Argumenten durchaus zugänglich sind, sondern es zeigt auch die zentrale Rolle, die sie dem Hausarzt zuweisen. Für die Menschen ist es wichtig, in ihrem Ort einen Hausarzt zu haben, der sie und ihre Familie lange kennt“, erklärte Regina Feldmann, Vorstand der KBV. „Auch aus diesem Grund ist es richtig, noch mehr Anstrengungen zu unternehmen, eine gute hausärztliche Versorgung sicherzustellen.“

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„Auch bei den Vorsorge- und Impfschutzuntersuchungen spiegelt sich die hohe Zufriedenheit der Patienten wider“, führte Feldmann aus. „Die Patienten wünschen sich ihren Arzt als zentralen Ansprechpartner.“ Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) möchte Informa­tionen über die nächste Vorsorge­untersuchung von ihrem Arzt erhalten. Lediglich 18 Prozent sprechen sich dafür aus, von der Krankenkasse informiert zu werden. „Dies unterstreicht einmal mehr die wichtige Rolle der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen für die Patienten“, sagte Feldmann.   © fos/aerzteblatt.de

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