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Medizin

Diabetes: Schwere Gelenkbeschwerden durch DPP 4-Inhibitoren

Montag, 31. August 2015

dpa

Silver Spring – Dipeptidylpeptidase 4 (DPP 4)-Inhibitoren, die seit sieben Jahren als orale Antidiabetika eingesetzt werden, können offenbar in Einzelfällen schwere Gelenk­beschwerden verursachen. Das teilt die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication mit.

Dem Adverse Event Reporting System (AERS), mit dem die FDA Meldungen unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) sammelt, wurden zwischen dem 16. Oktober 2006, dem Zulassungsdatum des ersten Vertreters der Wirkstoffgruppe, und Ende 2013 insgesamt 33 Fälle berichtet, in denen Patienten nach der Einnahme eines DPP 4-Inhibitors starke Gelenkbeschwerden entwickelten. Am häufigsten betroffen war Sitagliptin (28 Patienten), gefolgt von Saxagliptin (5 Patienten), Linagliptin (2 Patienten), Alogliptin (1 Patient) und Vildagliptin (2 Patienten). Darunter waren 5 Patienten, die unter unterschiedlichen DPP 4-Inhibitoren schwere Arthralgien entwickelt hatten.

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Die Gelenkbeschwerden gingen bei allen 33 Patienten mit einer Einschränkung der körperlichen Aktivität einher. Zehn Patienten wurden sogar hospitalisiert. In 22 Fällen setzten die Symptome innerhalb von einem Monat nach Beginn der Behandlung mit dem DPP 4-Hemmer ein. In 20 der 33 Fälle wurde ein Zusammenhang mit der Einnahme des DPP 4-Inhibitors vermutet und das Mittel innerhalb eines Monats abgesetzt. Von den übrigen 13 nahmen acht Patienten das Mittel bis zu ein Jahr ein. Bei 23 von 33 Patienten verschwanden die Gelenkbeschwerden innerhalb von einem Monat nach dem Absetzen des DPP 4-Inhibitors.

Acht der 33 Patienten, bei denen sich die Symptome nach dem Absetzen gebessert hatten, entwickelten nach der erneuten Behandlung mit einem DPP 4-Inhibitor (in zwei Fällen dem gleichen Wirkstoff und in sechs Fällen einem anderen Vertreter der Wirkstoffklasse) erneut Gelenkbeschwerden. Diese positive Reexpositionsversuche sind ein starker Hinweis dafür, dass die Medikamente tatsächlich die Verursacher der UAW sind.

Eine Autoimmunreaktion scheidet nach Ansicht der FDA als Erklärung aus. Zwar hatten zehn der 33 Patienten mit Fieber und Schüttelfrost, Hautausschlag und Schwellungen typische Begleiterscheinungen einer Autoimmunreaktion. Von den 13 Patienten  mit verfügbaren Ergebnissen von Labortests hatten jedoch acht keine Hinweise auf Autoimmunerkrankungen. Bei fünf weiteren Patienten wurden zwar antinukleäre Antikörper (2 Patienten), eine verlangsamte Blutsenkungsgeschwindigkeit (1 Patient), ein erhöhtes C-reaktives Protein (1 Patient) und antinukleäre zytoplasmatische Antikörper (1 Patient) gefunden. Keiner dieser Tests war jedoch spezifisch für eine bestimmte Autoimmunerkrankung, die mit schweren Gelenkschmerzen einhergeht.

Die FDA ist deshalb überzeugt, dass die starken Gelenkbeschwerden von den DPP 4-Inhibitoren ausgelöst werden, zumal in der medizinischen Fachliteratur ebenfalls sieben Fälle beschrieben wurden (von denen zwei mit den AERS-Fällen identisch sind). Die FDA hat einen Warnhinweis auf die Komplikation verfügt. Die deutsche Fachinformation von Sitagliptin weist auf „gelegentliche“ Osteoarthrosen und Schmerzen in den Extremitäten hin, deren Häufigkeit um „über 0,5 Prozent über der in der Kontrollgruppe“ lag. In den Fachinformationen zu Saxagliptin und Vildagliptin wird die Häufigkeit ebenfalls mit „gelegentlich“ angegeben. Zum Schweregrad gibt es keine Hinweise. Die anderen genannten DPP 4-Inhibitoren sind in Deutschland nicht auf dem Markt.

Die FDA sieht keine Notwendigkeit für ein sofortiges Absetzen der Wirkstoffe. Die Ärzte sollten DPP 4-Inhibitoren jedoch als mögliche Ursache von Gelenkbeschwerden bedenken und im Einzelfall einen Wechsel auf ein anderes Antidiabetikum erwägen.

© rme/aerzteblatt.de

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