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Medizin

Zitronensaft könnte Noroviren ausschalten

Montag, 31. August 2015

Heidelberg – Zitronensaft könnte sich als sicheres, gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel gegen Noroviren eignen. Das berichten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in der Zeitschrift Virology (doi 10.1016/j.virol.2015.07.009).

Mit der zunehmenden Verbreitung von Tests werden Norovirus-Infektionen immer häufiger diagnostiziert. Nach einer Meta-Analyse in Lancet Infectious Diseases im vergangenen Jahr (doi: 10.1016/S1473-3099(14)70767-4) könnte der erst vor vier Jahrzehnten entdeckte Erreger für etwa ein Fünftel aller akuten Gastroenteritiden verantwortlich sein.

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Das Virus ist extrem ansteckend und wird fäkal-oral übertragen. „Daher ist es wichtig, ein sicheres und gesundheitlich unbedenkliches Desinfektionsmittel zur Verfügung zu haben“, erklärt Grant Hansman, der Leiter der sogenannten C.H.S.-Nachwuchsgruppe Noroviren am DKFZ und der Universität Heidelberg. Die Gruppe wird von der C.H.S.-Stiftung gefördert.

In ihrer aktuellen Arbeit zeigen Hansmann und seine Mitarbeiter, dass die Viruspartikel nach Citrat-Bindung ihre Gestalt verändern. Eine Röntgenstrukturanalyse ergab, dass Citrat aus Zitronensaft oder aus citrathaltigen Desinfektionsmitteln genau an die Stelle bindet, mit der das Virus beim Infektionsvorgang mit den Körperzellen in Kontakt tritt.

Die Ergebnisse erklären laut den Forschern, warum Citrat die Infektionsfähigkeit von Noroviren reduziert. „Vielleicht sind ja die paar Tropfen Zitronensaft, die man üblicherweise auf eine Auster träufelt, eine guter Infektionsschutz“, spekuliert Hansman. Die Arbeitsgruppe will nun untersuchen, ob Zitronensäure auch bei bereits erfolgter Norovirus-Infektion die Symptome lindern kann.

© hil/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 31. August 2015, 22:37

Zwei Schwachstellen nicht nur im DÄ!

Bitte keine voreiligen Schlussfolgerungen aus dem Bericht des Deutschen Ärzteblattes ziehen:

1. Es handelte sich mitnichten um vielleicht sogar frisch gepressten Zitronensaft aus unbehandelten Bio-Zitronen, wie auch die ELSEVIER-Medizin-Redaktion ebenso spekulativ ["Citrate from lemon juice binds to the norovirus capsid"] wie irreführend glauben machen möchte. In der Virology-Publikation selbst wurde dagegen ausschließlich über standardisierten Zitrat-Puffer publiziert ["...norovirus virus-like particles (VLPs) treated with citrate buffer..."]. Zitronensäure-Monohydrat ["Citric acid monohydrate, C6H8O7 • H2O"] wird als "Citrate Buffer" z. B. von der Firma Merck-Millipore für den Laborbedarf produziert und angeboten.

2. Vom Robert-Koch-Institut werden die Übertragungswege von Noroviren folgendermaßen beschrieben: "Infektionsweg - Die Viren werden über den Stuhl und das Erbrochene des Menschen ausgeschieden. Die Infektiosität ist sehr hoch, die minimale Infektionsdosis dürfte bei ca. 10–100 Viruspartikeln liegen. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral (z.B. Handkontakt mit kontaminierten Flächen) oder durch die o r a l e Aufnahme virushaltiger T r ö p f c h e n, die im Rahmen des schwallartigen Erbrechens entstehen. Das erklärt die sehr rasche Infektionsausbreitung innerhalb von Altenheimen, Krankenhäusern und Gemeinschaftseinrichtungen. Die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist in erster Linie die Ursache für die hohe Zahl an Norovirus-Infektionen. Infektionen können aber auch von kontaminierten Speisen (Salate, Krabben, Muscheln u. a.) oder Getränken (verunreinigtes Wasser) ausgehen." Quelle: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Noroviren.html

Ein Zitrat-Puffer-/Zitronensaft-Raumspray wurde n i c h t gegen Noroviren getestet. Die hier zitierte Virology-Untersuchung erlaubt allenfalls Rückschlüsse auf Kontaminations-, Scheuer-Wisch- oder Flächendesinfektion, vernachlässigt aber völlig die aerogenen Übertragungsmöglichkeiten von Noro-Viren.

Die C. H. S.-Nachwuchsgruppe Noroviren am DKFZ und der Universität Heidelberg ["CHS Foundation, University of Heidelberg, and DKFZ. Norovirus Study Group, Im Neuenheimer Feld 242, Heidelberg 69120, Germany"] weist methodologische Lücken auf.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #539999
klausenwächter
am Montag, 31. August 2015, 21:18

Fortschritt der Forschung - Kritikpunkt in der Klinik

Wurde nicht ein naturheilkundlicher Chefarzt im Ruhrgebiet verurteilt, der Zitronensaft intraoperativ verwendet hatte?
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