NewsÄrzteschaftLieferengpässe auch bei Antibiotika
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Lieferengpässe auch bei Antibiotika

Montag, 31. August 2015

Berlin – Auch bei einigen Antibiotika ist die Versorgung im Augenblick unsicher. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) hin. Betroffen sind vor allem das intravenöse Antibiotikum Ampicillin sowie der Kombinationswirkstoff Ampicillin/Sulbactam.

Vor wenigen Tagen hatte die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zusammen mit Onkologen und Apothekern darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff Melphalan im Augenblick nicht für die Therapie verfügbar ist. Der Hersteller kann den Wirkstoff voraussichtlich erst ab Mitte Oktober wieder liefern.

Die Ursachen für den Lieferengpass bei den beiden Antibiotika sind laut DGI und ADKA vielfältig: Produktionsverlagerungen, Ausschreibungen von Krankenkassen und fehlende Importgenehmigungen spielten dabei eine Rolle.

Anzeige

Ampicillin kommt nur bei ausgewählten Erkrankungen zum Einsatz. Die Wirkstoffkom­bination Ampicillin/Sulbactam eignet sich für Haut- und Weichteilinfektionen, Wund­infektionen, bestimmte Formen der Lungenentzündung und Infektionen im Kopf- und Halsbereich. „Neben dem günstigen Wirkspektrum ist das Präparat vergleichsweise arm an Nebenwirkungen und gehört deshalb zu den häufig verordneten intravenösen Antibiotika im stationären Bereich“, erläutert der Präsident der DGI, Gerd Fätkenheuer, die Bedeutung des Medikaments.

Die Substanzklasse der Aminopenicilline, wozu auch Ampicillin gehört, ist seitens der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) als „dringend benötigter Wirkstoff“ in der höchsten Kategorie eingestuft und durch andere Präparate schwer zu ersetzen. „Oft müssen dann breiter wirksame Präparate eingesetzt werden. Hierdurch wird aber die Wahrscheinlichkeit einer Resistenzbildung der Bakterien gegen sogenannte Reserveantibiotika, also solche mit breitem Spektrum, erhöht“, so der Präsident der DGI. Alternativ könnten Ärzte mehrere Wirkstoffe kombinieren, was die Verträglichkeit der Medikamente jedoch beeinträchtige.

Die Fachgesellschaft und der Krankenhausapotheker-Bundesverband befürchten, dass Ersatzpräparate die Bildung resistenter Bakterien begünstigen und Patienten gefährden können. Sie fordern, dass Ärzte und Apotheker über aktuelle Produktions- und Lieferschwierigkeiten unverzüglich informiert werden. Mittelfristig brauche es eine umfassende Strategie, um die Lieferfähigkeit der pharmazeutischen Industrie in Deutschland zu verbessern.

Auch die Bundes­ärzte­kammer und die AkdÄ haben den Gesetzgeber aufgefordert, die Verfügbarkeit von wichtigen Arzneimitteln sicherzustellen. 

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2019
Köln – Ein natürliches Antioxidans in grünem Tee, das multiresistente Pseudomonas-Aeruginosa-Bakterien in einer Studie angreifbarer macht, haben Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für
Antioxidans im grünen Tee könnte gegen Antibiotikaresistenz wirken
14. Oktober 2019
Berlin – Lieferengpässe bei Arzneimitteln haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Von 40 Meldungen (2015) auf 81 Meldungen (2016), auf 108 Meldungen 2017 und auf 268 Meldungen im
Zahl der Lieferengpässe bei Arzneimitteln deutlich angewachsen
9. Oktober 2019
Hamburg – Antibiotika im ambulanten Setting gezielter verordnen – das soll ein neues Modellprojekt in Hamburg ermöglichen, dass die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVHH) jetzt mit verschiedenen
Modellprojekt mit CRP-Schnelltest soll gezielte Verordnung von Antibiotika fördern
9. Oktober 2019
Bad Segeberg – Angesichts zunehmender Lieferengpässe für Arzneimittel muss die Politik dringend handeln. Dafür machte sich die Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) heute stark. Sie fordert unter
Kammer Schleswig-Holstein ruft Politik wegen Arzneimittelengpässen zum Handeln auf
8. Oktober 2019
Köln – Feedbacks von Experten können ärztliche Entscheidungen über die Verordnung von Antibiotika verbessern. Das zeigt eine interdisziplinäre Studie unter Leitung von Daniel Wiesen vom Seminar für
Ärzte profitieren von Feedback zu Verordnungsentscheidungen
7. Oktober 2019
Mainz/Wiesbaden – Nach zwischenzeitlichen Lieferengpässen für Grippe-Impfstoffe im vergangenen Jahr sind aktuell bereits mehr Impfdosen ausgeliefert worden als in der gesamten Vorjahressaison. Zur
Bereits mehr Grippe-Impfdosen freigegeben als im vergangenen Jahr
4. Oktober 2019
Kiel – Der Apothekerverband Schleswig-Holstein rechnet in dieser Saison nicht mit Engpässen bei Grippeimpfstoffen. Zwar seien über den Verband weniger Impfdosen bestellt worden als im Vorjahr, sagte
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER