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Medizin

Pest in den USA: Infektion im Nationalpark

Mittwoch, 2. September 2015

Atlanta – Die Pest, die im Mittelalter ganze Landstriche entvölkerte, ist keineswegs ausgestorben. Infektionen mit Yersinia pestis treten jedoch weiterhin in Afrika, Asien, Südamerika und im Westen der USA auf. Dort ist es laut einem Bericht im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2015; 64; 918-919) seit April des Jahres zu elf Erkrankungen gekommen.

Die Patienten kamen aus Arizona (2), Kalifornien (1), Colorado (4), Georgia (1), New Mexico (2) und Oregon (1). Zwei der elf Patienten hatten sich vermutlich bei einem Besuch des Yosemite National Park in den südlichen Sierra Nevada Mountains angesteckt, wie Natalie Kwit von den Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta, berichtet. Sie waren wie die anderen Patienten vermutlich von einem Floh gebissen worden, der mit Y. pestis infiziert war.

Der Erreger wird am Ort des Bisses von Phagozyten aufgenommen und in die regionalen Lymphknoten transportiert. Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 6 Tagen kommt es zu einem plötzlich einsetzenden hohen Fieber und Unwohlsein, die manchmal von Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen begleitet werden.

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Bei der klassischen Form kommt es zu einer Lymphknotenschwellung (die neben dem hohen Fieber zur Falldefinition der Beulenpest gehört). Auf sie entfallen 80 bis 85 Prozent aller Erkrankungen. In etwa 10 Prozent kommt es zu einer septischen Verlaufsform. Die Lungenpest, die als einzige von allen dreien direkt von Mensch zu Mensch übertragbar ist, gehört laut Kwit mit einem Anteil von 3 Prozent zu den Raritäten.

Unbehandelt verläuft die Pest nach CDC-Informationen zu 66 bis 93 Prozent tödlich. Der Erreger Y. pestis spricht jedoch auf Antibiotika an, und eine Behandlung mit Amino­glykosiden, Fluorchinolonen oder Doxycyclin kann zur Ausheilung führen, wenn sie rechtzeitig erfolgt. Dies war bei drei der elf amerikanischen Patienten offenbar nicht der Fall. Die Patienten im Alter von 16, 52 und 79 Jahren sind an der Pest gestorben.

Die Pest ist vermutlich seit 1900, als es in San Francesco einen größeren Ausbruch gab, in den westlichen Staaten der USA endemisch. Die Zahl der Ausbrüche war mit ein bis 17 Erkrankungen in den letzten Jahren gering. Warum jetzt innerhalb weniger Monate elf Personen erkrankten, ist laut Kwit unbekannt.

In Europa hat es laut Informationen des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) seit Jahrzehnten keine Pesterkrankungen mehr gegeben.

© rme/aerzteblatt.de

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