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Medizin

Gefährliche Ketoazidose bei jungen Diabetikern häufig

Donnerstag, 3. September 2015

Ulm – Fünf bis sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes vom Typ 1 erleiden eine gefährliche diabetische Ketoazidose. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Reinhard Holl von der Universität Ulm in der Zeitschrift Diabetes Care (doi:10.2337/dc15-0780). Die Forscher werteten dafür die Daten von nahezu 50.000 Typ-1-Diabetikern aus.

„Wird zu wenig Insulin injiziert, kann der Körper die Energie aus Kohlenhydraten nicht mehr verwerten und stellt auf eine verstärkte Fettverbrennung und Proteinverwertung um. Für die Gesundheit der Patienten hat das auf Dauer gravierende Folgen. Dies kann bis zur Bewusstlosigkeit führen, im schlimmsten Falle sogar zum Tod“, erklärt Holl, Leiter des Zentralinstituts für Biomedizinische Technik (ZIBMT) an der Universität Ulm. Die gesteigerte Fett- und Proteinverbrennung führt dabei zu einer massiven Über­säuerung des Blutes durch Acetessigsäure und ß-Hydroxybuttersäure. Es bilden sich saure Ketonkörper, die nicht nur den Energiestoffwechsel beeinträchtigen, sondern auch den Gasaustausch im Blut stören.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass fünf bis sieben Prozent der jungen Diabetiker, die länger als ein Jahr erkrankt waren, von dieser lebensgefährlichen Stoffwechsel­störung betroffen waren. Dabei stellte sich heraus, dass überdurchschnittlich viele Mädchen an der diabetischen Ketoazidose erkrankt waren und dass auch die gesellschaftliche Integration eine Rolle spielt.

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So war bei den jungen weiblichen Patienten das Risiko um 23 Prozentpunkte höher als bei den jungen Patienten männlichen Geschlechts. Gehörten die jungen Diabetiker ethnischen Minderheiten an wie in England, Wales oder den USA oder hatten sie einen so genannten Migrationshintergrund wie in Deutschland oder Österreich, war ihr Risiko sogar um 27 Prozent höher als bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1, die der Mehrheitsgesellschaft zuzurechnen sind.

„Die hohen Zahlen haben uns überrascht, denn Blutzuckermessgeräte und Insulin­pumpen oder -injektoren arbeiten heute so genau, dass von der medizinischen Versorgungstechnik her eine optimale Therapie eigentlich gewährleistet sein könnte“, so Holl. Die Wissenschaftler fordern daher bessere Informations- und Betreuungs­programme, die die Familien der Betroffenen enger mit einbeziehen.

Besondere Sorge bereitet dem Forscherteam die Ketoazidose-Rate bei Mädchen in der Pubertät. „Wir gehen davon aus, dass vor allem die weiblichen Teenager absichtlich kein Insulin spritzen, um über die dadurch verstärkte Fettverbrennung Gewicht zu verlieren“, vermutet Mitautor Justin Warner vom Department of Child Health des Uni­versitätsklinikums Cardiff in Wales. „Wie gesundheitsschädlich, ja sogar lebensgefährlich der Verzicht auf eine angemessene Insulin-Therapie sein kann, wissen die wenigsten“, warnt Holl. 

© hil/aerzteblatt.de

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