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Medizin

CML: Diabetesmittel könnte Leukämiestammzellen beseitigen

Donnerstag, 3. September 2015

Paris – Eine vorübergehende Therapie mit dem oralen Antidiabetikum Pioglitazon steigert möglicherweise die Chancen von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML), unter der Standardtherapie mit Imatinib eine molekulare Remission zu erzielen. Französische Forscher führen diese überraschende Wirkung in Nature (2015; doi: 10.1038/nature15248) auf die Beseitigung von Leukämie-Stammzellen zurück.

Der Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib hat in den letzten 14 Jahren die Behandlungsergeb­nisse bei der CML deutlich verbessert. Imatinib verhindert, dass das für die Leukämie verantwortliche Fusions-Gen BCR–ABL (entstanden durch den Austausch von genetischem Material zwischen den Chromosomen 9 und 22 und erkennbar als Philadelphia-Chromosom) die Proliferation der Leukozyten antreibt.

Es gelingt allerdings nur selten, Zellen mit Philadelphia-Chromosom vollständig aus dem Blut zu entfernen. Forscher führen dies auf einen überlebenden Pool von Leukämie-Stammzellen zurück, die nach Absetzen von Imatinib ein Rezidiv auslösen und deshalb in den letzten Jahren zu einem Forschungsschwerpunkt geworden sind.

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Dabei geht es um die Frage, wie die Entstehung von Leukämie-Stammzellen verhindert werden könnte. Stéphane Prost vom Institut des Maladies Emergentes et des Thérapies Innovantes in Paris und Mitarbeiter haben bei ihren Forschungen entdeckt, dass die Leukämie-Stammzellen zum Überleben eine größere Menge des Proteins STAT5 benötigen.

Daraus ergibt sich ein möglicher Wirkungsansatz für Pioglitazon. Das Mittel aktiviert im Zellkern bestimmte PPAR-Rezeptoren (Peroxisome Proliferator activated Receptor), die die Produktion einer Reihe von Proteinen steigern. Darunter ist auch STAT5. Erste Laborexperimente deuteten darauf hin, dass die Kombination von Imatinib mit Pioglitazon die Zahl der Leukämie-Stammzellen deutlich vermindert.

Die Entdeckung hat bereits eine Phase 2-Studie veranlasst. Dort werden 24 Patienten mit stabiler CML und residualer Erkrankung (Nachweis von BCR–ABL und Philadelphia-Chromosom) über 12 Monate mit einer Kombination von Imatinib und Pioglitazon behandelt. Wie Prost berichtet, erreichten 57 Prozent der Patienten unter der Kombinationstherapie eine molekulare Remission gegenüber nur 27 Prozent in einer historischen Vergleichsgruppe.

Prost berichtet darüber hinaus über drei Patienten, die unter der Kombinationstherapie nach 6, 10 und 12 Monaten eine komplette Remission erzielten, die nach dem Absetzen von Pioglitazon seit mittlerweile bis zu 4,5 Jahre bestand hat. Der letzte dieser Patienten hat inzwischen auch Imatinib abgesetzt. Er sei seit nunmehr sechs Monaten ohne jegliche Medikamente in kompletter molekularer Remission.

Ob es sich hierbei um einen glücklichen Einzelfall handelt, oder ob die Kombination mit Pioglitazon für Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver CML neue thera­peutische Konsequenzen bietet, muss jetzt in weiteren klinischen Studien geklärt werden. © rme/aerzteblatt.de

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