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Medizin

Ukraine: Hungerkatastrophe erhöhte Diabetesrisiko

Sonntag, 6. September 2015

New York – Eine Unterernährung des ungeborenen Kindes in der frühen Schwanger­schaft kann das Risiko auf eine Erkrankung am Typ 2-Diabetes im höheren Lebensalter erhöhen. Dies kam in einer Auswertung des Diabetesregisters der Ukraine im Lancet Diabetes & Endocrinology (2015; doi: 10.1016/S2213-8587(15)00279-X) heraus.

In der Ukraine war es 1932/33 infolge wetterbedingter Missernten und einer uner­bittlichen Zwangskollektivierung unter Stalin zu einer Hungersnot gekommen, der nach unterschiedlichen Schätzungen 2,4 Millionen bis 7,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die Auswirkungen sind noch heute im Diabetesregister des Landes erkennbar, wie Lambert Lumey von der Mailman School of Public Health in New York und Mitarbeiter herausgefunden haben.

Die Forscher werteten die Daten von 43.150 Patienten mit Typ 2-Diabetes im Alter von 40 oder älter aus, die im Diabetes-Register der Ukraine gespeichert sind. Zum Vergleich wurden die Daten von 1,4 Millionen Menschen herangezogen, die zwischen 1930 und 1938 in den von der Hungersnot betroffenen Regionen geboren wurden. Dabei fiel eine erhöhte Erkrankungsrate am Typ 2-Diabetes von Personen auf, die zwischen Mai und Juli 1933 geboren wurden, etwa neun Monate nach dem Höhepunkt der Hungersnot.

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Personen die in Regionen mit der extremsten Hungersnot geboren wurden, erkrankten nach den Berechnungen von Lumey zu 47 Prozent häufiger an einem Typ 2-Diabetes (Odds Ratio 1,47; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,37–1,58). In Regionen, wo die Menschen weniger stark unter Hunger litten, war die Odd Ratio mit 1,26 (1,14-1,39) etwas geringer. Menschen aus Regionen ohne Hungersnot hatten dagegen kein erhöhtes Diabetes-Risiko (OR 1,00; 0,91–1,09).

Diese „Dosis-Wirkung-Beziehung“ ist für Lumey ein wichtiges Argument für eine Kausalität der Assoziation. Dass der extreme Nahrungsmangel in der Früh­schwangerschaft lebenslange Folgen hat und im höheren Lebensalter das Diabetes-Risiko erhöht, führt der Forscher auf epigenetische Veränderungen in der DNA-Regulation zurück. © rme/aerzteblatt.de

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