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Medizin

Agent Orange erhöht Risiko auf Krebsvorstufe MGUS

Freitag, 4. September 2015

dpa

New York – US-Piloten, die im Vietnamkrieg dem Entlaubungsmittel Agent Orange ausgesetzt waren, entwickeln im Alter häufiger eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), die eine obligatorische Vorstufe des Multiplen Myeloms ist. Das Risiko korrelierte der Studie in JAMA Oncology (2015 doi: 10.1001/jamaoncol.2015.2938) zufolge auch mit der TCDD-Konzentration in einer Jahre nach der Exposition entnommenen Blutprobe.

In den Jahren 1962 bis 1971 versprühte die US-Luftwaffe in der Operation Ranch Hand großflächig Herbizide über den Wäldern Vietnams. Zum Einsatz kam unter anderem Agent Orange, das mit 2,3,7,8-Tetrachlorodibenzodioxin (TCDD), einem extrem toxischen Dioxin, kontaminiert war. Das lipophile TCDD reicherte sich im Fettgewebe an, und es war noch 1987 regelmäßig in Blutproben nachweisbar, die bei Teilnehmern der Air Force Health Study (Ranch Hand) entnommen wurden.

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Dioxine werden als krebserregend eingestuft. Ein früherer Report des Institut of Medicine hat den Einsatz von Agent Orange bereits mit sieben Krebsarten in Verbindung gebracht, darunter waren vier Malignome, die aus B-Zellen des Immunsystems entstehen: Chronische myeloische Leukämie, Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphom und Multiples Myelom, wobei die Beweislage beim Multiplen Myelom als grenzwertig eingestuft wurde. 

Ein obligatorischer Vorläufer des Multiplen Myeloms ist die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Bei den Patienten sind im Blut vermehrt Immunglobuline nachweisbar, die wie beim Multiplen Myelom von einem Klon von Plasmazellen gebildet  werden. Patienten mit MGUS haben keine Krankheitszeichen, doch bei 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr kommt es zum Multiplen Myelom.

Ein Team um Ola Landgren vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York hat jetzt die Daten von 479 Veteranen der Operation Ranch Hand mit einer gleichen Anzahl von ehemaligen Piloten verglichen, die kein Agent Orange versprüht hatten. Insgesamt 7,1 Prozent der Ranch Hand-Veteranen erfüllten die Diagnose einer MGUS. In der Kontrollgruppe waren es nur 3,1 Prozent. Landgren ermittelte eine adjustierte Odds Ratio von 2,37, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,27 bis 4,44 statistisch signifikant war.

In einer zweiten Analyse setzte Landgren die TCDD-Konzentration in den Blutproben von 1987 mit den späteren MGUS-Diagnosen in Beziehung. Die Assoziation war dosis-abhängig. Die Veteranen im Quartil mit der höchsten Exposition hatte 2,43-fach häufiger eine MGUS. Die Odds Ratio verfehlte bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,92 bis 6,44 jedoch das Signifikanzniveau.

Der Editorialist Niklhil Munshi vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston ist dennoch überzeugt, dass Dioxine wie Agent Orange Störungen von Plasmazellen auslösen können. Plasmazellen gehören zu den B-Zellen, die nach Ansicht von Munshi besonders empfindlich auf Dioxine reagieren. © rme/aerzteblatt.de

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