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Medizin

Rolapitant: Neuer Wirkstoff gegen das Erbrechen bei der Chemotherapie

Sonntag, 6. September 2015

dpa

Silver Spring – Die US-amerikanische Arzneibehörde FDA hat einen neuartigen Wirkstoff zur Prävention von Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie (CINV) zugelassen. Der Einsatz des „Substanz P/Neurokinin-1“ (NK 1)-Antagonisten Rolapitant ist aufgrund seiner langen Wirkdauer aber auf Situationen beschränkt, in denen mit einer verzögerten, sprich verlängerten Übelkeit zu rechnen ist.

Die Aktivierung von NK 1-Rezeptoren ist im Gehirn an der Entstehung von Übelkeit und Erbrechen beteiligt, das eine häufige Nebenwirkung von Krebschemotherapien ist. Rolapitant blockiert die NK-1-Rezeptoren und wirkt dadurch anti-ematogen. Eine Besonderheit des Wirkstoffs ist eine lange Bindungsdauer von bis zu 120 Stunden am NK-1-Rezeptor. Eine einzige Tablette kann damit die gesamte Phase einer verzögerten CINV abdecken, die zwischen 25 und 120 Stunden dauert.

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Sicherheit und Wirksamkeit von Rolapitant wurden in drei placebokontrollierten Phase 3-Studien an insgesamt 2.800 Patienten untersucht. Der NK 1-Antagonist (oder Placebo) wurde dabei mit Granisetron und Dexamethason kombiniert. In zwei der drei Studien hatten die Patienten eine hoch-ematogene Cisplatin-basierte Chemotherapie erhalten. Rolapitant steigerte den Anteil der Patienten, bei denen ein Erbrechen oder eine Rescue-Medikation vermieden werden konnte, von 58,4 auf 72,7 Prozent beziehungsweise von 61,9 auf 70,1 Prozent (Lancet Oncology 2015; 16: 1079–1089).

In der dritten Studie hatten die Patienten eine moderat-ematogene Chemotherapie mit Anthrazyklin/Cyclophosphamid-Kombinationen, Carboplatin, Irinotecan, Pemetrexed, Oxaliplatin oder Doxorubicin erhalten. Der Anteil der Patienten, bei denen ein Erbrechen oder eine Rescue-Medikation vermieden werden konnte, stieg hier von 61,6 auf 71,3 Prozent (Lancet Oncology 2015; 16: 1071-1078).

Die häufigsten Nebenwirkungen waren laut FDA Neutropenien, Schluckauf, ein verminderter Appetit und Schwindel. Rolapitant hemmt das CYP2D6-Enzym, das für die Metabolisierung bestimmter Medikamente zuständig ist. Rolapitant darf deshalb nicht zusammen mit dem Neuroleptikum Thioridazin eingesetzt werden. Thioridazin wird vom CYP2D6-Enzym metabolisiert. Die gleichzeitige Behandlung mit Rolapitant könnte laut FDA zu einem Anstieg der Serumkonzentration von Thioridazin führen mit der Folge schwerwiegender Herzrhythmusstörungen.

Ob das Mittel auch in Europa eingeführt werden soll, geht aus der Pressemitteilung des Herstellers nicht hervor. Auf den Seiten der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA finden sich keine Hinweise auf Rolapitant.

© rme/aerzteblatt.de

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