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Ausland

Europaparlament will Produkte von Klontieren aus EU verbannen

Dienstag, 8. September 2015

Straßburg – Fast zwei Jahrzehnte nach der umstrittenen Geburt des ersten Klonschafs „Dolly“ hat das Europaparlament ein umfassendes und unbefristetes Verbot von Lebensmitteln aus Klonen und deren Nachkommen gefordert. Auch der Import von Klontieren und daraus erzeugten Lebensmitteln, etwa Molkereiprodukten, in die EU soll untersagt werden. Darauf zielt eine Verordnung ab, die am Dienstag in erster Lesung mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

Der deutsche Tierschutzbund begrüßte das Votum. Nun müsse sich die Bundesregierung im EU-Ministerrat dafür einsetzen, dass die Forderungen des Parlaments verwirklicht werden, erklärte der Verband.

Nach dem Willen der EU-Volksvertretung soll das Verbot nicht nur für die geklonten Tiere selbst gelten, sondern auch für deren Nachkommen. Zudem soll auch die Vermarktung von Zuchtmaterial geklonter Tiere – Sperma, Eizellen und Embryonen – in der gesamten EU untersagt werden. Das Straßburger Parlament fordert ferner, dass Tiere nur aus Drittländern in die EU eingeführt werden dürfen, wenn diese nachweisen, dass es sich weder um Klone noch um Nachkommen von Klonen handelt. Dazu soll von Exportländern wie den USA, Argentinien, Kanada und Brasilien ein „Klonfrei“-Zertifikat für alle Tiere- und Tierprodukte gefordert werden.

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Das Europaparlament begründet diese Forderung vor allem mit einer Eurobarometer-Umfrage, nach der mehr als 80 Prozent der EU-Bürger das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung grundsätzlich ablehnen. Außerdem macht es ethische Bedenken geltend: Die Abgeordneten verweisen auf eine Stellungnahme der EU-Lebensmittelbehörde EFSA, wonach nur ein kleiner Teil der Klontiere lebend geboren wird. Bei den überlebenden Klonen und deren Nachkommen seien zudem „Gesundheit und Wohlergehen“ schwer beeinträchtigt, heißt es in einem Bericht der EFSA von 2008.

Die Forderungen des Parlaments gehen weit über die der Kommission hinaus, die lediglich ein fünfjähriges Moratorium für das Klonen von Nutztieren vorgeschlagen hat. Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis beharrte auf seiner Position. Er lehnte vor allem die vom Parlament geforderte Nachverfolgbarkeit von Klonen ab.  

Zahlreiche Abgeordnete reagierten mit harscher Kritik. Der Gesundheitskommissar setze sich über den Willen der Verbraucher hinweg, um die laufenden Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) nicht zu beeinträchtigen, sagte der französische Grüne José Bové. Sein deutscher Fraktionskollege Martin Häusling (Grüne) betonte, die Kommission toleriere „mit Rücksicht auf die USA“, dass Klonsperma in die EU gelange. Dies müsse unterbunden werden.

„Sie haben nicht das Recht, uns als Versuchskaninchen zu missbrauchen“, sagte die italienische Konservative Giulia Moi. „Die Gesundheit unserer Kinder darf nicht aus Profitgründen geopfert werden“. Die CDU-Abgeordnete Renate Sommer erklärte, die Mitgliedsländer müssten nun zeigen, ob sie an der Seite der Verbraucher stünden oder nicht.

Die Vorlage geht nun an den Rat, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind.  Auch sie sind in der Frage zerstritten. Einige Länder lehnen bisher ein striktes Klonverbot ab und wollen sich mit einer Kennzeichnungspflicht für Fleisch und andere Produkte von Nachkommen geklonter Tiere begnügen. Das Parlament und der Ministerrat entscheiden über die Frage gemeinsam. Damit ein Klonverbot verabschiedet werden kann, müssen sich also beide Gremien auf eine gemeinsame Position einigen. © afp/aerzteblatt.de

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