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Ausland

Weltweit sterben jedes Jahr 100.000 Menschen an Schlangenbissen

Dienstag, 8. September 2015

Puffotter ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern /dpa

Berlin – Rund fünf Millionen Menschen werden jedes Jahr weltweit von Giftschlangen gebissen. Etwa 100.000 von ihnen sterben daran, bei 400.000 weiteren Patienten kommt es zu Behinderungen oder Entstellungen. „Immer häufiger müssen die Einsatzteams von Ärzte ohne Grenzen Opfer von Schlangenbissen versorgen“, hieß es heute aus der Hilfsorganisation.

Aber Schlangenbisse stünden auf der nationalen und internationalen gesundheits­politischen Agenda weit unten – trotz der vielen Todesopfer. Ärzte ohne Grenzen nennt dafür vier Gründe: Zunächst sei es schwierig, die Zahl der Opfer genau zu bestimmen. Häufig seien sie Menschen in schwer zugänglichen, ländlichen Gebieten. Da sie kaum Zugang zu Gesundheitsversorgung hätten und sich keine teure Behandlung leisten könnten, wendeten sie sich an traditionelle Heiler oder verzichteten ganz auf eine Behandlung.

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Zweitens seien die lebensrettenden Gegengifte teuer. In den Ländern südlich der Sahara können die Kosten für das Gegengift laut Ärzte ohne Grenzen bis zu 250 oder 500 US-Dollar pro Patient betragen. Drittens sei die Forschung und Entwicklung hinsichtlich neuer Diagnose- und Behandlungsverfahren ungenügend. „Und viertens zeigen die Regierungen und Geldgeber wenig Interesse daran, das Problem anzu­packen“, kritisiert die Hilfsorganisation. Auch viele der am schwersten betroffenen Länder vernachlässigten das Problem. Regierungen und Gesundheitsbehörden versäumten es, das Gesundheitspersonal angemessen für die Diagnose und Behandlung von Vergiftungen durch Schlangenbisse zu schulen.

„All diese Faktoren gemeinsam haben dazu geführt, dass die Opfer von Schlangen­bissen einen völlig ungenügenden Zugang zur Behandlung haben“, kritisiert Ärzte ohne Grenzen.

Die Hilfsorganisation fordert unter anderem, die Welt­gesund­heits­organi­sation sollte einen Experten einsetzen, der nach Bedarf Beratung und Unterstützung leisten könne. Regierungen und Gesundheitsbehörden müssten für eine angemessene Ausbildung des Gesundheitspersonals in der Diagnose und Behandlung von giftigen Schlangenbissen sorgen. Studien sollten die Kenntnisse über die Epidemiologie und die optimale Behandlung von Schlangenbissen in Ländern südlich der Sahara verbessern. Außerdem müssten internationale Geber und die Institutionen, die Programme zur Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten unterstützen, die Herstellung wirksamer Gegengifte finanzieren.

© hil/aerzteblatt.de

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