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Ausland

Kindersterblichkeit: UNO verfehlt trotz Fortschritten Millen­niums-Entwicklungsziel

Mittwoch, 9. September 2015

New York – Die Kindersterblichkeit ist in den letzten 25 Jahren weltweit um mehr als die Hälfte gesunken. Das ehrgeizige Millenniums-Entwicklungsziel 4 der Vereinten Nationen (UNO), die Zahl der Todesfälle von unter Fünfjährigen um zwei Drittel zu senken, wurde laut einer jetzt im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)00120-8) vorgestellten Untersuchung jedoch verfehlt.

In diesem Jahr werden vermutlich 5,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag sterben, die Hälfte (45 Prozent) davon bereits in den ersten 28 Tagen. Die meisten dieser Todesfälle sind vermeidbar, wie die niedrige Kindersterblichkeit in den reicheren Ländern zeigt. Dort kamen 2010 auf 1.000 Lebendgeburten nur 7,9 Todesfälle innerhalb der ersten 5 Lebensjahre. In Afghanistan waren es 257, in Angola 220. In diesen beiden Ländern, die stellvertretend für die Regionen Südasien und Subsahara-Afrika stehen, starb also jedes vierte Kind vor dem Erreichen des Schulalters. Die gravierenden globalen Unterschiede sind lange bekannt und die UNO hatte deshalb vor 15 Jahren die Senkung der Kindersterblichkeit zu einem ihrer acht Millenniums-Entwicklungsziele erklärt. Zwischen 1991 und 2015 sollte die Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen um zwei Drittel (von 10,6 Prozent auf 3,5 Prozent) gesenkt werden.

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Dieses ehrgeizige Ziel wurde nach den jetzt von der UN Inter-agency Group for Child Mortality Estimation (UN IGME) vorgestellten Ergebnissen nicht erreicht. Global gesehen sank die Kindersterblichkeit zwar von 91 auf 43 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten, was ein Rückgang um „nur“ 53 Prozent ist. Insgesamt 62 Länder haben das Millenniums-Entwicklungsziel 4 jedoch erreicht: Darunter waren 12 ärmere Länder (Kambodscha, Äthiopien, Eritrea, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mosambik, Nepal, Niger, Ruanda, Uganda, und Tansania) und ein weiteres Dutzend im unteren Mittelbereich des Einkommens (Armenien, Bangladesch, Bhutan, Bolivien, Ägypten, El Salvador, Georgien, Indonesien, Kirgisistan, Nicaragua, Osttimor und der Jemen).

Die Gründe für diese günstige Entwicklung hat die Gruppe um Danzhen You von UNICEF in New York nicht untersucht. Experten nennen jedoch die Verbesserung der Schwangerschaftsvorsorge und Geburtshilfe, die Verteilung von mit Insektiziden imprägnierten Moskitonetzen (gegen Malaria), die Verbesserungen im Ernährungsstatus einschließlich einer Vitamin A-Supplementierung, die bessere Behandlung von Malaria, Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen sowie nicht zuletzt Impfungen. Die Ausweitung der Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ B, Pneumokokken und Rotavirus gehört für die Editorialisten Robert Black und Li Liu von der John’s Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore zu den wichtigsten Maßnahmen, um die Kindersterblichkeit in den nächsten Jahren weiter zu senken. 

Die UNO hat die Kindersterblichkeit zu einem ihrer Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals SDG) gemacht. SDG-Punkt 3.2 fordert, dass bis zum Jahr 2030 die Kindersterblichkeit auf unter 25 pro 1.000 Lebendgeburten gesenkt werden soll.

© rme/aerzteblatt.de

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