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Politik

Qualität der Gesundheits­informationen im Internet ist schlecht

Mittwoch, 9. September 2015

dpa

Köln – Die Central Kran­ken­ver­siche­rung hat innerhalb eines Jahres mehr als 41 Millionen Google-Suchanfragen deutscher Nutzer zu Krankheiten analysiert und dabei auch die Qualität der im Internet veröffentlichten Gesundheitsinformationen unter die Lupe genommen. Nach der Studie „Praxis Dr. Internet“ ist die Schilddrüsen­vergrößerung mit durchschnittlich 294.000 Suchen monatlich die mit Abstand meistgesuchte Krankheit der Deutschen im Netz, gefolgt von Diabetes (140.220 Suchen pro Monat) und Hämorrhoiden (127.400 Suchen pro Monat). Zu den übrigen Top-10-Krankheiten zählen Magenschleimhautentzündung, Magersucht, Neurodermitis, ADHS, Depression, Durchfall und Bluthochdruck.

In den Stadtstaaten wird öfter gesucht als im Osten
Die Studie gibt zudem Aufschluss über das regionale Krankheitssuchverhalten: So informierten sich im bundesweiten Vergleich die Bewohner der Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin mit durchschnittlich 1 bis 1,18 Suchen pro Einwohner (Alter: 14–75 Jahre) im Jahr am häufigsten über Krankheiten online, wohingegen in den östlichen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg durchschnittlich nur 0,3 bis 0,44 Krankheitssuchen je Einwohner im Jahr stattfanden.

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Während die Top-10-Krankheiten in nahezu allen Bundesländern ähnlich häufig vertreten waren, zeigten sich in den darauf folgenden Rängen teilweise große Unterschiede. So wurde in Brandenburg und in Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt häufiger nach Brustkrebs recherchiert, Hamburger und Bremer hingegen suchten überdurchschnittlich häufig nach psychosomatischen Erkrankungen. Darüber hinaus wurde in Berlin beispielsweise häufiger als anderswo zum Stichwort HIV im Internet recherchiert.

Auf der Basis der meistgesuchten Krankheiten untersuchte die Studie zusätzlich die Qualität der im Internet veröffentlichten Gesundheitsinformationen. Dazu wurden je Krankheit die ersten zehn Ratgeberseiten der Google-Trefferliste ausgewählt und von dem Ärzteteam der Kran­ken­ver­siche­rung anhand eines speziellen Kriterienkatalogs bewertet. Unter den insgesamt 100 Ratgeber-Webseiten befanden sich nach Angaben von Central Gesundheitsportale, Websites von Unternehmen, Institutionen und Verbänden sowie Online-Lexika.

Quellenagaben und Belege oft nicht genannt
Das Ergebnis: Mehr als 30 Prozent der bewerteten Webseiten schnitten mit „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“ ab. Über alle 100 Webseiten hinweg wurde nur die Durchschnittsnote „ausreichend“ erzielt.  Am besten bewerteten die Studienautoren mit „befriedigend“ die Webseiten zu Magersucht und Depression. Große Mängel zeigten sich der Studie zufolge etwa in der Kategorie „Belegbarkeit“: So fehlte  beispielsweise bei drei von vier Seiten der vollständige Beleg der Aussagen durch Quellen, in der Hälfte der Fälle fehlten Quellenangaben völlig.  Auch auf Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften wurde nur selten hingewiesen, ebenso auf den Evidenzgrad bei beschriebenen Therapien. Ebenso ließ die Vollständigkeit der Informationen, etwa im Hinblick auf Therapieoptionen, erheblich zu wünschen übrig.

Verbindliche Standards notwenig
„Angesichts der Tatsache, dass etwa 80 Prozent der Internetsurfer Gesundheitsin­formationen im Netz suchen, ist dieses Ergebnis mehr als bedenklich“, erklärte Markus Homann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central Kran­ken­ver­siche­rung. „Bei Gesundheitsinformationen im Internet muss man im Sinne der Patientensicherheit akribisch und streng sein. Die meisten Angebote dagegen sind unvollständig, fehlerhaft und lassen den Suchenden oft ohne jegliche Einordnung zurück.“ Homann zufolge sind daher verbindliche Standards für Gesundheitsinformationen im Netz. notwendig. © KBr/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 9. September 2015, 19:00

Medizin ist n i c h t digital, sondern analog!

Die medizinisch-ärztliche Welt der Krankheiten, der Anamnese, Untersuchung, Beratung, Differenzialdiagnostik und multidimensionalen Therapien ist analog und überhaupt n i c h t digital. Selbst digitale Palpationstechniken und Untersuchungen bedeuten ein rein analoges Vorgehen.

Unsere Kernkompetenz sind Zehntausende von Krankheits-Entitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlungen, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Asthma/COPD, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischer/diastolischer/pulmonaler Hypertonie, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Carotisstenosen, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten mit Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Rheuma, Kollagenosen, endokrinen Störungen, Nierenversagen, Neuropathien, Systemerkrankungen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten, chronischen Schmerzen usw. usf.

Medizinische "Gesundheits"-Apps, E-Health und Telemedizin bzw. die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens sind nur Hilfsmittel und notwendiges Accessoire. Ablauf-, Prozess- und Ergebnisqualitäten in der Humanmedizin werden eher durch analoge Kommunikations-, Interaktions-, Kontemplations-, Empathie- und Reflexionsfähigkeit bzw. selbstkritische Wahrnehmungsfähigkeit bei Ärzten und Patienten definiert.

Digitalisierung der gesamten Medizin, Apps, Telemedizin-Anwendungen, E-Health-Gesetze ebenso wie Diagnostik-Tools im Internet als "Symptom-Checker" [vgl.
"Evaluation of symptom checkers for self diagnosis and triage: audit study" im
BMJ 2015; 351 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h3480 (Published 08 July 2015)
Cite this as: BMJ 2015;351:h3480" von H. L. Semigran et al.] berücksichtigen nicht mal unsere bewegungseingeschränkten, teilhabegeminderten, bio-psycho-sozial benachteiligten, EDV-fernen, älteren, multimorbiden Patientinnen und Patienten.

Ärztliche, psychotherapeutische, pflegerische und physiotherapeutische Professionen, deren Empathie- und therapeutisch interventionellen Fähigkeiten sind grundsätzlich analoger Natur. "Durchs Telefon und durch die Hose - stellt man keine Diagnose" hieß es bereits zu meiner Uni-Zeit. "Nur per digitaler Medizin, App oder EDV-Symptom-Checker ist viel zu ungenau" müsste man heute ergänzen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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