NewsMedizinMultiple Sklerose: Rauchen könnte Krankheitsverlauf beschleunigen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Multiple Sklerose: Rauchen könnte Krankheitsverlauf beschleunigen

Mittwoch, 9. September 2015

dpa

Stockholm - Raucher, die ihre Gewohnheit nach der Diagnose einer Multiplen Sklerose fortsetzten, erreichten in einer Querschnittsstudie früher das sekundär progrediente Stadium der Erkrankung. Das Risiko stieg der Publikation in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.1788) mit jedem Raucherjahr um mehrere Prozent an.

Rauchen ist einer der bekannten Risikofaktoren für eine Multiple Sklerose. Ob das Rauchen aber auch das Fortschreiten der neurologischen Erkrankung beschleunigt, ist nicht bekannt. Ein Team um Jan Hillert vom Karolinska Institut in Stockholm hat hierzu die Daten der „Genes and Environment in Multiple Sclerosis“ oder GEMS-Studie ausgewertet, die den Einfluss von Genen und Umweltfaktoren auf die Erkrankung untersucht.

Anzeige

Unter den Teilnehmern waren 728 Raucher, von denen 332 das Rauchen nach der Diagnose fortsetzten. Weitere 118 Patienten hatten das Rauchen aufgegeben, die anderen 278 Patienten gaben an, hin und wieder zu rauchen. Von den 728 Patienten hatten 216 das Stadium einer sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) erreicht. Die Dauer bis zum Beginn der SPMS ist ein einfacher Parameter für die „Geschwindigkeit“ der Erkrankung. 

Die Studie ergab, dass die kontinuierlichen Raucher dieses Stadium schneller erreichten als Patienten, die das Rauchen aufgegeben hatten. Hillert errechnet einen „Beschleunigungsfaktor“ von 1,047, der mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,023 bis 1,072 signifikant war. Er bedeutet, dass jedes Jahr, das Raucher nach der Diagnose weiter rauchen, die Wahrscheinlichkeit einer Konversion zur SPMS um 4,7 Prozent erhöht. Der Verzicht auf das Rauchen könnte laut Hillert eine ähnliche Wirkung haben wie die Einnahme von krankheitsmodifizierenden Medikamenten (DMD).

Anders als bei den DMD, deren Wirkung in randomisierten klinischen Studien untersucht wurde, ist die Evidenz für den Rauchstopp jedoch schwach. Eine Querschnittsuntersuchung gehört zu den epidemiologischen Untersuchungen mit einem hohen Risiko von Verzerrungen. Andererseits wäre das Potenzial eines Rauchstopps enorm. Der Anteil der Raucher lag in der schwedischen Kohorte bei 60 Prozent (und damit wahrscheinlich weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt).

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Oktober 2019
Sacramento – Kalifornische Strände und Naturparks werden zur rauchfreien Zone. Der Gouverneur des US-Westküstenstaates unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das den Konsum von Zigaretten
Kalifornien verbietet Rauchen an Stränden und in Naturparks
11. Oktober 2019
Berlin – Der Bundestag muss sich mit der Forderung nach einem Rauchverbot in Autos mit Kindern und Schwangeren beschäftigen. Der Bundesrat beschloss heute, einen entsprechenden Gesetzentwurf ins
Bundestag muss sich mit Rauchverbot in Autos im Beisein von Kindern und Schwangeren beschäftigen
8. Oktober 2019
New York – Die Exposition mit dem Dampf aus nikotinhaltigen E-Zigaretten hat in einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2019; doi: 10.1073/pnas.1911321116) bei Mäusen
E-Zigaretten mit Nikotin erzeugen bei Mäusen Lungenkrebs und Urothelhyperplasien
7. Oktober 2019
Berlin – Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus strebt eine rasche Einigung mit der SPD auf eine Ausweitung des Verbots für Tabakwerbung an. „Ich würde gern einen konstruktiven Strich unter das Thema
Brinkhaus für schnelle Einigung mit SPD beim Tabakwerbeverbot
4. Oktober 2019
Scottsdale – Die Ursache der schweren Atemwegserkrankungen, an denen in den USA bereits mehr als tausend Anwender von E-Zigaretten erkrankt sind, ist weiterhin unbekannt. Mediziner der Mayo Clinic
E-Zigaretten: Mediziner vermuten jetzt chemisch-toxische Lungenschädigung
4. Oktober 2019
Washington – Die Zahl der Lungenerkrankungen und Todesfälle in den USA, die mit dem Rauchen von E-Zigaretten in Verbindung gebracht werden, ist weiter deutlich gestiegen. Wie die US-Gesundheitsbehörde
E-Zigaretten: Zahl der Lungenerkrankten in den USA gestiegen
4. Oktober 2019
Melbourne – Im Haupteinkaufsviertel der australischen Stadt Melbourne darf nicht mehr geraucht werden. Am Freitag trat in der Metropole im Südosten des Landes ein neues Rauchverbot rund um die Bourke
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER