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Ärzteschaft

Geriater diskutieren das Problem der Multimedikation

Donnerstag, 10. September 2015

dpa

Frankfurt – Chronische Erkrankungen und Multimorbidität tragen dazu bei, dass viele ältere Menschen immer mehr Medikamente einnehmen – woraus sich teils gefährliche Wechsel- und Nebenwirkungen ergeben. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hin.

„Wenn ein alter Mensch viele Krankheiten hat und viele Tabletten einnimmt, aber unter diesen Tabletten eine gute Lebensqualität hat und mit der Medikamenteneinnahme zurechtkommt, dann ist an der Menge der Medikamente nichts auszusetzen“, erläutert der DGG-Experte Joachim Zeeh. Es gebe durchaus Patienten, die unterversorgt seien. „Allerdings stellen wir in der Regel fest, dass unsere Patienten zu viele Medikamente zu sich nehmen“, so der Chefarzt und ärztlicher Direktor der geriatrischen Fachklinik Georgenhaus Meiningen.

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Ein Problem der Therapie seien fehlende Leitlinien. „Es gibt zwar Bemühungen, Leitlinien für Multimorbidität zu erstellen. Doch eine klinische, kontrollierte Studie in dieser Patientengruppe gestaltet sich sehr schwierig“, so Zeeh. Es müssten viele Untergruppen gebildet werden und das mit großen Teilnehmerzahlen, weil sonst die sogenannten Drop-Outs – die vorzeitig gestorbenen Teilnehmer – den Abschluss der Studie gefährdeten.

Zeeh betonte, das Thema Arzneimittelversorgung älterer Menschen sei auch für erfahrene Mediziner eine Herausforderung. Patienten und Angehörige trügen oft selbst zum Problem bei, indem sie zusätzlich zu den ärztlich verordneten Präparaten frei verkäufliche Mittel zusätzlich einnähmen. „Da greift die Plastiktüten-Strategie: Wir bitten die Patienten, alle Medikamente und Präparate, die sie einnehmen, in eine Tüte zu füllen und mit in die Sprechstunde zu bringen“, empfiehlt Zeeh.

Arzt und Patient könnten dann gemeinsam eine Bestandsaufnahme machen. „Sich hierfür Zeit zu nehmen ist sehr wichtig – und dafür sind die Patienten wie auch Angehörige sehr dankbar“, betont Zeeh. 

© hil/aerzteblatt.de

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