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Medizin

Multiples Myelom: Langzeiterfolg mit T-Zelltherapie CTL019

Freitag, 11. September 2015

Myelom wikipediaKGH

Philadelphia – Eine von US-Wissenschaftlern entwickelte gentechnische Zelltherapie beeindruckt derzeit die Hämatologen durch Remissionen in aussichtslosen Situationen. Im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1040-1047) berichtet ein Team über eine Patientin mit Multiplem Myelom, die nach nicht weniger als neun anderen Therapien erstmals eine langlebige Remission erzielte.

Für die CTL019-Behandlung werden in einem Dialyse-ähnlichen Verfahren (Leukapherese) T-Zellen aus dem Blut des Patienten gewonnen. Diese werden dann im Labor mit Hilfe von Lentiviren mit dem Gen für einen chimären Antigenrezeptor (CAR) ausgestattet, der B-Zellen am Merkmal CD19 erkennt. Die CTL019-Zellen greifen nach einer Infusion die B-Zellen im Körper des Patienten an. Dieser Ansatz hat in den letzten Monaten bei Patienten mit B-Zell-Tumoren erstaunliche Erfolge erzielt. So kam es bei Kindern mit einer therapie-resistenten akuten lymphatischen Leukämie in 90 Prozent der Fälle zu einer nicht mehr für möglich gehaltenen Remission. 

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Noch erstaunlicher sind die jetzt von Alfred Garfall, Abramson Cancer Center, Philadelphia mitgeteilten ersten Ergebnisse einer Phase 1-Studie an Patienten mit therapie-refraktärem Multiplen Myelom. In dieser Studie werden nur Patienten behandelt, bei denen mehrere frühere Therapien einschließlich einer autologen Stammzellbehandlung versagt haben. Diese Patienten erhalten eine weitere autologe Stammzelltherapie, die dieses Mal aber mit einer CTL019-Zelltherapie kombiniert ist. Bislang wurden zehn von 15 vorgesehen Patienten behandelt. Sechs befinden sich in Remission (davon zwei aber erst seit kurzer Zeit). 

Der erste Patient war eine Frau, bei der 2009 im Alter von 43 Jahren ein Multiples Myelom diagnostiziert worden war. Seither hat sie nicht weniger als neun unterschiedliche Behandlungen erhalten, darunter 2010 auch eine erste autologe Stammzelltherapie. Alle Therapieversuche erzielten keinen oder nur einen kurzfristigen Erfolg. Vor der aktuellen Behandlung war der IgA-Serumwert auf 6,3 g/dl angestiegen. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um die vom Malignom gebildeten Antikörper. Das Knochenmark bestand zu 95 Prozent aus Krebszellen.

Die Therapie bestand jetzt in einer erneuten Stammzelltherapie (nach Konditionierung mit Melphalan). Am 12. Tage nach der Transplantation wurden ihr die CTL019-Zellen infundiert. Die Frau befindet sich laut Garfall seit nunmehr 130 Tagen in einer Vollremission. Das Knochenmark sei frei von Tumorzellen und im Blut seien keine pathologischen Antikörper mehr nachweisbar. 

Die Ergebnisse sind umso bemerkenswerter, als das Antigen CD19 –das Angriffsziel der CTL019-Zellen – vor Therapiebeginn von 99,95 Prozent der Tumorzellen nicht gebildet wurde. Diese Zellen wurden vermutlich durch die Konditionierung vor der Stammzelltherapie beseitigt. Übrig geblieben sei dabei möglicherweise ein kleiner Pool von Krebsstammzellen, vermutet Garfall. Diese sind nach einem derzeitigen Konzept resistent gegen Chemotherapien und deshalb Ausgangspunkt für ein späteres Rezidiv.

Erstaunlich ist auch, dass die Patientin die Therapie gut vertragen hat. Sie musste zwar die Folgen der Konditionierung ertragen mit den üblichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Außerdem war sie vorübergehend schutzlos gegenüber Infektionen. Ein mit der CTL019-Therapie assoziierter Zytokinsturm blieb jedoch aus. Eine einzelne Fallgeschichte kann sicherlich nicht die Wirksamkeit einer neuen Therapie belegen. Es bleibt abzuwarten, ob die Remissionen bei den anderen Patienten ebenfalls Bestand haben, und ob sich die gute Verträglichkeit bestätigt. Die CTL019-Behandlung ist derzeit nicht zugelassen. Sie ist aufgrund der Gentherapie mit Lentiviren sehr aufwendig. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #104813
Alternativmed
am Sonntag, 13. September 2015, 12:33

Ein scheinbar einfacher Therapieansatz, der Hoffnung macht

Sollten wider Erwarten mit einem derartigen Therapieansatz B-Zellmalignome dauerhaft behandelbar werden, wäre das ein phantastischer Erfolg. Ich befürchte allerdings, dass es einzelne maligne B-Zellklone immer wieder schaffen werden, wenn auch viel später, aufzuwachsen und die erhoffte Remission zunichte machen. Wenn aber die Remissionsphasen durch diese recht aufwändige Therapie deutlich verlängert werden könnten, wäre das ein phantastischer Erfolg. Interessant wäre es auch, zu erfahren, ob bei dieser Studie ausschließlich IgA-Myelome oder auch die deutlich häufigeren IgG-Myelome bzw. seltenere B-Zellmalignome (Leichtketten, M. Waldenström, Schwerketten usw.) mit einbezogen wurden. Schade, dass nur der Abstract und eine Pressemitteilung freigeschaltet wurde.
LNS

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