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Medizin

Sebelipase Alfa lindert lysosomale Speicherkrankheit

Freitag, 11. September 2015

Chicago – Die Behandlung mit Sebelipase Alfa hat bei Patienten mit angeborenem Mangel der „lysosomalen sauren Lipase“ (LAL) in einer Phase 3-Studie im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1010-1020) die Leberenzyme innerhalb weniger Monate normalisiert und die Cholesterinwerte verbessert. Die betroffenen Patienten dürfen auf eine bessere Prognose der seltenen Erkrankung hoffen.

Von den mehr als 50 bekannten lysosomalen Speicherkrankheiten können bisher sieben durch die Substitution des fehlenden Enzyms behandelt werden. Der angeborene LAL-Mangel ist in Europa kürzlich als achte Erkrankung hinzugekommen, für die ein Medi­kament zur Substitutionstherapie zur Verfügung steht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat im Juni das Präparat Kanuma zugelassen. Es enthält das Enzym Sebelipase alfa. Grundlage der Zulassung waren die Ergebnisse einer randomisierten Studie an Patienten mit Cholesterinester-Speicherkrankheit (CESD).

Bei dieser Variante ist das LAL-Enzym nicht vollständig ausgefallen und die Patienten erkranken häufig erst im Teenager-Alter an einer zunehmenden Schädigung der Leber. Der Ausfall des Enzyms führt zu einer Akkumulation von Cholesterinestern und Triglyzeriden in den Leberzellen. Gleichzeitig ist die endogene Produktion von Cholesterin erhöht, was zu erhöhten LDL-Cholesterin-Werten führt, während das HDL-Cholesterin abfällt. Die Erkrankung führt zum einen zur Schädigung der Leberzellen, was sich zunächst in einem Anstieg der Alanin-Aminotransferase (ALT) äußert. Später kommt es zur Fibrose und Zirrhose der Leber.

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An der Studie hatten 66 Patienten im Alter von 4 bis 58 Jahren teilgenommen, bei denen es bereits zu einem Anstieg der ALT auf das 1,5-fache des oberen Grenzwerts gekommen war. Barbara Burton von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeiter randomisierten die Patienten auf zwei Gruppen. Alle Patienten erhielten vierzehntägig eine Infusion, die jedoch nur bei der Hälfte der Patienten das Enzym Sebelipase alfa (1 mg/kg Körpergewicht) enthielt. Bei der anderen Hälfte wurde ein Placebo infundiert. Diese Patienten werden erst seit dem Abschluss der 20-wöchigen Studienphase mit Sebelipase alfa behandelt.

Wie Burton berichtet, war es zu diesem Zeitpunkt bei 36 Patienten (31 Prozent) in der Sebelipase alfa-Gruppe zu einer Normalisierung der ALT-Werte gekommen gegenüber zwei von 30 Patienten (7 Prozent) in der Kontrollgruppe. Die Lipidwerte im Blut hätten sich gebessert, die Verfettung der Leber sei zurückgegangen. Die Therapie wurde laut Burton von den meisten Patienten gut vertragen. Das Medikament dürfte deshalb demnächst auch in den USA zugelassen werden. Der Hersteller hat in Japan die Zulassung beantragt.

In einer zweiten Studie (NCT02193867) wird derzeit untersucht, ob Sebelipase alfa die Prognose bei der Wolman-Krankheit verbessert. Bei dieser Variante der Erkrankung ist das LAL-Enzym komplett ausgefallen. Die Kinder entwickeln bereits in den ersten Monaten einen schweren Leberschaden, an dem sie bald sterben.

Der LAL-Mangel ist eine ausgesprochene Rarität. Weltweit soll es nur etwa 50 Patienten mit CESD geben. Der Editorialist Daniel Rader von der Universität von Pennsylvania vermutet aber, dass die Erkrankung häufiger auftritt. Bei vielen Patienten könnte fälschlicherweise eine Familiäre Hypercholesterinämie oder eine nicht-alkoholische Fettleber diagnostiziert werden. Statine und vom Wirkungsansatz her auch PCSK9-Inhibitoren könnten zu einer Verschlechterung der Leberfunktion führen, warnt Rader. Die Ergebnisse mit Ezetimib sollen etwas günstiger sein. Eine Substitution dürfte bei nachgewiesenem Enzymmangel jedoch die beste Option sein.

© rme/aerzteblatt.de

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