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Viele Tierversuche in der Augenheilkunde möglicherweise verzichtbar

Freitag, 11. September 2015

Tübingen – Viele neue Medikamente für die Augenheilkunde könnten statt an Labor­tieren auch an Netzhäuten geschlachteter Rinder und Schweine erprobt werden. „In vielen Fällen könnten unserer Auffassung nach alternative Methoden zum Einsatz kommen“, erläutert Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Kongress-Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. An seiner Klinik läuft derzeit ein Forschungsprojekt, das solche Alternativen weiterentwickelt.

„Normalerweise würden die Augen von Schlachttieren entsorgt“, erklärt Kai Januschowski, der an dem Projekt federführend forscht. Ein Rinder- oder Schweineauge sei dem menschlichen Auge in Größe und Aufbau aber deutlich ähnlicher als das der üblichen Labortiere wie Kaninchen oder Maus. Hinzu komme, dass es sich beim Auge um ein abgeschlossenes Organ handle: Durch die Blut-Netzhautschranke hätten viele Medikamente, die im und am Auge wirkten, kaum Nebenwirkungen auf den restlichen Körper – somit sei es häufig nicht nötig, die Wirkung der Arznei auf Leber, Nieren oder Blutkreislauf zu überprüfen.

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„Insgesamt erhalten wir mit der retinalen Organkultur sogar wissenschaftlich bessere und genauere Antworten als im herkömmlichen Tierversuch“, resümiert Januschowski. Das Labortier werde damit vollständig ersetzt.

© hil/aerzteblatt.de

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