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Medizin

Studienabbruch: Intensivere Blutdrucksenkung senkt Sterblichkeit und stellt Zielwerte infrage

Samstag, 12. September 2015

dpa

Bethesda – Das US-National Heart, Lung, and Blood Institute hat eine Schlüsselstudie zur Behandlung der arteriellen Hypertonie vorzeitig abgebrochen, weil die Ergebnisse die Erwartungen offenbar übertroffen haben. Eine intensive Therapie mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks auf 120 mmHg hat laut einer Pressemitteilung der Behörde die Sterblichkeit der Patienten signifikant gesenkt. Beobachter rechnen damit, dass die Ergebnisse, die noch nicht publiziert sind, die Therapieempfehlungen verändern werden. Die American Heart Association kündigte bereits eine Überarbeitung ihrer Leitlinien an.

Am Systolic Blood Pressure Intervention Trial (SPRINT), der im Oktober 2010 begann, haben an 90 Orten in den USA mehr als 9.000 Patienten teilgenommen. Einschluss­kriterium war ein Alter über 50 Jahre sowie mindestens eines der folgenden Risikomerkmale: klinische oder subklinische kardiovaskuläre Erkrankungen außer Schlaganfall, eine chronische Niereninsuffizienz (GFR 20-59 ml/min/1,73m2) oder ein 10-Jahres-Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis von mindestens 15 Prozent im Framingham-Score. Ausgeschlossen waren Patienten mit Diabetes, einem Schlaganfall in der Vorgeschichte oder einer polyzystischen Nierenerkrankung.

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Alle Teilnehmer hatten unter der aktuellen Therapie den systolischen Blutdruck nicht auf unter 130 mmHg senken können. Sie wurden in der Studie auf zwei Arme randomisiert. Im ersten Arm begnügten sich die Therapeuten mit einem systolischen Blutdruck von 140 mmHg. Im anderen Arm wurde ein Wert von 120 mm Hg angestrebt, der dem „natürlichen“ Wert eines jungen Menschen entspricht.

Eine solche intensive Blutdrucksenkung bei älteren Menschen war umstritten. Es wurde befürchtet, dass ein zu niedriger systolischer Blutdruck vor dem Hintergrund athero­sklerotisch veränderter Blutgefäße die Perfusion lebenswichtiger Organe nicht sicherstellen würde. Aus diesem Grund akzeptieren die Leitlinien derzeit bei älteren Menschen einen systolischen Wert von 150 mmHg, wenn nicht noch höher. Eine alte Faustregel, die aber längst als überholt gilt, besagte sogar, dass der obere Blutdruck­wert dem Lebensalter plus 100 entsprechen sollte.

Diese Einstellungen dürften jetzt revidiert werden. Eine Zwischenauswertung der SPRINT hat nämlich ergeben, dass ein systolischer Blutdruck von 120 mmHg statt 130 mmHg bei älteren Menschen mit ersten kardiovaskulären Risiken die Prognose verbessert. Der primäre Endpunkt, ein Composite aus Myokardinfarkt, akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder kardiovaskulärem Tod trat laut der Pressemitteilung zu 30 Prozent seltener auf. Das Sterberisiko soll um 25 Prozent zurückgegangen sein.

Diese Ergebnisse, die offenbar bei einer Zwischenauswertung herauskamen, denn die Studie sollte noch bis Ende 2018 fortgesetzt werden, haben das US-National Heart, Lung, and Blood Institute bewogen, die Studie vorzeitig abzubrechen. Eine Publikation der Ergebnisse werde vorbereitet, heißt es. Sie dürfte spätestens zur Jahrestagung der American Heart Association im November vorliegen.

Die American Heart Association sieht sich in einer ersten Stellungnahme in ihrem Grundsatz bestätigt, nach der der systolische Blutdruck möglichst nahe dem Normaldruck von 120 mmHg liegen sollte. Die derzeitigen US-Leitlinien setzen den Zielwert für die meisten Patienten jedoch bei 140 mmHg an. Der Kardiologenverband plant jetzt eine Überarbeitung der Leitlinie. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #683978
heidi-hecht
am Montag, 14. September 2015, 17:39

Blutdruck

30 % oder 25 % Reduktion von ? Relative oder absolute Reduktion? 1 von 1000, 1von 10000 , da habe ich viele Fragen.
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