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Medizin

Schlaganfall­prävention: Weißbuch sieht Potenziale durch verbesserte Therapie bei Vorhofflimmern

Montag, 14. September 2015

Berlin – Mehr Aufklärung von Ärzten und Gesellschaft sowie eine verbesserte Früher­kennung von Vorhofflimmern forderten heute Ärzte und Versorgungsforscher bei der Vorstellung des Weißbuches „Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern“. Diese aktuelle umfassende Darstellung des Wissens zum Versorgungsgeschehen der Schlaganfall­prävention bei Vorhofflimmern in Deutschland verfassten IGES-Wissenschaftler in gemeinsam mit Experten verschiedener medizinischer Fachrichtungen.

Ein Fazit der Datenaufarbeitung: Fast jeder fünfte Schlaganfall geht auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurück. „Unbestritten gibt es Fortschritte in der Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern. Es besteht jedoch bei der Identifikation betroffener Patienten und bei der Einnahmetreue geeigneter Medikamente Verbesserungsbedarf“, erläuterte Hans-Holger Bleß, Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES. Abhilfe schaffen könnte den Experten zufolge eine geeignete Therapie mit oralen Antikoagulanzien. „Allerdings scheitert eine optimale Therapie häufig an Unsicherheiten bei Patienten wie auch bei Ärzten“, sagte Bleß.

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Konkret bestünden in der Versorgungsrealität sowohl Über-, Unter- als auch Fehlversorgungen mit oralen Antikoagulanzien, wie Vitamin-K-Antagonisten und direkten Inhibitoren von Gerinnungsfaktoren. So erhielten zwischen 14 und 43 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern und hohem Schlaganfallrisiko keine oralen Antikoagulanzien (Kirchhof et. Al 2014), Meinertz et. Al. 2011). Zwischen acht und 20 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern erhielten in der spezialisierten Versorgung Thrombozyten-aggregationshemmer, die jedoch bei der zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern im Vergleich zu einer oralen Antikoagulation weniger wirksam sind (Bonnemeier et. Al. 2011, Kirchhof et. Al. 2014). Anderes Studien wiesen zudem darauf hin, dass einige Patienten mit Vorhofflimmern ohne erhöhtes Schlaganfallrisiko unnötigerweise orale Antikoagulanzien erhalten und damit einem erhöhten Blutungsrisiko unnötig ausgesetzt sind.

Die Versorgungsdefizite betreffen keine kleine Patientengruppe: Mittlerweile ist das Vorhofflimmern die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge betroffen. Aufgrund des demografischen Wandels gehen die Experten davon aus, dass die Zahl der Betroffenen von zwei Prozent im Jahr 2008 bis auf 2,7 Prozent im Jahr 2020 steigen wird. „Die steigender Zahl von Menschen mit Vorhofflimmern macht deutlich, wie wichtig eine wirksame Prävention ist, damit nicht gleichzeitig die Zahl von Schlaganfällen zunimmt“, betonte der Leiter des IGES Instituts, Bertram Häussler, bei der Vorstellung des Weißbuches. Menschen mit Vorhofflimmern hätten durchschnittlich ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko.

„Vorhofflimmern bleibt es oft unentdeckt. Bei manchen Patienten ist der Schlaganfall der erste Hinweis auf ein Vorhofflimmern“, erläuterte Michael Näbauer von der Universität München und Vorstandsmitglied im Kompetenznetzwerk Vorhofflimmern. „Vor allem in der hausärztlichen Basisversorgung müssen wir mehr Handlungssicherheit und Strukturen für eine verbesserte Früherkennung des Vorhofflimmerns schaffen“, sagte er. Patienten müssten sachlich und verständlich über die Risiken des Vorhofflimmerns und den Nutzen einer Behandlung zum Schutz vor Schlaganfällen aufgeklärt und verstärkt in Diagnostik und Therapie eingebunden werden.

Die im Weißbuch zusammengetragen Daten für Deutschland zeigen auch: Betroffene mit Vorhofflimmern in der Vorgeschichte haben oft eine besonders schlechte Prognose nach einem Schlaganfall. Um Schlaganfälle durch Vorhofflimmern medikamentös zu verhindern, ist für die Experten die Hemmung der Blutgerinnung mit oralen Antikoa­gulanzien ist das Mittel der Wahl.

Allerdings äußerten Patienten vielfach Ängste vor unerwünschten Blutungen, räumte Näbauer ein. „Irrtümlicherweise wird die Angst vor Blutungen unter Blutgerinnungs­hemmern als viel bedrohlicher erlebt als das Risiko, einen lebensgefährlichen und oft folgenreichen Schlaganfall zu erleiden“, sagte der Internist. Die Folge seien unnötige Therapieabbrüche. © ER/aerzteblatt.de

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