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Medizin

Studie: Mittelmeerdiät mit Olivenöl schützt vor Brustkrebs

Dienstag, 15. September 2015

dpa

Pamplona – Eine Mittelmeerdiät, die den Verzehr von Obst und Gemüse fördert, Fisch statt rotem Fleisch empfiehlt und hin und wieder ein Glas Rotwein erlaubt, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.4838) die Zahl der Brustkrebserkrankungen gesenkt, vor allem wenn natives Olivenöl die Basis der Fettzufuhr war.

An der „Prevención con Dieta Mediterránea“ (PREDIMED) hatten neben 3.165 Männern auch 4.282 Frauen im Alter von 60 bis 80 Jahren teilgenommen. Sie waren auf drei Gruppen verteilt worden. Die Teilnehmer in zwei Gruppen erhielten eine intensive Ernährungsberatung. Diese legte ihnen die Vorzüge der Mittelmeerdiät nahe, die auch in Spanien nicht mehr üblich ist.

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Zur mediterranen Kost gehört eine hohe Zufuhr von Obst und Gemüse, Nüssen und Zerealien sowie ein mäßiger Verzehr von Fisch und Geflügel. Milch, rotes Fleisch und Süßigkeiten werden dagegen seltener verzehrt, während ein Glas Wein regelmäßiger Bestandteil der Mahlzeiten ist. Zur Unterstützung erhielten die Teilnehmer in beiden Gruppen kostenfrei Nahrungsmittel.

In einer Gruppe war dies wöchentlich eine Flasche Olivenöl (Extra Vergine). Die andere Gruppe erhielt täglich eine Nussration mit 15 Gramm Walnüssen, 7,5 Gramm Haselnüssen und 7,5 Gramm Mandeln. Die dritte Gruppe erhielt weder eine intensive Ernährungsberatung noch kostenlose Nahrungsmittel. Zunächst wurden nur Informationszettel ausgegeben, später wurde eine Beratung eingeführt, um die Chancengleichheit zu wahren. Sie blieb jedoch die Kontrollgruppe der Studie.

Das eigentliche Ziel der PREDIMED-Studie war der Nachweis einer kardiovaskulären Prävention. Die Teilnehmer waren ausgewählt worden, weil sie an einem Typ 2-Diabetes litten oder wenigstens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen. Vor zweieinhalb Jahren berichtete das PREDIMED-Team, dass die Rate von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herz-Kreislauf-Tod um 30 Prozent gesenkt werden konnte (NEJM 2013; 368: 1279-1290).

Jetzt stellt ein Team um Miguel Martínez-González von der Universität von Navarra in Pamplona eine Auswertung zum Mammakarzinom vor. Die Häufigkeit von Brustkrebs ist international sehr unterschiedlich. Am häufigsten ist er in den USA, wo mittlerweile eine von acht Frauen vor dem 95. Lebensjahr erkrankt. In der Mittelmeerregion ist Brustkrebs (noch) viel seltener. Dass die Inzidenz ansteigt, wird auf die veränderten Lebensgewohn­heiten und die Abkehr von der traditionellen Kost dieser Länder zurückgeführt. Die Ergebnisse epidemiologischer Studien sind jedoch nicht eindeutig. In diesen retro­spektiven Studien kommt es häufig zu Verzerrungen. Ernährungsgewohnheiten lassen sich durch Fragebögen nur schwer erfassen, weil die Angaben zur Kost oft subjektiv gefärbt sind.

Diese Nachteile werden in einer prospektiven Studie vermieden, da sie die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip auf verschiedene Gruppen verteilt. Randomisierte Studien zur Ernährung sind allerdings selten. Die PREDIMED-Studie ist nach der Lyon Diet Heart Study erst die zweite namhafte Studie zur Herz-Kreislauf-Gesundheit. Sekundäre Auswertungen der Lyon Diet Heart Study hatten gezeigt, dass die Ernährung das Krebsrisiko beeinflussen kann. Die Teilnehmerzahl war aber zu gering für Analysen zu einzelnen Krebsarten.

Die PREDIMED-Studie macht dies möglich, wenn auch mit Einschränkungen. Während der 4,8 Jahre der Nachbeobachtung wurde bei 35 Teilnehmerinnen ein Mamma­karzinom diagnostiziert. Davon entfielen 17 Diagnosen auf die Kontrollgruppe, zehn auf die Gruppe mit einer mediterranen Diät mit Nüssen und acht auf die Gruppe mit mediterraner Diät mit Olivenöl.

In einer multivariablen Analyse ergab dies eine adjustierte Hazard Ratio 0,32 (0,13-0,79) für die Mittelmeerdiät mit Olivenöl und von 0,59 (0,26-1,35) für die Mittelmeerdiät mit Nüssen. Die in Klammern angegebenen 95-Prozent-Konfidenzintervalle zeigen, dass die Aussage zum Ausmaß der protektiven Wirkung (aufgrund der geringen Zahl der Mammakarzinome) bei der Mittelmeerdiät mit Olivenöl sehr unsicher ist. Für die Mittel­meerdiät mit Nüssen wurde das Signifikanzniveau verfehlt. Es könnte also ein Zufalls­ergebnis sein.

Die Aussage, dass eine mediterrane Diät vor Brustkrebs schützt, ist jedoch nur mit einer Reihe von Einschränkungen möglich, auf die Martínez-González hinweist. Dazu gehört die Tatsache, dass der Brustkrebs eigentlich nicht der primäre Endpunkt der Studie war und dass die Zahl der Ereignisse gering war. Die Forscher konnten nicht ermitteln, ob die Frauen an der Früherkennung durch Mammographie teilgenommen hatten und sie konnten sich kein Bild über alle bekannten Risikofaktoren machen. Schließlich gelten die Ergebnisse nur für weiße Frauen mediterraner Herkunft nach den Wechseljahren.

Unklar ist auch, ob die größere Schutzwirkung bei der Mittelmeerdiät mit Olivenöl tatsächlich auf die wöchentlich verbrauchte Flasche Olivenöl zurückzuführen ist, obwohl es hierfür laut Martínez-González durchaus plausible Argumente gibt. Der Forscher verweist auf die Ergebnisse von in vitro-Untersuchungen, in denen Ölsäure, Squalen und andere Bestandteile günstige Wirkungen gezeigt haben, wobei die im nativen Öl (Extra vergine) in höherer Konzentration enthaltenen Bestandteile Oleocanthal, Oleuropein, Hydroxytyrosol und Lignan noch eine Steigerung versprechen. Die PREDIMED-Studie liefert hier zahlreiche Anregungen für Spekulationen, die mangels einer Nachfolgestudie so schnell nicht auf den Prüfstein gelegt werden dürften. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #7020
koblenz
am Mittwoch, 16. September 2015, 15:23

PREDIMED: Ernährungsunsinn & Unstatistik

PREDIMED - eine der "Top-Ernährungsstudien" ... wurde bereits zweimal gekürt:

Ernährungsunsinn des Monats -> http://euleev.de/lebensmittel-und-ernaehrung/ernaehrungsunsinn-des-monats/440-ernaehrungsunsinn-des-monats-februar-2014-mediterrane-maerchen

Unstatistik des Monats -> http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/presse/downloads/Unstatistik_Januar_2014_layout.pdf

Auch die neuen "Erkenntnisse" sind heiße Kandidaten ...
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 15. September 2015, 19:43

Großes Lob für diesen Beitrag von "rme"!

Zeit, ein großes Lob für die Berichterstattung von "rme" im Deutschen Ärzteblatt als Redakteur in den Bereichen Medizin und Wissenschaft auszusprechen. Über eine PREDIMED-Publikation von Ramón Estruch et al. hatte er schon früher berichtet:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/53537/Mittelmeer-Diaet-schuetzt-vor-Herzinfarkt-und-Schlaganfall

Wie umfassend, kenntnisreich und detailgetreu er jetzt über die Publikation von Estefanía Toledo et al. mit dem Titel: "Mediterranean Diet and Invasive Breast Cancer Risk Among Women at High Cardiovascular Risk in the PREDIMED Trial - A Randomized Clinical Trial" berichtet, ist allerdings höchst bemerkenswert.

Nicht nur, dass "rme" herausstellt, warum ausgerechnet diese Studie als Sekundäranalyse im Gegensatz zu vielen reinen Fragebogen- und Ex-post-Analysen tatsächlich p r o s p e k t i v aufgestellt ist. Sondern auch, weil er die Limits, mögliche Bias, geringe Fallzahlen und breite Konfidenzintervalle erklärt und angemessen wertet. Er verschweigt auch nicht, dass zur „Prevención con Dieta Mediterránea“ (PREDIMED) auch der maßvolle Genuss von Wein gehört.

Das ist nämlich die klare Differenzierung gegenüber einer völlig irreführenden Ex-post-Sekundärstudie, in der auf Biegen und Brechen geringer bis mäßiger Alkoholkonsum monokausal auf eine Brustkrebsverursachung heruntergebrochen werden sollte. Vgl. dazu von Cao Y et al. "Light to moderate intake of alcohol, drinking patterns, and risk of cancer: results from two prospective US cohort studies." BMJ 2015; 351: h4238 (1) und meinen Blogbeitrag auf DocCheck®News (2).

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Literatur:
1. http://www.bmj.com/content/351/bmj.h4238
2. http://news.doccheck.com/de/blog/post/2849-wieder-ein-wissenschaftlicher-schuss-in-den-ofen/
LNS

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