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Medizin

Vemurafenib bei Haarzell-Leukämie wirksam

Dienstag, 15. September 2015

Perugia – Der B-Raf-Inhibitor Vemurafenib, der vor drei Jahren zur Behandlung des metastasierten Melanoms eingeführt wurde, ist auch bei der seltenen Haarzell-Leukämie wirksam, deren Zellen häufig eine mutierte BRAF-V600-Kinase bilden, die Ansatzpunkt des Wirkstoffs ist. Im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1506583) stellen italienische und amerikanische Forscher ihre Ergebnisse vor.

Die Haarzell-Leukämie, die nach den fransigen Ausläufern der Tumorzellen im peripheren Blut benannt ist, gehört zu den B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Behandlung erfolgt mit den Purin-Analoga Cladribin und Pentostatin, die bei 80 Prozent der Patienten eine komplette Remission erzielen. Bei 30 bis 50 Prozent der Patienten, die bei der Diagnose im Mittel zwischen 50 und 55 Jahre alt sind, kommt es jedoch später zu Rezidiven, die auf die Purin-Analoga immer schlechter ansprechen, deren Einsatzmöglichkeit zudem durch die schädlichen Auswirkungen auf das Knochenmark begrenzt wird.

Vor einigen Jahren entdeckte ein Team um Brunangelo Falini von der Universität Perugia, dass fast alle Haarzell-Leukämien die Mutation BRAF V600E aufweisen, die offenbar an der Pathogenese der Erkrankung beteiligt ist. Damit wurde die Haarzell-Leukämie zu einem möglichen Einsatzgebiet für den Kinase-Inhibitor Vemurafenib, der die Wachstumssignale an diesem Punkt stoppen kann. In Italien und in den USA wurde jeweils eine Phase 2-Studie begonnen.

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Bei den Teilnehmern war es nach mehreren Therapiezyklen mit Purin-Analoga zu Rezidiven gekommen und etwa die Hälfte sprach auf diese Standardmedikamente nicht mehr an. In Italien wurden die Patienten zunächst über acht Wochen mit Vemurafenib behandelt. Falls in dieser Zeit keine komplette Remission erzielt wurde, war eine Verlängerung um weitere acht Wochen möglich. Die amerikanischen Hämatologen entschieden sich für eine Therapiedauer von 12 Wochen. Auch hier war eine Verlän­gerung um 12 Wochen möglich. Die Dosis war mit 960 mg Vemurafenib zweimal täglich in beiden Studien gleich.

Wie die Gruppe um Falini jetzt berichtet, verschwanden die Haar-Zellen bereits nach wenigen Tagen aus dem Blut. Das Knochenmark erholte sich ebenfalls rasch: Die Thrombozytenzahl hatte sich nach zwei Wochen, die Zahl der neutrophilen Granulo­zyten nach vier Wochen und die Zahl der Erythrozyten nach acht Wochen normalisiert. In Italien erreichten 25 von 26 Patienten eine Remission.

In den USA waren es alle 24 Patienten. Darunter waren in Italien 9 Patienten (35 Prozent) und in den USA 10 Patienten (42 Prozent) mit kompletten Remissionen. Die kompletten Remissionen hielten in Italien 23 Monate an, nach einer partiellen Remission kam es bereits nach neun Monaten zu einem Rezidiv. Aus den USA liegen noch keine Langzeitergebnisse vor. Das progressionsfreie Überleben nach einem Jahr betrug dort 73 Prozent und die Ein-Jahres-Überlebensrate 91 Prozent.

Die Verträglichkeit von Vemurafenib war gut. Die meisten Nebenwirkungen hatten laut Falini den Schweregrad 1 oder 2. Bei 5 der 50 Patienten kam es jedoch zur Entwicklung von Hauttumoren, die entfernt werden mussten. Darunter war bei einem Patienten auch ein superfiziell spreitendes Melanom.

Bei einem Rezidiv kann eine erneute Gabe von Vemurafenib die Bildung der Haarzellen erneut unterdrücken, berichtet Falini. Die molekularbiologischen Untersuchungen ergaben jedoch, dass sich bei vielen Patienten neue Mutationen gebildet hatten, die die Blockade der BRAF-V600-Kinase umgehen. Bei einem US-Patienten wurden bei einer gezielten Sequenzierung von Tumor-Genen gleich drei Mutationen gefunden. Die Forscher überlegen deshalb, ob eine Kombination von Vemurafenib mit Rituximab, das gezielt B-Zellen eliminiert, die Behandlungsergebnisse verbessern könnte.

© rme/aerzteblatt.de

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