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Politik

Rhön darf Kreisklinik Bad Neustadt übernehmen

Dienstag, 15. September 2015

Köln – Erstmals hat das Bundeskartellamt eine vor Jahren untersagte Krankenhaus­fusion freigegeben: Die Rhön-Klinikum AG darf die Kreisklinik Bad Neustadt an der Saale vom Landkreis Rhön-Grabfeld erwerben. Vor zehn Jahren hatten die Wettbewerbshüter diese Übernahme am Sitz des privaten Klinikkonzerns noch verhindert.

Seitdem hätten sich die Marktverhältnisse in der Region deutlich verändert, heißt es in einer Mitteilung des Bundeskartellamts. Es prüft in so einem Fall, ob für die Patienten nach einem Zusammenschluss vor Ort hinreichende Alternativen bestehen. Beim aktuellen Fusionsvorhaben in Bad Neustadt kam das Kartellamt zu dem Ergebnis, dass eine erhebliche Beeinträchtigung des Qualitätswettbewerbs der Krankenhäuser in der Region nicht zu erwarten sei.

Der entscheidende Unterschied zur Situation von vor zehn Jahren: Zu den 41 Krankenhäusern, die Rhön 2014 an Fresenius Helios verkauft hat, gehören auch das St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen und das Klinikum Meiningen. „Helios ist seitdem ein bedeutender Wettbewerber in der Region“, schreibt das Kartellamt. Rhön betreibt in Bad Neustadt Fachkliniken für Herz- und Gefäßerkrankungen, für Handchirurgie und für Neurologie mit insgesamt 693 Planbetten sowie eine Klinik für Psychosomatik. Diese Fachkliniken haben nach Feststellungen des Kartellamts ein weit größeres Einzugsgebiet als die Kreisklinik, die ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 225 Betten ist. Nur ein kleiner Teil der Patienten der Rhön-Fachkliniken komme aus Bad Neustadt. Überschneidungen im medizinischen Leistungsangebot gebe es nur bei Krankheiten am Muskel-Skelettsystem sowie bei Kreislauferkrankungen. Bei diesen Indikationen bestehe aber „hinreichender Wettbewerbsdruck“ durch andere Krankenhäuser, so dass eine Beschränkung des Leistungsumfangs oder der Qualität zu Lasten der Patienten nicht zu erwarten sei.

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Rhön ist wiederholt aus der Ärzteschaft heftig kritisiert worden, weil es in die ambulante Versorgung drängt. So hatte Aufsichtsratsvorsitzender und Großaktionär Eugen Münch angekündigt, den Erlös aus dem Verkauf der Kliniken an Helios auch in den Ausbau medizinischer Zentren zu stecken, um den Hausarzt vor Ort überflüssig zu machen. Dabei geht es gerade auch um Bad Neustadt, wo Rhön bis 2018 insgesamt 180 Millionen Euro investieren will. Für die Prüfung der aktuellen Übernahme durch das Bundeskartellamt hat die geplante Expansion in die ambulante Versorgung wohl keine Rolle gespielt.

Die auf zehn Krankenhäuser geschrumpfte Rhön-Klinikum AG erwartet nach früheren Angaben in diesem Jahr 1,1 Milliarden Euro Umsatz und rund 150 Millionen Euro operativen Gewinn.

© Stü/aerzteblatt.de

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