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Medizin

HIV: Studie erprobt „Mono“-Erhaltungs­therapie mit Prote­ase-Inhibitoren

Mittwoch, 16. September 2015

Singapur – HIV-Infizierte können nach der erfolgreichen Unterdrückung der Virusre­plikation unter einer Standardtherapie mit drei Wirkstoffen auf eine Monotherapie mit einem Protease-Inhibitor wechseln, ohne dass ein etwaiger Virus-Rebound mit Resistenzen verbunden ist, die zukünftige Therapieoptionen einschränken. Dies kam in einer randomisierten Vergleichsstudie in Lancet HIV (2015; doi: 10.1016/S2352-3018(15)00176-9) heraus.

Zu Beginn einer HIV-Infektion ist eine Kombinationstherapie obligatorisch. Sie besteht heute in der Regel aus drei Wirkstoffen aus zwei Wirkstoffklassen. Beobachtungen haben gezeigt, dass viele Patienten in der „Erhaltungsphase“ die Zahl der Medikamente senken könnten. Dies wird aus Angst vor einer Resistenzentwicklung allerdings selten versucht. Dabei würde sich eine Monotherapie mit einem Protease-Inhibitor anbieten, da diese Wirkstoffe als einzige die Virusreplikation an verschiedenen Stellen blockieren. Die „Protease Inhibitor Monotherapy Versus Ongoing Triple Therapy“ oder PIVOT-Studie hat diese „Mono-Strategie“ erstmals in einer größeren Patientengruppe und über einen längeren Zeitraum untersucht.

An der Studie nahmen 587 HIV-Infizierte teil, die unter einer stabilen Kombination aus drei Wirkstoffen seit mindestens 24 Wochen eine Virussuppression (auf unter 50 Kopien/ml) erreicht hatten. Die Hälfte der Patienten setzte die Therapie unverändert fort. Die anderen wechselten auf eine Monotherapie mit einem Protease-Inhibitor.

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Empfohlen wurden Darunavir oder Lopinavir, die jeweils mit Ritonavir geboostet waren. Die Therapeuten hatten jedoch freie Wahl. Die Behandlungsstrategie sah die regel­mäßige Bestimmung der Viruslast vor, die nach 4, 8 und 12 Wochen und dann alle 12 Wochen erfolgte. Nach einem etwaigen Virus-Rebound musste sofort auf eine Standardtherapie mit drei Wirkstoffen gewechselt werden.

Dies wurde während der medianen Behandlungszeit von 44 Monaten bei 42 Prozent der Patienten notwendig. Die anderen 58 Prozent benötigten am Ende der Studie weiterhin nur einen Wirkstoff. Wie Nicholas Paton von der National University of Singapore und Mitarbeiter berichten, konnte der Virus-Rebound bei allen Patienten zumeist innerhalb weniger Wochen gestoppt werden.

Nur bei sechs von 296 Patienten (2,1 Prozent) führte die Monotherapie durch die Entwicklung von Resistenzen zum Verlust von einer oder mehreren künftigen Therapieoptionen. Dies war aber auch bei zwei von 291 Patienten (0,7 Prozent) unter der fortgesetzten Triple-Therapie der Fall. Die Differenz von 1,4 Prozent verfehlte bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 0,4 bis 3,4 Prozent das Signifikanz­niveau, weshalb Paton die Monotherapie als nicht-unterlegene Strategie betrachtet. 

Die Vorteile könnten laut Paton in einer Kostenersparnis liegen – was allerdings durch die häufigeren Virusnachweise infrage gestellt wird. Im Prinzip sollte eine Monotherapie mit Protease-Inhibitoren auch mit weniger Risiken und Nebenwirkungen behaftet sein. Auch dies war während der Studie nicht nachweisbar. Auf lange Sicht könnte sich die Therapie jedoch günstig auf die Nierenfunktion auswirken, weil der Einsatz von nephrotoxischen Nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRI) begrenzt würde, meint Paton. © rme/aerzteblatt.de

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