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Politik

Tag der Patientensicherheit: Infektionsprävention bleibt verbesserungswürdig

Mittwoch, 16. September 2015

www.tag-der-patientensicherheit.de

Berlin – Mehr Pflegepersonal und eine weiter verbesserte Infektionsprävention in den Kliniken fordert das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) anlässlich des 1. Interna­tionalen Tages der Patientensicherheit am morgigen 17. September. Bundesweit beteiligen sich an dem Aktionstag, den das Aktionsbündnis mit seinen Partnern in der Schweiz und Österreich ausgerufen hat, mehr als 170 Einrichtungen des Gesundheits­wesens mit Informationsveranstaltungen. Mit ihnen möchte das APS auf die zahlreichen Initiativen und Fortschritte in Kliniken, Praxen oder Pflegeeinrichtungen hinweisen und dafür sorgen, dass sie in die Breite getragen werden und systematisch Anwendung finden können.

Verbesserung der Händedesinfektion bleibt im Fokus
Im Fokus des Tages stehen in diesem Jahr insbesondere die Hygiene und die Infektionsprävention. „Patienten sind auf die Sorgfalt Dritter bei der Durchführung der Krankenhaushygiene angewiesen“, sagte Hartmut Siebert, stellvertretender Vorsitzender des APS, heute in Berlin. Trotz der Fortschritte in den letzten Jahren, beispielsweise durch die „Aktion saubere Hände“, die  Anfang 2008 vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen zusammen mit dem APS ins Leben gerufen wurde, gebe es hier noch Handlungsbedarf.

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„80 Prozent aller Krankenhausinfektionen werden über Hände übertragen. Ziel ist deshalb die Verbesserung der Händedesinfektion in Einrichtungen des Gesundheits­wesens“, erläuterte Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS. Inzwischen beteilige sich die Hälfte aller deutschen Krankenhäuser an der „Aktion saubere Hände“ und melde dem Internetportal HAND-KISS regelmäßig ihren Verbrauch an Hand­desinfektionsmitteln.

Für Petra Gastmeier vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen ist dies ein einfaches, aber zuverlässiges Instrument, um die Compliance der im Gesundheitswesen Tätigen zu schätzen. „ Der Gesamtverbrauch an Hände­desin­fektions­mittel ist seit 2008 um 81 Prozent gestiegen“, berichtete die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Es gebe aber noch immer große Unterschiede zwischen Stationstypen, Berufsgruppen und Indikationen. Ärzte lägen im Schnitt unter dem Pflegepersonal, was die Ausübung der Händedesinfektion betrifft.

Mehr Fortbildungsangebote zum Fehler- und Risikomanagement für Ärzte 
Auf Ärzteseite hat sich in den vergangenen Jahren jedoch viel getan: „Wir haben erfolgreiche Strategien zur Fehlerprävention und Qualitätssicherung entwickelt und kümmern uns um entsprechende Fortbildungsangebote zum Fehler- und Risiko­management“, sagte Günther Jonitz, Vorsitzender der Qualitäts­sicherungs­gremien der Bundes­ärzte­kammer, anlässlich des ersten internationalen Tages der Patienten­sicherheit. Dazu gehörten auch die Förderung von Hygiene, die Unterstützung von praxisorientierten Aktivitäten wie die „Aktion Saubere Hände“ und der Ausbau des Infektionsschutzes.

Jonitz begrüßte in diesem Zusammenhang den kürzlich vorgelegten Zehn-Punkte-Plan der Bundesregierung zur Bekämpfung resistenter Erreger. „Die Sicherheit der Patienten steht für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland seit jeher an erster Stelle. Das zeigen nicht zuletzt die vielfältigen Maßnahmen, die die Ärzteschaft in führender Rolle sowohl auf politisch-strategischer, als auch auf inhaltlich-praktischer Ebene seit dem Ärztetagsbeschluss 2005 zur Patientensicherheit auf den Weg gebracht hat.“

Trotzdem teilt auch Jonitz die Ansicht des APS, dass weitere Anstrengungen erforderlich sind. Deutschland brauche beispielsweise mehr Lehrstühle für Krankenhaus- und Umwelthygiene. Nur so könne langfristig der Bedarf an qualifizierten Fachärzten für Hygiene und Umweltmedizin sowie für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepi­demiologie gedeckt werden. Ferner müsse das Thema Patientensicherheit verbindlich und nachhaltig in der Aus-, Fort- und Weiterbildung verankert werden.

In infektiologischen Risikobereichen fehlt Personal
Jonitz wandte sich auch an Bund und Länder: Diese sollten mit der geplanten Kranken­hausreform bessere Rahmenbedingungen für gute Qualität in der Patienten­versorgung schaffen. „Menschen behandeln Menschen, also helfen Vorschriften und Regeln nicht, wenn das Personal und die Ressourcen fehlen“, sagte er. Mittlerweile werde sogar in infektiologischen Risikobereichen - wie Intensivstationen - die von den Fachgesell­schaften empfohlene Personalbesetzung in der Regel deutlich unterschritten. Dringend notwendig sei eine ausreichende Finanzierung der Personalkosten in den Krankenhäusern.

François-Kettner berichtete in diesem Zusammenhang von der in diesem Jahr gegründeten „Infektion Prävention Initiative“, einem Zusammenschluss vom APS und mehreren medizinischen Fachgesellschaften, wie beispielsweise der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, der Deutschen Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin. In einem aktuellen Positionspapier widme sich die Initiative der Frage von Infektionsprävention und Pflegepersonalausstattung und zeige anhand von Studienergebnissen, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Personalausstattung und der Rate von nosokomialen Infektionen“, betonte die APS-Vorsitzende. Sie forderte deshalb weitere Untersuchungen auf Normalstationen zur Bestimmung von sinnvollen Pflegepersonalschlüsseln sowie zur adäquaten Zusammensetzung eines Pflegeteams hinsichtlich der Qualifikation aus der Perspektive der Infektionsprävention.

Weniger Pflegepersonal, mehr Patienten
Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) weist auf die schlechte Personalsituation in den Krankenhäusern hin. Zwischen 1996 und 2006 seien etwa 15 Prozent der Stellen im Pflegedienst der Kliniken abgebaut worden. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Patienten. Die Folge sei eine enorm gestiegene Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung. „ Der Arbeitsdruck ist so hoch, dass die Hygiene dann vernach­lässigt wird“, erklärte DBfK-Präsidentin Christel Bienstein. „Qualitativ angemessene Pflege kann nur durch ausreichendes und qualifiziertes Pflegepersonal gewährleistet werden.“

Um die Zahl vermeidbarer Infektionen bei medizinischen Behandlungen zu verringern, hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium bereits einen 10-Punkte-Plan vorgelegt, der die bessere Fortbildung von Fachpersonal und die Verschärfung von Meldepflichten vorsieht. Die Krankenhäuser werden zudem mit insgesamt 365 Millionen Euro dabei unterstützt, bis 2016 zusätzliches Hygiene-Fachpersonal einzustellen und auszubilden.  „Patientinnen und Patienten erwarten zu Recht, dass sie im Krankenhaus gut versorgt werden – und dazu gehört auch eine gute Hygiene“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe.

Um gefährliche Infektionen zu vermeiden, müssten  die Anstrengung auf allen Ebenen verstärkt werden. „Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung in Krankenhäusern, Arztpraxen, in Forschungseinrichtungen, Pharma-Unternehmen und Behörden kann es gelingen, resistente Krankheitserreger erfolgreich zu bekämpfen und die Patienten­sicherheit nachhaltig zu verbessern“, betonte er.  

„Grundsätzlich haben wir die richtigen Strukturen, damit die Patientinnen und Patienten in unserem Land gut und sicher versorgt werden“, meinte  Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung. „Gleichwohl müssen wir uns den Herausforderungen der Gegenwart stellen: Wir müssen gefährliche Infektionen durch bessere Hygiene in Krankenhäusern, Praxen und in der Pflege noch konsequenter be-kämpfen und durch eine bessere Fehlerkultur Behandlungsfehler so gut wie möglich vermeiden.“  Zudem brauche man in allen Teilen des Landes eine flächendeckende ärztliche Versorgung. Dazu müssten an den Hochschulen mehr Hausärztinnen und -ärzte ausgebildet und diese anschließend besser im Land verteilt werden.

Das APS, eine Plattform zur Vernetzung und zum kontinuierlichen Austausch der Akteure des Gesundheitswesens, befasst sich unter der Schirmherrschaft des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters seit Jahren mit dem Thema. Gemeinsam mit seinen Partnern hat das APS verschiedene Projekte zur Verbesserung der Patientensicherheit auf den Weg gebracht. Zur wissenschaftlichen Begleitung der Patientensicherheit hat das Bündnis im Jahr 2009 das Institut für Patientensicherheit der Universität Bonn mitbegründet und dort eine Stiftungsprofessur eingerichtet. Zu deren Finanzierung trägt das APS mit bei. Zudem verleiht es jährlich einen mit 20 000 Euro dotierten Preis für Patientensicherheit. © ER/aerzteblatt.de

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