NewsVermischtesHeimliche Filmaufnahmen: Arzt zu Bewährungsstrafe verurteilt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Heimliche Filmaufnahmen: Arzt zu Bewährungsstrafe verurteilt

Mittwoch, 16. September 2015

Osnabrück – Eine Bewährungsstrafe hat das Landgericht Osnabrück gegen einen Arzt verhängt, der bei Untersuchungen heimlich intime Fotos von Frauen mit einer Kugelschreiberkamera gemacht hat. Das Gericht verurteilte den Arzt am Mittwoch außerdem wegen des sexuellen Missbrauchs von Patientinnen und wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos. Außer der Bewährungsstrafe von zwei Jahren erhielt der Mann auch drei Jahre Berufsverbot. Zudem muss der 62-Jährige 75.000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen.

Der Mann werde nie wieder als Arzt arbeiten, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Temming. Der Angeklagte hat versprochen, seine Approbation zurückzugeben. Mit der Frage, ob eine Bewährungsstrafe angemessen sei, habe es sich das Gericht nicht leicht gemacht, sagte der Richter. Für den Angeklagten habe letztlich sein Geständnis gesprochen und die Tatsache, dass er seinen Opfern bereits Schmerzensgeld gezahlt habe.

Da der 62-Jährige nie wieder in seinem Beruf arbeiten werde, sei auch keine Wiederholungsgefahr gegeben. „Der Angeklagte steht vor den Trümmern seiner privaten und beruflichen Existenz”, stellte Temming fest.

Anzeige

Das Gericht verurteilte den Mediziner für 70 Fälle, in denen er seine Patientinnen im Untersuchungsraum heimlich mit einer Kamera in einem Kugelschreiber gefilmt hatte. In zwölf Fällen habe er die Frauen auch berührt, ohne dass dies notwendig gewesen sei. „Es handelte sich ausschließlich um sexuell motivierte Gründe”, sagte der Richter.

Opfer waren in diesen Fällen Frauen, die körperlich oder geistig behindert waren. Den Fall ins Rollen gebracht hatten Ermittlungen der Polizei in der kinder- und jugendpornografischen Szene. Der Arzt hatte unter anderem entsprechende Bilder und Videos auf einem Downloadportal angeboten und getauscht. Dadurch stießen die Ermittler auf die IP-Adresse des Mediziners, erläuterte der Richter. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei auch die Aufnahmen der heimlich gefilmten Patientinnen des Arztes.

Insgesamt habe es sich um rund 450 Aufnahmen von 250 Frauen gehandelt. Zur Anklage kamen aber nur rund 70 Fälle. Teils seien die Straftaten verjährt, zum Teil hätten die Opfer aber auch keine Anzeige erstattet, sagte der Richter. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. Juli 2020
München – „Bleib einfach im Bett, wenn Du zum Arzt gehst“ – mit diesem Slogan darf eine Krankenkasse nicht mehr werben. Das hat das Oberlandesgericht München entschieden. Die Zentrale zur Bekämpfung
Krankenkasse darf nicht mit Ferndiagnose werben
10. Juli 2020
München – Das Landgericht München I hat eine Werbung des Babynahrungherstellers Hipp für Kindermilch untersagt. Das hat gestern eine Gerichtssprecherin bestätigt. Konkret geht es um Sätze wie „7 x
Gericht untersagt Hipp-Werbeslogan für Kindermilch
8. Juli 2020
Berlin – Rund acht Monate nach dem tödlichen Angriff auf den Chefarzt Fritz von Weizsäcker ist der Angeklagte wegen Mordes verurteilt worden. Das Landgericht Berlin verhängte heute eine
Zwölf Jahre Haft nach Mord an Fritz von Weizsäcker
8. Juli 2020
Leverkusen/San Francisco – Bayers milliardenschwerer Vergleich zur Beilegung von US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat steht wieder auf der Kippe.
US-Glyphosat-Vergleich: Bayer zieht Antrag auf Zustimmung zurück
7. Juli 2020
Karlsruhe/Bottrop – Im Skandal um jahrelang gestreckte Krebsmedikamente hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Haftstrafe gegen einen Apotheker aus dem Ruhrgebiet bestätigt. Der BGH in Karlsruhe lehnte
Krebsmedikamente gestreckt: Urteil gegen Apotheker rechtskräftig
6. Juli 2020
Celle – Eltern sind mit einem Eilantrag auf eine Behandlung mit dem derzeit teuersten Medikament der Welt für ihr Kind vor dem Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) gescheitert. Bei dem
Zolgensma: Kein Anspruch auf Kostenübernahme
6. Juli 2020
Berlin – Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des Berliner Chefarztes Fritz von Weizsäcker sind für übermorgen (8. Juli) die Plädoyers und auch die Verkündung eines Urteils vorgesehen. Das gab das
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER