Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Altersbedingte Makuladegeneration: Lebensstil und Vitamin D beeinflussen genetisches Risiko

Mittwoch, 16. September 2015

Ein Zwischenstadium der altersbedingten Makuladegneration /National Eye Institue

Madison/Buffalo – Ein ungesunder Lebensstil und ein Vitamin D-Mangel erhöhen das Risiko von Frauen, aufgrund einer genetischen Prädisposition an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu erkranken. Dies geht aus zwei Publikationen in Ophthalmology (2015; doi: 10.1016/j.ophtha.2015.07.029) und JAMA Ophthalmology (2015; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2015.2715) hervor.

Die Ursache der AMD, der häufigsten Ursache für Sehstörungen und Erblindungen im Alter, ist nicht bekannt. Neuere Studienergebnisse weisen jedoch auf Störungen in den Entzündungsreaktionen hin, die teilweise genetisch bedingt sind. So wurden unter anderem in den Genen für die Complement-Faktoren H und I Risiko-Allele entdeckt, die wenigstens teilweise die familiäre Häufung der AMD erklären.

Die Träger der Risiko-Gene sind jedoch ihrem Schicksal nicht schutzlos ausgeliefert. Durch eine Änderung des Lebensstils können sie ihr Erkrankungsrisiko beeinflussen. Darauf deuten die Ergebnisse aus zwei Studien hin. Beide haben die Daten der „Carotenoids in Age-Related Eye Disease Study“ (CAREDS) ausgewertet. Sie begleitet eine Gruppe von Frauen, um den Ursachen für Augenerkrankungen im Alter nachzugehen.

Für die aktuelle Studie hat ein Team um Julie Mares von der University of Wisconsin in Madison die Daten von 1.663 Frauen ausgewertet, deren genetisches Risiko bekannt war. Die Forscher teilten die Frauen nach den Ergebnissen der Gentests in drei Gruppen mit einem niedrigen, mittleren oder hohen Erkrankungsrisiko ein. Danach untersuchten sie den Einfluss des Lebensstils in den drei Gruppen.

Dabei kam heraus, dass sich genetische Faktoren und ein ungesunder Lebensstil gegenseitig verstärken. Frauen mit einem hohen genetischen Erkrankungsrisiko und einem ungesunden Lebensstil erkrankten 4,6-fach häufiger an einer AMD als Frauen mit einem niedrigen genetischen Risiko und einem gesunden Lebensstil. Der ungesunde Lebensstil war gekennzeichnet durch einen Mangel an körperlicher Aktivität, Rauchen und eine unausgewogene Ernährung.

Neben dem Lebensstil beeinflusst auch der Vitamin D-Spiegel das Erkrankungsrisiko auf eine AMD. Auch hier gibt es eine Synergie mit dem genetischen Risiko, wie eine weitere Analyse der CAREDS-Daten zeigt, die Amy Millen von der Universität in Buffalo im Bundesstaat New York und Mitarbeiter vorgenommen haben. Frauen ohne genetische Risiko-Marker hatten ein um den Faktor 1,8 erhöhtes Risiko, an einer AMD zu erkran­ken, wenn ihr Vitamin D-Spiegel niedrig war (weniger als 12 ng/ml 25-Hydroxyvitamin D). Frauen mit hohem genetischen Risiko und dem gleichen Vitamin D-Mangel hatten jedoch ein 6,7-fach erhöhtes Risiko auf eine AMD.

Der protektive Einfluss von Vitamin D wird auf anti-entzündliche Eigenschaften des Hormons zurückgeführt. Sein Mangel könnte deshalb die Wirkung der Gene verstärken, die ja die Entzündungsreaktion verändern. Auch ein ungesunder Lebensstil geht mit einem Anstieg der Entzündungsparameter einher.

Die drei Faktoren Vitamin D-Mangel, ungesunder Lebensstil und Gene könnten deshalb in die gleiche Richtung wirken. Zwei Faktoren, Vitamin D-Mangel und Ernährung lassen sich modifizieren. Ob dies allerdings das Erkrankungsrisiko senkt, kann aus den Ergebnissen einer Beobachtungsstudie nicht geschlossen werden. Hierzu wären prospektive klinische Studien erforderlich. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Alternativmed
am Donnerstag, 17. September 2015, 12:33

Auch hier wieder Vitamin D3

und im weitesten Sinne immunologische Faktoren in Form von Entzündungsreaktionen, vgl. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3908963/. Die allgemein üblichen vorbeugenden und therapeutischen Dosen sollten in diesem Zusammenhang überprüft werden. 5 µg als Tagesdosis dürften eindeutig zu niedrig sein, sind aber in vielen Multivitaminpräparaten Standard.

Nachrichten zum Thema

23. Mai 2018
Rostock – Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hat seit ihrer Gründung im Juli 2015 bereits 1.000 Augenhornhauttransplantate vermittelt und damit einen entsprechenden Versorgungsengpass reduzieren
Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hilft, Versorgungsengpass zu reduzieren
8. Mai 2018
Ann Arbor – Unter der Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren kann es, wenn auch vermutlich selten, zu Sehstörungen kommen. Zu den schweren Komplikationen, die einen Abbruch der Behandlung erzwingen
„Uveal Effusion“-Syndrom: Sehstörung durch Checkpoint-Inhibitoren
8. Mai 2018
Bonn – Mit einem neuen ambulanten Beratungs- und Trainingsangebot zur visuellen Rehabilitation will die Universitätsklinik Bonn eine Versorgungslücke in der Region schließen. „Anders als bei einer
Universitätsklinik Bonn will Versorgungslücke bei visueller Rehabilitation schließen
2. Mai 2018
San Antonio/Texas – Der Verzehr von dunkler Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil kann Sehstärke und Kontrastempfindlichkeit kurzfristig verbessern, wie eine randomisierte klinische Studie in JAMA
Dunkle Schokolade verbessert die Sehstärke (für kurze Zeit)
17. April 2018
Philadelphia – Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren, ein in den USA beliebtes, aber auch von hiesigen Augenärzten empfohlenes Nahrungsergänzungsmittel bei Keratokonjunktivitis sicca, hat in einer
Omega-3-Fettsäuren sollen nicht gegen trockene Augen helfen
20. März 2018
London – Eine Kunststoffmembran, die mit retinalen Pigmentepithelien besiedelt wurde, hat nach einer Implantation in den subretinalen Raum bei 2 Patienten im fortgeschrittenen feuchten Stadium einer
AMD: 2 Patienten können dank „Stammzell-Pflaster“ wieder lesen
16. März 2018
Kyoto – Die Injektion von humanen kornealen Endothelzellen in die vordere Augenkammer hat in einer ersten klinischen Studie bei Patienten mit bullöser Keratitis die Hornhauttrübung beseitigt und die
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige