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Medizin

Helminthen: Studie sieht bessere Behandlungs­möglichkeiten für weltweit 1.5 Milliarden Infizierte

Donnerstag, 17. September 2015

Stanford – Die Massenbehandlungen, die die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in der Regel auf Schulkinder beschränkt, haben Infektionen mit Helminthen in ärmeren Ländern nicht zurückdrängen können. Eine Studie in Lancet Global Health (2015; 10: e629–e638) zeigt, dass die Ausweitung der Behandlung auf alle Altersgruppen die Krankheitslast reduzieren könnte und zudem kosteneffektiv wäre.

In reicheren Ländern mit öffentlicher Kanalisation und sanitären Anlagen, die fäkal-orale Übertragungen verhindern, gehören Saug-, Band- oder Fadenwürmer zu den exotischen und in der Regel importierten Erkrankungen. Weltweit sind jedoch noch immer schätzungsweise 1,5 Milliarden Menschen mit Schistosoma mansonii oder haematobium, Ascaris lumbricoides, Ancylostoma duodenale, Necator americanus oder Trichuris trichiura infiziert, um nur die häufigsten Helminthen zu nennen.

Der Wurmbefall führt nicht nur zu Verdauungsproblemen, Anämien, Auszehrung sowie zu kognitiven Beeinträchtigungen oder Wachstumsstörungen bei Kindern. Vor allem ein Befall mit Schistosoma-Parasiten kann lebensgefährliche Komplikationen durch den Befall von Leber, Blase oder Darm auslösen. Jährlich sterben mehr als 150.000 Menschen an den Folgen einer Wurminfektion.

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Die Strategie der WHO besteht in Massenbehandlungen („mass drug administration“, MDA). Sie werden in der Regel auf Schulkinder (5 bis 14 Jahre) beschränkt, weil diese Gruppe den größten Nutzen hat und in den Schulgebäuden leicht erreichbar ist. Dies hat jedoch den Nachteil, dass viele Erwachsene langfristig infiziert bleiben, was das Infektionsrisiko auch für Kleinkinder erhöht, die am schwersten unter den Folgen des Wurmbefalls zu leiden haben.

Die Behandlungskosten für die Behandlung von Helminthen sind gering. Albendazol, das bei den meisten intestinalen Parasiten wirksam ist, kostet etwa 3 Cent pro Pille. Praziquantel, Mittel der Wahl bei der Bilharziose, wird für 21 Cent pro Pille angeboten. Der größte Teil der Behandlungskosten fällt ohnehin auf die Organisation der MDA, die für die schwerer zu erreichenden Kleinkinder und Erwachsenen höher sind. Nathan Lo von der University School of Medicine in Stanford/Kalifornien und Mitarbeiter beziffern die Kosten der MDA auf 74 Cent pro Person, wenn nur Schulkinder behandelt werden. Bei einer Ausweitung auf Kleinkinder und Erwachsene steigen sie auf 1 Dollar 74 Cent.

Beide Mittel sind sehr effektiv: Albendazol senkt die Zahl der ausgeschiedenen Eier um 95 Prozent, Praziquantel hat eine Effektivität von 98 Prozent. Dies kann die Ausbreitung der Erkrankungen deutlich vermindern, wobei die größte Wirkung bei der Behandlung der gesamten Bevölkerung erzielt wird. Lo und Mitarbeiter haben den Einfluss auf die Krankheitslast berechnet, die in epidemiologischen Studien als DALY (disability-adjusted life years) angeben wird. 

Bezogen auf eine hypothetische Gemeinde in der Elfenbeinküste sind dies ohne Behandlung 3.252,1 DALYs in 15 Jahren, wobei 92 Prozent der DALY auf Schistosoma-Infektionen und weitere 8 Prozent auf Anämien durch Hakenwürmer oder Schistosoma bedingt sind. Die regelmäßige Behandlung von Schulkindern würde die Krankheitslast auf 2.964,1 DALY senken. Wenn die gesamte Gemeinde behandelt wird, sinkt der Wert auf 1.521,6 DALY, was fast eine Halbierung der Krankheitslast bedeutet. Die Mehrkosten für die Behandlung wären vertretbar.

Der Parameter, der den Nutzen misst, ist ICER (incremental cost-effectiveness ratio) oder die Kosten für die Vermeidung von 1 DALY. Dies sind nach den Berechnungen von Lo und Mitarbeitern 118 US-Dollar bei einer Behandlung der Schulkinder und 167 US-Dollar bei der Behandlung der gesamten Bevölkerung, jeweils unter der Prämisse, dass 75 Prozent der Bevölkerung von den MDA erreicht werden. Der Unterschied ist denkbar gering, und die Autoren weisen darauf hin, dass in den reicheren Ländern ICER-Beträge von 50.000 US-Dollar akzeptiert werden, wenn es beispielsweise darum geht, das Leben von Krebskranken durch eine zielgerichtete Therapie um einige Monate zu verlängern. © rme/aerzteblatt.de

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