NewsMedizinInhaltsstoff aus Rotwein stabilisiert Biomarker bei Alzheimer
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Inhaltsstoff aus Rotwein stabilisiert Biomarker bei Alzheimer

Donnerstag, 17. September 2015

Washington – Resveratrol, ein antioxidativ wirksames Polyphenol, welches in Rotwein enthalten ist, könnte das Absinken von Beta-Amyloid 40 im Liquor bei Patienten mit Morbus Alzheimer verlangsamen. Forscher des Georgetown University Medical Center untersuchten in einer doppelblinden Placebostudie auch mögliche Effekte der Substanz auf Klinik und Hirnvolumen der Patienten. Raymond Scott Turner und Kollegen veröffentlichten die Ergebnisse in der Zeitschrift Neurology (http://dx.doi.org/10.1212/WNL.0000000000002035).

Resveratrol ist nicht nur ein Inhaltsstoff von Weintrauben, sondern findet sich auch in Erdnüssen, Himbeeren oder Pflaumen. Es hat wie viele andere Substanzen, die gegen altersbedingte Erkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Alzheimer wirken sollen, antioxidative Eigenschaften. Die Wirkung des Stoffs könnte jedoch über die Funktion eines bloßen Radikalfängers hinausgehen. Die Forscher berichten, dass Resveratrol Gene aktiviert, welche die Zellalterung teilweise verhindern. Im Mausmodell könne der Stoff das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen. Bei Alzheimer kommt es zu einem Abfall des Beta-Amyloids im Liquor. Die Forscher untersuchten unter anderem diesen Biomarker der Erkrankung.

In der von den Forschern angelegten Phase-Zwei-Studie, untersuchten sie den Effekt einer hochdosierten Gabe des Polyphenols. Die 119 Studienteilnehmer wurden entweder mit einem Placebo scheinbehandelt oder nahmen Resveratrol zunächst in einer Dosierung von 500mg ein und steigerten die Dosis alle 13 Wochen bis auf 2000mg. Zum Vergleich: Ein Liter Rotwein enthält etwa zwei bis zwölf Milligramm des Stoffs.

Anzeige

Die Arbeitsgruppe verglich den Gehalt von Tau-Proteinen und Beta-Amyloid im Liquor vor und nach der einjährigen Behandlung und machte MRT-Aufnahmen vom Gehirn der Probanden. Sie überprüften als sekundäres Outcome auch den klinischen Zustand der Patienten.

Während Tauproteine und Beta-Amyloid 42 durch die Behandlung nicht beeinflusst wurden, hatten Teilnehmer in der Resveratrol-Gruppe nach einer einjährigen Behandlung unveränderte Spiegel von Beta-Amyloid 40 im Liquor. Demgegenüber fielen sie in der Placebo-Gruppe um fast 15 Prozent (p=0,002).

Klinisch hatte die behandelte Gruppe in einem Punktescore für Aktivitäten des alltäglichen Lebens (Maximale Punktzahl= 78) drei Punkte weniger Verlust nach der einjährigen Behandlung (p=0,03). Bei anderen klinischen Scores war jedoch kein Unterschied zwischen den Gruppen nachweisbar.

Die Resveratrol-Gruppe zeigte, für die Forscher überraschend, nach der Behandlung eine stärkere Abnahme des Hirnvolumens als die Placebo-Gruppe (p=0,06).

Durch die Studie können die Wissenschaftler bisher zeigen, dass die Liquor-Spiegel von Beta-Amyloid 40 durch Resveratrol stabilisiert werden können. Für eine Aussage über den tatsächlichen klinischen Nutzen sei die Studie allerdings zu schwach und der beobachtete Effekt zu gering. Für den beschleunigten Verlust des Hirnvolumens in der behandelten Gruppe haben die Forscher bisher keine Erklärung. Sie berichten jedoch, dass in Studien mit Immuntherapien gegen Amyloidablagerungen im Gehirn ähnliche Volumenverluste nachweisbar sind. Möglicherweise sei die Abnahme des Hirnvolumens Ausdruck einer reduzierten Entzündungsreaktion im Hirn.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juni 2019
Saarbrücken – Das Saarland will sich verstärkt um das Thema Demenz kümmern und es nach Angaben von Gesundheits- und Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) „aus der Tabuzone holen“. Rosa Adelinde
Saarland schafft neue Beauftragte für Demenz
19. Juni 2019
London/Helsinki – Der Zusammenhang von körperlicher Bewegung und der Entwicklung einer Demenz ist offenbar weniger eindeutig als oftmals angenommen. Das legt eine Metanalyse von Studien mit rund
Körperliche Inaktivität als Risikofaktor für Demenz möglicherweise überschätzt
19. Juni 2019
Seoul – Koreanische Senioren, bei denen Ärzte ein Vorhofflimmern diagnostizierten, entwickelten in den Folgejahren häufiger eine Demenz als andere Senioren. Das Risiko war in der bevölkerungsbasierten
Vorhofflimmern erhöht Demenzrisiko
6. Juni 2019
Baltimore – Alzheimerspezifische Veränderungen des Gehirns sind bereits Jahrzehnte vor der Diagnose nachweisbar. Das berichten Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore in der
Alzheimerveränderungen schon Jahrzehnte vor Symptomen nachgewiesen
17. Mai 2019
Berlin – Nach dem Scheitern von Studien für neue Alzheimermedikamente mehren sich die Zweifel, dass die zerebralen alzheimerspezifischen Amyloidablagerungen ein vielversprechender Angriffspunkt für
Zweifel an zerebralen Amyloidplaques als Target für die Alzheimertherapie
14. Mai 2019
Genf – Eine Leitlinie für Public-Health-Maßnahmen, die nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft das Risiko für Demenzerkrankungen senken, hat die Welt­gesund­heits­organi­sation WHO vorgestellt. „Das
WHO stellt Leitlinie für öffentliche Demenzprävention vor
10. Mai 2019
Berlin – Die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft (DAlzG) hat sich für eine bessere Versorgung von Demenzkranken an deren Lebensende ausgesprochen. Ein flächendeckender Einsatz von professionellen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER