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Politik

Klinisches Risikomanagement: Ein Kulturwandel vollzieht sich

Donnerstag, 17. September 2015

Berlin – Trotz aller noch bestehenden Defizite: Die Patientensicherheit an deutschen Krankenhäusern macht Fortschritte. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) der Universitätsklinik Bonn, die das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS), der AOK-Bundesverband und die Techniker Krankenkasse gemeinsam am heutigen 1. Internationalen Tag der Patientensicherheit vorstellten.

Die Krankenhäuser setzten mittlerweile ein breites Spektrum von Maßnahmen ein, um die Patientensicherheit zu erhöhen, betonte Tanja Manser, Direktorin des IfPS. „Insgesamt kann man sagen, dass die politischen Forderungen Wirkung zeigen, aber ohne die Förderung von Kompetenz und Ressourcen in den Kliniken wird es nicht gehen.“

Konkret nutzen von den zwischen März bis Juni 2015 befragten 572 Krankenhäusern in Deutschland mittlerweile viele Kliniken die Instrumente des klinischen Risikomanage­ments (kRM) – viel mehr als das 2010 bei der Vorgängerbefragung der Fall war. So werden Patientenbefragungen heute bei 98 Prozent der Krankenhäuser durchgeführt (2010: 47 Prozent). 91 Prozent der befragten Krankenhäuser werten Schadensfälle aus (2010: 79 Prozent), 96 Prozent machen Kennzahlen-Analysen (2010: 86 Prozent) und 91 Prozent erheben selbst Daten (2010: 84 Prozent).

Prinzip der Schuldigen-Suche überwinden
„Unser Anspruch ist es, öffentlichkeitswirksam Mängel bei der Behandlungssicherheit anzusprechen und Fragen nach Gründen und Abhilfe zu stellen sowie Tools bereitzustellen, um damit das Prinzip der Schuldigen-Suche zu überwinden", erklärte Hedwig François-Kettner, Vorstandsvorsitzende des APS, bei der Präsentation der Studie.

Für Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, ist die Studie an sich schon ein Erfolg: „Sie wäre vor einer Generation unvorstellbar gewesen“, sagte er. Klinisches Risikomanagement klinge technisch, sei aber zu einem großen Teil eine kulturelle Frage, die Bewusstseinsveränderungen voraussetzt.

„Wenn man die Patientensicherheit und Transparenz im Umgang mit Fehlern ver­bessern will, dann braucht man Fakten zur Häufigkeit von Diagnosen, Ergebnisqualität und Komplikationsraten“, würdigte auch Martin Litsch, Kommissarischer Vorstand des AOK-Bundesverbandes, die Studie. Das sei die Voraussetzung für die Kliniken, diese Themen strukturiert anzupacken – und zwar ohne Vorwürfe, sondern mit dem Ziel, keinen Fehler zweimal zu machen.

68 Prozent der Kliniken haben eine CIRS-System eingeführt
Für den Bereich der Risikobewältigung zeigt die Studie, dass bewährte Verfahren immer breiter eingesetzt werden. So führen mittlerweile 91 Prozent der Krankenhäuser ein systematisches MRSA-Screening von Risikopatienten durch. Fünf Jahre zuvor waren es noch 72 Prozent. Zudem haben bereits 68 Prozent der Kliniken ein lokales Critical Incident Reporting (CIRS) eingeführt (2010: 34 Prozent).

Tag der Patientensicherheit: Infektionsprävention bleibt verbesserungswürdig

Berlin – Mehr Pflegepersonal und eine weiter verbesserte Infektionsprävention in den Kliniken fordert das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) anlässlich des 1. Internationalen Tages der Patientensicherheit am morgigen 17. September. 

Die Studie zeigt aber auch noch Defizite auf: So hat sich fast die Hälfte der Kranken­häuser (43 Prozent) noch gar nicht mit Verfahren der prospektiven Risikoanalyse befasst. Auch die Zusammenführung der gesammelten Risikoinformationen kann noch verbessert werden. Die befragten Kliniken sehen zudem noch Verbesserungsbedarf im offenen Umgang mit Fehlern, bei Vernetzung und Austausch zwischen den Kliniken/Abteilungen und bei der Standardisierung der Verfahren.

Schnittstellenproblematik weiter Risikoschwerpunkt 
Veränderungen zwischen den Ergebnissen 2010 und 2015 stellte die Studie bezüglich der wichtigsten Risikoschwerpunkten im Klinikalltag fest: So sanken Probleme mit Krankenhaus-Infektionen/Hygiene von Platz 3 auf Platz 5. Nach wie vor stehen Schnittstellenprobleme bei Aufnahme, Entlassung, Abteilungswechsel und Übergabe bei den befragten Krankenhäusern an erster Stelle, auch Platz 2 ist mit den Risiken bei der Arzneimitteltherapie gleich geblieben. Auf Platz 3 folgen diesmal aber diagnostische und therapeutische Risiken (2010: Rang 6).

© ER/aerzteblatt.de

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