NewsMedizinHerzinfarkt: Epikardiales „Pflaster“ soll Muskelzellen erneuern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzinfarkt: Epikardiales „Pflaster“ soll Muskelzellen erneuern

Donnerstag, 17. September 2015

Querschnitt eines Herzmuskels

Stanford/Kalifornien – US-Forscher haben im Epikard ein Protein entdeckt, das nach einem Herzinfarkt die Regeneration von Herzmuskelzellen stimuliert. Ein epikardialer „Patch“, der dieses Protein freisetzt, hat laut einer Publikation in Nature (2015; doi: 10.1038/nature15372) bei Mäusen und Schweinen die Erholung nach einem Herzinfarkt beschleunigt.

Da sich menschliche Herzmuskelzellen nicht erneuern, kommt es nach einem Herzin­farkt zu einem Umbau des Herzmuskels durch Bindegewebe. Dieses Remodeling ist dafür verantwortlich, dass viele Herzinfarktpatienten allmählich eine chronische Herzinsuffizienz entwickeln. Die Forschung sucht seit langem nach Möglichkeiten, die Regeneration von Herzmuskelzellen zu fördern. Bislang wird dies durch Infusion von Stammzellen in die Koronarien oder auch durch eine Injektion in den abgestorbenen Muskel versucht. Weitgehend erfolglos: Die Stammzelltherapie des Herzinfarkts hat sich klinisch nicht durchgesetzt.

Anzeige

Ausgehend von Beobachtungen am Zebrabärbling, einem karpfenartigen Fisch, bei dem sich der Herzmuskel vom Epikard her erneuern kann, schlägt das Team um Pilar Ruiz-Lozano von der Stanford Universität einen neuen Weg vor. Die Forscher haben im Labor kleine Kollagen-Pflaster gezüchtet, die das Protein Fstl1 (follistatin-like 1) freisetzen. Das Protein soll nach dem Herzinfarkt in den Herzmuskel eindringen und dort die Regeneration des Muskels fördern.

Die bisherigen Experimente wurden an Mäusen und Schweinen durchgeführt, wo das Pflaster, das eine Woche nach dem Herzinfarkt in einer Operation am Epikard befestigt wird, die Erholung des Herzmuskels gefördert hat. Bereits nach zwei Wochen wurden frische Muskelzellen und neue Blutgefäße im Herzmuskel der Tiere entdeckt.

Außerdem gebe es Anzeichen, dass sich die Herzfunktion der Tiere verbessert habe, berichtet Ruiz-Lozano. Die Experimente wurden allerdings nach kurzer Zeit abgebrochen, so dass offen bleibt, ob das Pflaster langfristig die Entwicklung einer Herzinsuffizienz verhindern kann. Für klinische Studien ist es derzeit noch zu früh. Die Forscher haben ihr Pflaster jedoch patentieren lassen und eine Firma, Epikabio, gegründet, die die Technologie weiter entwickeln soll.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

1. Juli 2020
Berlin – Zum Nutzen der CT-Angiografie (CTA) und des Stress-MRT in der Diagnostik von Koronaren Herzkrankheiten (KHK) gibt es „aussagekräftige Evidenz“. Das ist das Ergebnis einer systematischen
IQWiG hält Nutzenbewertung für nichtinvasive KHK-Diagnostik für sinnvoll
17. April 2020
New York und Kansas City − Eine frühzeitige Revaskularisierung mit Stent oder Bypass ist bei Patienten mit stabiler Angina pectoris mit erhöhten prozeduralen Risiken verbunden. Sie verbessert
Stabile Angina: Revaskularisierung schützt (anfangs) nicht vor Herzinfarkt, verbessert aber Lebensqualität
14. April 2020
Paris − Bei Herzinfarkt-Symptomen sollten Betroffene auch während der COVID-19-Pandemie sofort den Rettungsdienst rufen. Die Anweisung, zu Hause bleiben, und nicht ins Krankenhaus zu kommen,
Herzinfarkt: Auch zu Coronazeiten bei Anzeichen Rettungsdienst rufen
6. Januar 2020
München – Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml will verstärkt über das Risiko von Herzinfarkten aufklären und plant dafür eine Schwerpunktkampagne. Teil davon solle ein Online-Test zur Bestimmung des
Huml kündigt für Bayern Schwerpunktkampagne zu Herzinfarkt an
9. Dezember 2019
Augsburg – Mittlere bis hohe Ozonwerte gehen mit steigenden Raten von Herzinfarkten in der Region einher. Das berichten Forscher der Universität Augsburg, des Universitätsklinikums Augsburg, des
Erhöhte Ozonwerte gehen mit steigenden Raten von Herzinfarkten in der Region einher
19. November 2019
Montreal – Eine Behandlung mit Colchicin, das in niedriger Dosierung eine antientzündliche Wirkung erzielt, hat in einer randomisierten klinischen Studie bei Patienten nach einem Herzinfarkt die Zahl
Colchicin: Niedrig dosiertes Gichtmittel schützt nach Herzinfarkt
13. November 2019
Bremen – Das Schmerzmittel Diclofenac, das aufgrund seiner hohen Selektivität zum COX-2-Enzym das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht, wird trotz einer Warnung in einem Rote-Hand-Brief
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER