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Welt-Alzheimertag: Bessere Hilfe für Betroffene und pflegende Angehörige gefordert

Freitag, 18. September 2015

dpa

Berlin/Hannover – Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September hat Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), für mehr Unterstützung pflegender Angehöriger geworben. Diese seien durch die Pflege oft enorm belastet und brauchten selbst Hilfe.

Laut KBV werden rund 80 Prozent aller Menschen mit Demenz von ihren Angehörigen versorgt und begleitet. Dadurch könnten Betroffene möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld leben und soziale Kontakte behalten. „Viele Angehörige übernehmen diese schwere und verantwortungsvolle Aufgabe mit großen Engagement meist über viele Jahre hinweg“, sagte Feldmann.

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Ohne Unterstützung und Entlastung könnten sie jedoch schnell selbst an ihre physischen und psychischen Grenzen geraten. Deshalb hat die KBV ein Versorgungsprogramm speziell für pflegende Angehörige entwickelt. Teil des Programms ist unter anderem ein präventiver Check-up beim Hausarzt. Bei der Untersuchung soll das persönliche Gesundheitsrisiko des pflegenden Angehörigen systematisch erfasst werden, um daraus Empfehlungen abzuleiten.

„Wir haben damit ein niedrigschwelliges Angebot, das den Pflegenden und damit indirekt auch wieder denjenigen zugutekommt, die sie betreuen“, so der KBV-Vorstand. Ein Vertragsentwurf liege bereits vor, leider seien die Krankenkassen bislang nicht bereit, ihren Versicherten ein solches Behandlungsangebot zur Verfügung zu stellen, betonte Feldmann.

Kommunikationshilfe für Ärzte zur Diagnose Demenz
Um Vertragsärzte bei Gesprächen mit Demenzkranken und deren Angehörigen zu unterstützen, bietet die KBV zudem eine Kommunikationshilfe an. Die Broschüre stellt auf zwei Seiten dar, worauf Ärzte vor und während des Gesprächs achten sollten.

Eine stärkere Förderung und den wohnortnahen Ausbau ambulanter Pflege, teilstationärer Angebote und betreuter Wohngruppen für Demenzkranke hat in diesem Zusammenhang der Präventionsbeauftragte der Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), Thomas Suermann, gefordert. „Es muss unser gemeinsames Ziel sein, Demenzkranken zu einem möglichst langen selbstbestimmten Leben in der Gesellschaft zu verhelfen“, sagte er. Auch wenn gegenwärtig eine Heilung der Krankheit nicht möglich sei, könne durch medizinische Behandlung, Beratung, soziale Betreuung und fachkundige Pflege den Kranken und ihren Angehörigen geholfen werden.

Frühzeitige Diagnose wichtig
Die Hirnliga hat darauf hingewiesen, dass die Zunahme der Alzheimer-Erkrankungen in manchen Ländern nicht mehr so groß sei wie erwartet. Grund dafür scheine eine bessere Lebensweise mit besserer Ernährung und mehr Bewegung zu sein. „Damit wird auch die Forderung nach einer frühzeitigen Diagnose und somit rechtzeitigem Beginn der Demenz-Therapie erhärtet", so Isabella Heuser vom Vorstand der Hirnliga. Dabei sollten Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden.

Alzheimer-Patienten benötigen individuelle Unterstützung
Viele Baustellen bei der Versorgung von Demenzkranken sieht die Deutsche Alzheimer Gesellschaft: Zu den größten gehöre die Versorgung von Menschen mit Demenz in (Akut-)Krankenhäusern. Demenzkranke könnten sich nicht an die Routinen im Klinikbetrieb anpassen. Sie benötigten Aufmerksamkeit und individuelle Unterstützung. Da dies in den meisten Fällen nicht gegeben sei, stelle ein Kranken­haus­auf­enthalt für Menschen mit Demenz derzeit eines der größten Risiken für eine dramatische Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes dar.

Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) hat anlässlich des Welt-Alzheimertages davor gewarnt, dass die neue Pflegeausbildung die Pflege von Demenzkranken gefährde. In der Kritik steht die von Bund und Ländern geplante Zusammenlegung von Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Kinderkrankenpflege zu einem Beruf.

So hatte eine Befragung der Gesellschaft von rund 8.000 Altenpflegeschülern ergeben, dass sich 93 Prozent ganz bewusst für die Arbeit mit alten Menschen entschieden hat. Die Frage, ob die Schüler auch unter den Bedingungen der generalistischen Ausbildung mit großen praktischen und theoretischen Anteilen aus der Krankenpflege und Kinderkrankenpflege die Ausbildung machen würden, verneinte hingegen mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Befragten. „Diese Zahl lässt Schlimmes für die Pflege von älteren Menschen befürchten“, so DGGPP-Präsident Hans Gutzmann. Schon heute fehlten zehntausende von Fachkräften in den Heimen und ambulanten Diensten.

„Wenn mit Einführung der generalistischen Ausbildung hochgerechnet rund ein Drittel weniger eine Ausbildung beginnen will, kann sich jeder ausmalen, was in den Heimen und ambulanten Diensten passiert“, warnte er. Die Politik müsse überlegen, ob es angesichts der zu erwartenden Entwicklung sinnvoll und politisch klug ist, den Altenpflegeberuf abzuschaffen, so Gutzmann. © hil/aerzteblatt.de

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