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Ärzteschaft

„Das Spektrum der Qualitätssicherung im ambulanten Bereich ist groß“

Freitag, 18. September 2015

Dortmund – Die KV Westfalen-Lippe engagiert sich schon seit zehn Jahren intensiv im Themenfeld Patientensicherheit und hat hierzu auch eine eigene Abteilung eingerichtet. Anlässlich des 1. Internationalen Tages der Patientensicherheit hat die KV das Thema im Rahmen eines Fortbildungstages aufgegriffen und mit Ärzten und Praxispersonal die grundlegenden Voraussetzungen einer sicheren Patientenbehandlung diskutiert.

5 Fragen an Andreas Kintrup, Geschäftsbereichsleitung Versorgungsqualität bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

DÄ: Dem ambulanten Bereich wird häufig Nachholbedarf in Sachen Patientensicherheit nachgesagt. Warum ist das so?             
Kintrup: Wer einen Nachholbedarf in der ambulanten Versorgung mit Bezug auf Patientensicherheit sieht, kennt die umfangreichen jahrelangen Aktivitäten der Vertragsärzte nicht. Intensiver als im stationären Sektor werden Struktur-, Prozess-, wie auch Ergebnisqualität konsequent extern qualitätsgesichert. Bei Mängeln droht der Entzug der Abrechnungsgenehmigung für die mangelbehafteten Leistungen.

Es gibt insgesamt 80 Qualitätssicherungsverfahren, bei denen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte im Rahmen unterschiedlicher Prüfungen die Qualität ihrer ärztlichen Tätigkeit belegen müssen. Die Ergebnisse dieser Prüfungen werden jährlich von den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen und zusammengefasst von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung veröffentlicht. Diese Berichte zeigen das große Spektrum der Qualitätssicherung im ambulanten Bereich.

Was das Thema „Patientensicherheit im engeren Sinne“ angeht, so gibt es für den ambulanten Bereich noch keine zusammenfassenden aussagefähigen Studien. „To Err is human“ war eine Studie über den stationären Bereich. Daher liegt der Fokus der öffentlichen Diskussion auch hier. Darüber hinaus werden die Risiken im stationären Bereich als höher und deshalb der Handlungsbedarf als größer im Vergleich zum ambulanten Bereich eingestuft. Unabhängig von der Studienlage meint die KVWL, dass auch im ambulanten Bereich Handlungsbedarf gegeben ist. Deshalb widmet sie sich besonders dem Thema der Patientensicherheit.

DÄ: Wo liegen beim Thema Patientensicherheit die Unterschiede zwischen dem ambulanten und stationären Sektor?
Kintrup: In erster Linie ist es natürlich die unterschiedliche Risikoverteilung zwischen ambulant und stationär. Das Risiko, beispielsweise von einem multiresistenten Keimen besiedelt zu werden, ist auf einer Intensivstation eines Universitätsklinikums sicherlich deutlich höher als in einer ambulant operierenden Praxis. Darüber hinaus ist es nach wie vor so, dass im ambulanten Bereich die meisten Patienten in Gemeinschaftspraxen betreut werden. 

Wir wissen aber, dass die Zahl der medizinischen Versorgungszentren zunimmt und auch die Zahl der großen Praxen mit vielen unterschiedlichen Filialen an verschiedenen Orten mit unterschiedlichen Fachgruppen zunehmen wird. Die Versorgungslandschaft wird immer differenzierter. Der einzelne Arzt kennt seinen Patienten vielleicht nicht mehr so wie früher. Mit der zunehmenden Komplexität der Versorgung steigt auch das Risiko im Bereich Patientensicherheit.

DÄ: Welches sind die wichtigsten Themen für Arztpraxen hinsichtlich Patientensicherheit?
Kintrup: Wichtige Themen sind sicherlich die Arznei­mittel­therapie­sicherheit. Nach wie vor gibt es Verbesserungspotenziale bei der Umsetzung der Regelungen des Infektionsschutzgesetzes sowie des Medizinproduktegesetzes. Mit der Änderung der Qualitätsmanagementrichtlinie besteht die Notwendigkeit, dass sich Arztpraxen auch mit den Themen Risiko- und Fehlermanagement befassen. Nach unseren Erfahrungen sind auch die sogenannten weichen Faktoren, wie zum Beispiel Kommunikation innerhalb der Arztpraxis und Umgang mit Stress, Themen der Patientensicherheit.

DÄ:  Welche Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit gibt es in der KVWL?
Kintrup: In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr um das Thema „Hygiene“ gekümmert. Wir haben eine Mitarbeiterin zur technischen Sterilisationsassistentin ausbilden lassen. Wir bieten spezielle Informationsveranstaltungen zur Umsetzung der Regelungen des Infektionsschutzgesetzes und zur Aufbereitung von Medizinprodukten an. In diesem Zusammenhang führen wir auf Wunsch  auch Vor-Ort-Begehungen durch, um Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.

Seit Geltung der Vergütungsvereinbarung zur Sanierung von mit MRSA besiedelten oder infizierten Patienten haben mehr als 3.000 Ärzte in Westfalen Lippe die entsprechende Abrechnungsgenehmigung erhalten. Gemeinsam mit den Gesund­heitsämtern führen wir regelmäßige Netzwerkkonferenzen durch, an denen neben den niedergelassenen Ärzten auch alle anderen am MRSA-Kreislauf Beteiligten teilnehmen.

Wir führen Schulungen zum Thema Dringlichkeitsentscheidungen in Hausarztpraxen durch. In einer Schweizer Studie wurde festgestellt, dass gerade in diesem Bereich besondere Probleme in Bezug auf die Patientensicherheit auftreten können.

DÄ: Stichwort Evaluation: In welchen Bereichen lassen sich inzwischen konkrete Erfolge in der Verbesserung der Patientensicherheit nachweisen?
Kintrup: Diese Frage ist immer schwierig zu beantworten. Die beste Auskunft geben die jährlichen Qualitätsberichte der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärzt­lichen Bundesvereinigung. Der Bericht aus Westfalen Lippe zeigt die Entwicklung in den einzelnen Gebieten über jeweils vier Jahre und benennt sowohl positive als auch negative Aspekte, die bei der Qualitätssicherung zutage getreten sind.

© KBr/aerzteblatt.de

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