Vermischtes

Psychisch kranke Flüchtlinge: Kammer fordert Ermächtigungen für Psychotherapeuten

Montag, 21. September 2015

Berlin – Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fordert Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen auf, sich für die kurzfristige Ermächtigung von Psychotherapeuten zur Versorgung psychisch kranker Flüchtlinge einzusetzen.

Mindestens jeder zweite Flüchtling ist nach Erhebungen der BPtK psychisch krank. Bisher würden aber nicht mehr als vier Prozent der Flüchtlinge psychotherapeutisch versorgt. In der ambulanten Versorgung und in psychosozialen Flüchtlingszentren seien deutlich mehr Psychotherapeuten notwendig, um posttraumatische Belastungs­störungen und Depressionen behandeln zu können. Die BPtK schätzt, dass in diesem Jahr mindestens 40.000 psychisch kranke Flüchtlinge eine psychotherapeutische Behandlung brauchen. Bisher können pro Jahr aber nur rund 4.000 Flüchtlinge behandelt werden.

Anzeige

Für solche Ermächtigungen sind nach Angaben der Bundespsychotherapeutenkammer keine neuen gesetzlichen Regelungen notwendig. Ärzte und Psychotherapeuten könnten nach der Zulassungsverordnung der Vertragsärzte (§ 31 Absatz 1 Nr. 2 Ärzte-ZV) ermächtigt werden, vertragspsychotherapeutisch tätig zu werden, sofern dies notwendig ist, um einen begrenzten Personenkreis zu versorgen. Flüchtlinge sind ein solcher begrenzter Personenkreis, der zurzeit so gut wie nicht versorgt wird. Ermächtigungen sind zeitlich begrenzt, im Regelfall auf zwei Jahre.

Die psychotherapeutischen Leistungen für Flüchtlinge werden zwar über die Kranken­kassen abgerechnet. Nach § 264 Absatz 7 SGB V werden den Kassen aber die Kosten von den zuständigen Sozialhilfeträgern vierteljährlich erstattet.

Eine Ermächtigung muss beim Zulassungsausschuss beantragt werden und ermächtigt zur Behandlung mittels eines Richtlinienverfahrens. Die BPtK hat eine Information für Psychotherapeuten erstellt, die eine Ermächtigung für die Versorgung von Flüchtlingen beantragen wollen. Wer eine solche Ermächtigung erhält, ist berechtigt, vertrags­psychotherapeutische Leistungen für Flüchtlinge zu erbringen und diese auch mit den Krankenkassen abzurechnen.

© EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

24.02.17
Erfurt – In Thüringen haben immer mehr Flüchtlinge eine elektronische Gesundheitskarte für den Arztbesuch. 6.800 Karten seien mittlerweile von den Krankenkassen ausgegeben worden, sagte......
14.02.17
Frankfurt – Die Landesärztekammer Hessen warnt vor Bestrebungen der Politik, Flüchtlinge voreilig abzuschieben. Hintergrund ist der jüngst vorgestellte 16-Punkte-Plan der Bundesregierung zur......
13.02.17
Jena/Erfurt – Krank und ohne Ausweis in Deutschland: Mit 230.000 Euro fördert das Sozialministerium in Thüringen in diesem Jahr den Aufbau einer medizischen Versorgungs- und Vermittlungsstelle für......
03.02.17
USA: Sind Migranten die besseren Ärzte?
Boston – Die Krankenhaussterblichkeit von älteren Patienten ist in den USA niedriger, wenn sie von Internisten mit Migrationshintergrund betreut wurden, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert......
23.01.17
Erfurt – Mehr Flüchtlinge erhalten in Deutschland seit Jahresbeginn eine elektronische Gesundheitskarte. Der Streit um die Kosten ist für die Kommunen nach wie ein wichtiger Aspekt in der Debatte. In......
20.01.17
Dresden – Die Sächsische Landesärztekammer hat eine Broschüre vorgestellt, die Asylsuchenden die Abläufe im deutschen Gesundheitswesen erläutert. Sie richtet sich an Neuankömmlinge bis zur Anerkennung......
17.01.17
Toronto/London – Immigranten und ihre Kinder reagieren auf Stress mit einer vermehrten Ausschüttung von Dopamin in Hirnarealen, die an der Entstehung der Schizophrenie beteiligt sind. Besonders......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige