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Ärzteschaft

Honorar­verhandlungen: Orientierungswert steigt um 1,6 Prozent

Dienstag, 22. September 2015

Berlin – Anders als von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gefordert, wird der Orientierungswert als Basis der Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) im nächsten Jahr nur um 1,6 Prozent angepasst. Bislang liegt er bei rund 10,271 Cent, demnächst steigt er auf rund 10,436 Cent. Das wurde heute im Erweiterten Bewertungsausschuss entschieden. Der GKV-Spitzenverband wollte den nieder­gelassenen Ärztinnen und Ärzten lediglich eine Erhöhung um 0,4 Prozent zugestehen. Die KBV hatte mit einem Plus von rund 2,5 Prozent gerechnet.

KBV-Vorstand Andreas Gassen zeigte sich enttäuscht. „Wir müssen das Ergebnis nun analysieren. Es geht hier ja um die Ermittlung des Preisanstiegs der ärztlichen Leistung“, sagte er. Das niedrige Angebot der Kassenseite hatte Gassen auf der KBV-Vertreter­versammlung am vergangenen Freitag scharf kritisiert. Schon vor einem Jahr sei klar gewesen, dass die abgesenkten Versichertenbeiträge ein „riesiges Loch“ in die Kassenbudgets reißen würden: „Und nun sollen wieder wir Ärzte und Psychotherapeuten für dieses Missmanagement gerade stehen? Eine Gesundheitspolitik, die eine so hochwertige und flächendeckende ambulante Versorgung haben will, wie wir sie bieten, muss dafür auch angemessene Preise bezahlen.“

Auf Anpassungen bei der Vergütung der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten hatte sich der Erweiterte Bewertungsausschuss in den Grundzügen bereits am 10. September verständigt. Danach soll deren Vergütung jährlich um rund 80 Millionen Euro steigen. Die Neubewertung der Leistungen geht nach Angaben der KBV zurück auf mehrere Bundessozialgerichtsurteile, in denen sich das Gericht mit der angemessenen Höhe der Vergütung der antrags- und genehmigungspflichtigen Psychotherapien

auseinander gesetzt hat. Die heutigen Beschlüsse beruhen dem Vernehmen nach auf dieser Verständigung. © Rie/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 24. September 2015, 21:05

Fiktive Milchmädchenrechnungen von KBV und SpiBu!

Die GKV-Kennzahlen des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Gesetzlichen Krankenkassen weisen unter
https://www.gkv-spitzenverband.de/media/grafiken/gkv_kennzahlen/kennzahlen_gkv_2015_q1/300dpi_8/GKV-Kennzahlen_Krankenhaus_Arznei_AerztlBehandlung_2014.jpg
im Jahr 2014 für die ärztlichen Behandlungen a l l e r gesetzlich Versicherten Ausgaben von 33,43 Milliarden Euro nach (Arzneimittel 33,36 Mrd. bzw. 67,86 Mrd. für Krankenhausbehandlungen). Für 2015 kann es noch gar keine abschließenden Zahlen geben!

Wenn der Beschluss über die kassenärztlichen Honorare laut SpiBu für 2016 den Ärzten angeblich insgesamt 1,35 Milliarden Euro mehr Honorar-U m s a t z bringen soll, sind das von der Ausgangsbasis 2014 formal gerechnet eine Umsatzsteigerung von plus 4,04 Prozent.

Doch es fehlt dem SpiBu jegliche Bezugsgröße zum Jahr 2015, denn die Abrechnungsdaten für 2015 können bei f e h l e n d e m Jahresabschluss ja gar nicht vorliegen. Zu behaupten, "Ärzte bekommen 3,8 Prozent mehr" belegt eher eine Schwäche in den erweiterten Grundrechenarten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist bei den großen Zahlenräumen allerdings genauso überfordert: Mit geschätzten 800.000 Euro plus Umsatzsteigerung betrüge die Umsatzsteigerung formal gegenüber 2014 entsprechend nur plus 2,39 Prozent und n i c h t 3,8 Prozent, wie der SpiBu dagegen konfabuliere.

Doch wenn man bloß v o r h e r überlegt hätte, dass man mit rein spekulativ vermuteten, höchst volatilen Zahlen eines noch gar nicht möglichen Jahresabschlusses für 2015 argumentiert, hätte man sich auf ein derart surrealistisches Geplänkel gar nicht einlassen müssen.

Stattdessen ist dass, was die Sozial- und Verhandlungspartner des SGB V hier vollführen, in hohem Maße psycho- und soziopathologisch. Man verhandelt über Steigerungsraten o h n e jegliche Bezugsgrößen, Basiswerte und empirische Belege im luftleeren Raum. Jegliche Tarifverhandlungen und Sozialpartnerschaften zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften würden mit einem derart lausigen Zahlenmaterial, mit dem der SpiBu und die KBV hier dilettieren, ad absurdum geführt.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G.Schätzler, FAfAM Dortmund

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