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Medizin

Prostatakarzinom: Hormontherapie kann Leben komorbider Patienten verkürzen

Mittwoch, 23. September 2015

Boston – Die Hormontherapie, die durch eine Androgendeprivation das Leben von Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom verlängern soll, hatte in einer Langzeitstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; doi:10.1001/jama.2015.8577) bei komorbiden Patienten eine gegenteilige Wirkung. Der Grund könnten die kardialen Nebenwirkungen der eingesetzten Medikamente sein.

Die Androgendeprivationstherapie (ADT) wird mit GnRH-Agonisten durchgeführt, deren Label in den USA seit 2008 einen umrahmten Warnhinweis tragen. Die Hersteller müssen dort auf ein erhöhtes Risiko von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt, plötzlichen Herztod oder Schlaganfall hinweisen. Inwiefern diese Risiken den lang­fristigen Erfolg der Behandlung gefährden, war bislang unbekannt und wegen der langen Überlebenszeiten beim Prostatakarzinom nur schwer abzuschätzen.

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Anthony D’Amico vom Brigham and Women's Hospital in Boston und Mitarbeiter haben jetzt die Langzeitergebnisse einer Studie ausgewertet, in der zwischen 1995 und 2001 206 Patienten auf eine Radiotherapie oder eine Radiotherapie plus ADT randomisiert worden waren. Nach nunmehr median 16,6 Jahren sind 156 Teilnehmer der Studie gestorben, davon allerdings nur 29 am Prostatakarzinom. Bei weiteren 39 Patienten wurden kardiale Gründe als Todesursache angegeben.

D’Amico hat die Patienten jetzt nach ihren Vorerkrankungen, die mit dem Fragebogen ACE-27 (Adult Comorbidity Evaluation-27) erhoben wurden, in zwei Gruppen eingeteilt. Bei den Patienten ohne oder mit minimaler Komorbidität wurde die Mortalität durch die zusätzliche ADT deutlich gesenkt. Bei den Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Komorbidität war es genau anders herum: Hier erhöhte die zusätzliche ADT das Sterberisiko, wobei es in erster Linie zu einem Anstieg der kardialen Todesfälle kam. 

Da die Untersuchung retrospektiv erfolgte und nicht genau bekannt war, worauf die Komorbidität beruhte, kann die Analyse nicht beweisen, dass die kardiovaskulären Risiken der Medikamente für die Übersterblichkeit bei komorbiden Patienten verantwortlich waren. D’Amico hält es aber für ratsam, die Indikation zur Hormon­therapie behutsam zu stellen und bei Patienten mit erhöhter kardialer Komorbidität eine aktive Surveillance zu bevorzugen. © rme/aerzteblatt.de

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