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Medizin

FDA untersucht Atemdepression durch Tramadol bei Kindern

Dienstag, 22. September 2015

Silver Spring - Die amerikanische Arzneibehörde (FDA) nimmt einen Zwischenfall aus Frankreich zum Anlass für eine Sicherheitsprüfung des Schmerzmittels Tramadol. Das Mittel kann bei ultraschnellen Metabolisierern eine lebensgefährliche Atemdepression auslösen.

Tramadol gehört wie Codein zu den Prodrugs. Beide werden in der Leber durch das Cytochrome P450-Enzym CYP2D6 in die aktiven Wirkstoffe, beide Male Opioide, verwandelt. Opioide können bekanntlich eine Atemdepression auslösen. Das Risiko ist bei Tramadol im Regelfall gering.

Es gibt jedoch Menschen, bei denen die Syntheseleistung von CYP2D6 infolge von Genduplikationen verstärkt ist. Dies sind die schnellen oder ultraschnellen Metabolisierer. Bei dem 5 Jahre alten Kind, über das Gilles Orliaguet von Hôpital Necker in Paris jüngst in Pediatrics (2015; 135: e753-5) berichtete, führte ein ultraschneller CYP2D6g-Genotyp dazu, dass es am Tag nach einer ambulant durchgeführten Tonsillektomie zu einer schweren Atemdepression kam. Der Fall wurde dadurch kompliziert, dass das Kind an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom litt.

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Tramadol ist in den USA (anders als in Deutschland) nicht bei Kindern unter 18 Jahren zugelassen, es wird jedoch häufig, gerade nach Tonsillektomien „off label“ eingesetzt. Da Tonsillektomien ein häufiger Eingriff sind und bei den Kindern in der Regel nicht bekannt ist, ob sie schnelle Metabolisierer sind, fordert die FDA Ärzte und Eltern zur Vorsicht auf. Zwischenfälle wie in Paris sollten den Arzneimittelbehörden gemeldet werden.

Bei Codein, das bei ultraschnellen Metabolisierern ebenfalls zur Atemdepression führen kann, gibt es auch in Deutschland Anwendungsbeschränkungen. Der Wirkstoff, der als Hustenmittel eingesetzt wird, ist bei Kindern und Jugendlichen kontraindiziert.

© rme/aerzteblatt.de

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