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Medizin

Meta-Analyse: Suizide an „Hot Spots“ vermeidbar

Donnerstag, 24. September 2015

Melbourne – Die Häufigkeit von Suiziden an „Hot Spots“ kann durch bauliche Maßnahmen, aber auch durch Hilfsangebote oder eine stärkere Überwachung deutlich gesenkt werden. Dies kam in einer Meta-Analyse in Lancet Psychiatry (2015; doi: 10.1016/S2215-0366(15)00266-7) heraus. 

Jede größere Stadt hat Gebäude, Brücken oder andere markante Punkte, die Menschen mit Suizidabsichten magisch anziehen. Und nichts, so scheint es, kann die Menschen von ihrem Vorhaben abhalten. In Wirklichkeit reichen oft bereits einfache Maßnahmen aus, um die Zahl der Selbsttötungen an diesen Orten zu vermindern. Dies zeigen die Erfahrungen, die an 18 Orten gesammelt und in den letzen Jahren in Studien publiziert wurden.

Jane Pirkis von der Universität Melbourne hat die Daten in einer Meta-Analyse zusammengefasst. Sie unterscheidet drei Kategorien von Interventionen. Bei der ersten handelt es sich um Maßnahmen, die den Zugang zum „Hot Spot“ einschränken. Dies konnte ein Zaun oder ein Geländer sein, oder auch die Absperrung von Wegen. In einem Fall in England hat auch die Quarantäne aufgrund einer Maul- und Klauenseuche die Suizidrate gesenkt.

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Diese Barrieren, die die Ausführung der Tat behindern, haben an den „Hot Spots“ die Zahl der Suizide um 91 Prozent gesenkt (relative Inzidenzrate 0,09; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,03-0,27). Die zweite Kategorie umfasst Hinweisschilder oder Telefone, mit denen den Suizidwilligen eine sofortige psychologische Beratung vermittelt wird. Auch hiermit haben viele Städte gute Erfahrungen gemacht. Pirkis ermittelt eine relative Inzidenzrate von 0,49 (0,29-0,68), also in etwa eine Halbierung in der Anzahl der Suizide. Eine ähnlich gute Prävention erzielten Überwachungskameras oder die Verstärkung des Personals. Die relative Inzidenzrate betrug 0,53 (0,31-0,89).

Die Studien haben allerdings nicht untersucht, ob die Suizidrate in den Städten insgesamt zurückgegangen ist. Es ist durchaus möglich, dass die Suizidwilligen auf andere Orte ausweichen. Die Städte müssen deshalb damit rechnen, dass sich neue „Hot Spots“ bilden. © rme/aerzteblatt.de

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