Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

USA: Altes Zytostatikum beim Darmkrebs neu zugelassen

Mittwoch, 23. September 2015

Silver Spring – Die amerikanische Arzneibehörde FDA hat das Zytostatikum Trifluridin zur Behandlung des metastasierten Kolorektalkarzinoms zugelassen. Der bereits in den 1950er Jahren entwickelte Wirkstoff darf als Reservemittel nach dem Versagen anderer Therapien eingesetzt werden.

Trifluridin war in den späten 1950er Jahren etwa zur gleichen Zeit wie 5-Fluoruracil (5-FU) entwickelt worden. Beide Mittel haben eine ähnliche Molekülstruktur – ein an Position 5 fluoriertes Uracil – und denselben Wirkmechanismus: Beide hemmen die Thymidylatsynthase, den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt in der Synthese von Pyrimidin-Nukleotiden. Trifluridin wird darüber hinaus als falscher Baustein in die DNA eingebaut.

5-FU wurde später zum Standardmedikament zur Darmkrebsbehandlung und bildet noch heute das Grundgerüst von Kombinationen wie FOLFIRI (mit Irinotecan) oder FOLFOX (mit Oxaliplatin). Die klinische Entwicklung von Trifluridin wurde dagegen eingestellt. Grund war die hohe Toxizität. Trifluridin wird heute nur lokal in Augentropfen zur Behandlung von Herpes-Infektionen der Hornhaut eingesetzt.

Die schlechte Verträglichkeit war jedoch wesentlich durch eine ungünstige Pharma­kokinetik bedingt. Trifluridin wird vom Körper rasch metabolisiert und ausgeschieden. Die Kombination mit Tipiracil, das den Abbau von Trifluridin über das Enzym Thymidin-Phosphorylase hemmt, verlängert die Halbwertzeit.

Der japanische Hersteller Taiho Pharmaceutical hat das alte Zytostatikum  Trifluridin wieder aufgegriffen und erfolgreich durch die klinische Prüfung geschleust. Den Abschluss bildete eine im Sommer veröffentlichte Phase 3-Studie an 800 Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom, bei denen mindestens zwei frühere Therapien versagt hatten. Trifluridin/Phosphorylase verlängerte dort die durchschnittliche Überlebenszeit von 5,3 auf 7,1 Monate. Das progressionsfreie Überleben stieg von 1,7 auf 2 Monate. Beides ist angesichts der Negativauswahl der Patienten in der Studie beachtlich.

Die FDA hat die Kombination für Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom zugelassen, die zuvor bereits – erfolglos – mit FOLFIRI oder FOLFOX, einem Anti-VEGF-Medikament und – sofern ein RAS-Wildtyp vorlag – auch mit einem Anti-EGFR-Mittel behandelt wurden.

Die häufigsten Nebenwirkungen des Medikaments sind Anämie, Neutropenien und Thrombozytopenien, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber. Die FDA rät den Ärzten vor Beginn jedes Behandlungszyklus ein komplettes Blutbild anzufertigen und auf die Entwicklung einer Myelosuppression zu achten.

© rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.06.17
NSAID verbessern Prognose nach Darmkrebsbehandlung bei KRAS-Wildtyp
Seattle – Patienten, die nach der Diagnose einer Darmkrebserkrankung eine Behandlung mit einem nicht-steroidalen Antirheumatikum begannen, hatten in einer Kohortenstudie signifikant bessere......
13.06.17
München – Ein neues Projekt in Bayern namens „Farkor – Vorsorge bei familiärem Risiko für das kolorektale Karzinom“ soll junge Menschen mit einem familiären Risiko vor einer Darmkrebserkrankung......
31.05.17
Erhöhter Blutzuckerspiegel und zunehmender Taillenumfang steigern Dickdarmkrebsrisiko
Potsdam – Nicht nur eine kontinuierliche Gewichts- und Körperfettzunahme im Bauchraum erhöhen das Risiko für Dickdarmkrebs. Auch eine Störung des Zuckerstoffwechsels spielt eine entscheidende Rolle.......
26.04.17
Vorsorge: Darmkrebsrisiko steigt nach positivem Stuhltest erst langsam an
Oakland – Der Nachweis von okkulten Blut im Stuhl muss möglichst rasch durch eine Koloskopie abgeklärt werden. Eine europäische Qualitätsleitlinie fordert einen Termin innerhalb von 31 Tagen. Das......
02.03.17
USA: Anstieg der Darmkrebs­erkrankungen bei jungen Erwachsenen
Atlanta – Während der Darmkrebs in den USA bei älteren Erwachsenen immer seltener wird, ist die Inzidenz bei jungen Erwachsenen dramatisch angestiegen. Die nach 1990 Geborenen haben laut einer Studie......
28.02.17
Weniger Menschen in Deutschland an Darmkrebs gestorben
Berlin – Zum Auftakt des diesjährigen Darmkrebsmonats März hat die Felix-Burda-Stiftung auf die sinkende Darmkrebsmortalität in Deutschland hingewiesen. „Erneut sind die Anzahl der Todesfälle an......
21.02.17
Portland/Oregon – Der gastrointestinale Stromatumor (GIST), ein unheilbares Sarkom, das früher innerhalb kurzer Zeit zum Tod führte, kann heute langfristig mit dem Kinase-Inhibitor Imatinib......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige