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Medizin

Darmbakterien beeinflussen Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Donnerstag, 24. September 2015

Düsseldorf/München – Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Darmflora und neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) sind im Augenblick Gegenstand intensiver Forschung. „Den Mikrobiota kommt eine entscheidende Bedeutung als Trigger der Multiplen Sklerose zu“, berichtete Hartmut Wekerle, Hertie-Seniorprofessor am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in München jetzt auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Düsseldorf.

Die Darmflora, auch Mikrobiota oder Mikrobiom genannt, setzt sich aus schätzungs­weise 1.000 verschiedenen Arten von Darmbakterien zusammen, die in den Wänden des Darms und in dessen Inhalt siedeln. Die Darmflora ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von gefährlichen Keimen und Giften und die Stärkung des Immunsystems.

Dass es zwischen der Darmflora eines Menschen und der Entstehung der Multiplen Sklerose eine Verbindung gibt, wies Wekerle in Tierstudien nach. Die Forscher arbeiteten mit genetisch veränderten Mäusen. Wurden diese unter sauberen, aber nicht keimfreien Bedingungen gehalten, entwickelten sie eine Krankheit, die der schub­förmigen MS ähnlich ist – die experimentell-autoimmune Enzephalomyelitis, EAE. Herrschte dagegen Keimfreiheit, waren die Tiere vor dieser Krankheit komplett geschützt.

Sobald der Darm dieser Mäuse aber mit der Darmflora von normal aufgewachsenen Tieren besiedelt wurde, erkrankten sie sofort spontan an EAE. „Offensichtlich wird in diesem Modell die Autoimmunreaktion gegen Gewebe des Zentralen Nervensystems von den Darmmikrobiota ferngesteuert“, so Wekerle.

Welche Arten von Mikroben und in welcher Anzahl sie im menschlichen Darm vorkommen, hängt entscheidend von der Ernährung und von immunologischen Prozessen im Darm ab. An dieser Verbindung zwischen MS, Ernährung und der Darmflora forschen auch die Neurologen Ralf Gold, erster Vorsitzender der DGN, und Aiden Haghikia von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Neurologen aus Erlangen.

Die Zusammensetzung verschiedener Fettsäuren in der Nahrung kann offenbar die Entwicklung dieser Autoimmunerkrankung beeinflussen, wie noch unveröffentlichte Studienergebnisse belegen. Sie verändern das Vorkommen bestimmter Immunzellen, die an der Entstehung und dem Verlauf der Multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Forscher arbeiten daher an einer Fettsäure-Diät für MS-Patienten.  

© hil/aerzteblatt.de

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