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Medizin

Zentrale Venenkatheter: Komplikationsrisiko nach Subclavia-Zugang am geringsten

Freitag, 25. September 2015

Caen – Der Zugang über die Vena subclavia ist bei einem zentralen Venenkatheter zwar technisch anspruchsvoll, die Rate von Infektionen und tiefen Venenthrombosen war in einer multizentrischen Vergleichsstudie aus Frankreich jedoch am niedrigsten, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2015; 373: 1220-1229) vorgestellten Ergebnisse zeigen.

An der Venous Site for Central Catheterization oder 3SITES-Studie hatten sich zehn Intensivstationen in Frankreich beteiligt. Die Ärzte, alle mit einer Erfahrung von mindestens 50 Insertionen zentraler Venenkatheter, verpflichteten sich, die Wahl des Zugangs – die Vena subclavia, die Vena jugularis oder die Vena femoralis – dem Losverfahren zu überlassen. Zwischen Dezember 2011 und Juni 2014 wurden insgesamt 3.027 Patienten in die Studie eingeschlossen. Ihr primärer Endpunkt war ein Composite aus Katheter-assoziierter Sepsis oder symptomatischer tiefer Venenthrombose. 

Wie Jean-Jacques Parienti von Centre Hospitalier Universitaire (CHU) in Caen und Mitarbeiter berichten, ging der Zugang über die Vena subclavia als klarer Sieger hervor. Nur bei acht von 981 Patienten kam es zu einer Infektion oder einer Thrombose. Bei einem Zugang über die Vena jugularis waren 20 Patienten und bei einem Zugang über die Vena femoralis 22 Patienten betroffen. Die Inzidenzen betrugen 1,5, 3,6 und 4,6 Komplikationen pro 1.000 Patiententagen. Im Vergleich zur Vena subclavia war das Endpunktrisiko bei einem Zugang über die Vena femoralis 3,5-fach höher (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,5 bis 7,8) und bei einem Zugang über die Vena jugularis 2,1-fach (1,0-4,3) höher. Beide Male waren die Unterschiede signifikant.

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Der Subclavia-Katheter zeichnete sich insbesondere durch eine geringe Rate einer symptomatischen Sepsis aus: 0,5 Prozent versus 1,2 Prozent bei femoralem und 1,4 Prozent bei jugulärem Katheter. Der Grund dürfte laut Parienti in der längeren subkutanen Strecke bis zum Zielgefäß sein. Außerdem sei in der Schlüsselbeinregion die Bakterienlast niedriger und die Gefahr, dass der Verband verrutscht, sei geringer. Subclavia-Katheter neigen zudem seltener zu einer Thrombose.

Dennoch ist die Vena subclavia nicht für jeden Arzt oder jede Ärztin der bessere Zugang. Die Insertion des zentralen Venenkatheters ist technisch anspruchsvoll, was sich in der Studie in einer höheren Rate von „mechanischen“ Komplikationen bemerkbar machte: Die Versuche, den Katheter in die Vena subclavia zu schieben, stießen bei 18 Patienten auf Schwierigkeiten: Insgesamt 13 Mal wurde ein Pneumothorax verursacht. Das Risiko war nach Zugang über die Vena jugularis seltener (12 Komplikationen, darunter dreimal ein Pneumothorax).

Nach der Punktion der Vena femoralis kam es sieben Mal zu Komplikationen. Darunter waren vier Patienten, bei denen die benachbarte Arterie verletzt wurde. Die Wahl des Zugangs sollte nach Ansicht von Parienti von Fall zu Fall gestellt werden. Für erfahrene Ärzte könnte nach den Ergebnissen jedoch die Vena subclavia der komplikationsärmste Zugang sein. Weniger erfahrene Ärzte können mit Hilfe eines Ultraschallgerätes eine Punktion der Pleurahöhle vermeiden./rme

© rme/aerzteblatt.de

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