NewsMedizinNeue Perspektiven bei der Therapie der multiplen Sklerose
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Neue Perspektiven bei der Therapie der multiplen Sklerose

Freitag, 25. September 2015

Düsseldorf – Ein neuer Antikörper könnte schon bald das Repertoire an Arzneimitteln gegen die Multiple Sklerose (MS) ergänzen. Das belegen erste Ergebnisse einer Studie mit mehr als 1.800 Patienten, die demnächst im New England Journal of Medicine publiziert werden soll, berichtete Heinz Wiendl heute auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

„Zwar konnte das Fortschreiten der Behinderung in der Endpunktberechnung nicht eindeutig verlangsamt werden“, erläuterte der Direktor der Klinik für allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster. Allerdings war laut Wiendl die Schubrate gegenüber der Therapie mit Interferon-ß-1a annähernd halbiert.

Der humanisierte Antikörper greift in den Signalweg des Botenstoffes Interleukin-2 (IL-2) ein. Er bindet an die CD25-Untereinheit des hochaffinen IL2-Rezeptors und verhindert dort die Signalleitung durch das entzündungsfördernde Zytokin.

Anzeige

Dabei wurde eine spezielle, biotechnologisch leicht veränderte Form jenes Antikörpers eingesetzt, der bisher häufig gegen die Organabstoßung bei Nierentransplantationen zum Einsatz kam, erläuterte Wiendl, der zusammen mit Neurologen aus 28 Ländern an der Studie beteiligt und im Steering Committee der Studie war.

Beim primären Endpunkt der Studie, der jährlichen Schubrate, war das neue Präparat mit einem Durchschnittswert von 0,22 deutlich überlegen (IF-ß-1a: 0,39), ebenso bei der Zahl neuer oder vergrößerter Läsionen des Gehirns in der T2-gewichteten Kern­spintomografie nach 96 Wochen (4,3 versus 9,4).

Allerdings gab es in der Antikörper-Gruppe 14 Prozent Studienabbrecher, gegenüber neun Prozent unter If-ß-1a. Schwere Nebenwirkungen wurden bei 15 Prozent der Patienten festgestellt, die Daclizumab bekommen hatten, gegenüber zehn Prozent in der Gruppe mit IF-ß-1a. Schwere Infektionen waren mit vier Prozent doppelt so häufig wie unter IF-ß-1a. „Je nach Schwere des Verlaufs könnten entweder bewährte Substanzen mit guter Verträglichkeit zum Einsatz kommen oder – in schwereren Fällen – auch die stärker wirksamen neuen Arzneien, deren potenzielle Nebenwirkungen dann allerdings intensiver überwacht werden müssen“, so Wiendl.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

7. Oktober 2020
Melbourne – Patientinnen mit Multipler Sklerose, die bereits ein- oder mehrmals schwanger waren, hatten in einem Patientenregister im Durchschnitt 3,3 Jahre später als kinderlose Patientinnen eine
Studie: Kann eine Schwangerschaft den Beginn einer Multiplen Sklerose hinauszögern?
14. September 2020
Mainz – Einen neuen möglichen Ansatz für eine Behandlung der Multiplen Sklerose beschreiben Wissenschaftler um Claire Jacob von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der schweizerischen
Theophyllin unterstützt Remyelinisierung von Nervenfasern
11. September 2020
Dresden – Ein neues Qualitätsmanagementsystem, das konsequent auf digitale Lösungen setzt und die Patientenperspektive gleichberechtigt einbezieht, erproben verschiedene Partner jetzt in Sachsen. An
Neues digitales Qualitätsmanagement für Multiple-Sklerose-Patienten wird in Sachsen erprobt
25. August 2020
Basel – Die monatliche subkutane Injektion des CD20-Antikörpers Ofatumumab, der 2010 zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie eingeführt wurde, hat in 2 Phase-3-Studien die Schubrate von
Multiple Sklerose: CD20-Antikörper Ofatumumab senkt Schubrate besser
13. Juli 2020
Hamburg – Wissenschaftler des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und
Wissenschaftler suchen nach neuen Ansätzen für MS-Therapie
1. Juli 2020
Dresden – Einen berufsbegleitenden Masterstudiengang „Multiple Sklerose Management“ hat die Dresden International University eingerichtet. „In dem Studiengang wird es um die theoretischen Grundlagen,
Neuer Masterstudiengang zur Multiplen Sklerose in Dresden
30. Juni 2020
Nottingham – Die absichtliche Infektion mit Larven des Hakenwurms Necator americanus hat in einer placebokontrollierten Studie an Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS)
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER