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Medizin

Neue Perspektiven bei der Therapie der multiplen Sklerose

Freitag, 25. September 2015

Düsseldorf – Ein neuer Antikörper könnte schon bald das Repertoire an Arzneimitteln gegen die Multiple Sklerose (MS) ergänzen. Das belegen erste Ergebnisse einer Studie mit mehr als 1.800 Patienten, die demnächst im New England Journal of Medicine publiziert werden soll, berichtete Heinz Wiendl heute auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

„Zwar konnte das Fortschreiten der Behinderung in der Endpunktberechnung nicht eindeutig verlangsamt werden“, erläuterte der Direktor der Klinik für allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster. Allerdings war laut Wiendl die Schubrate gegenüber der Therapie mit Interferon-ß-1a annähernd halbiert.

Der humanisierte Antikörper greift in den Signalweg des Botenstoffes Interleukin-2 (IL-2) ein. Er bindet an die CD25-Untereinheit des hochaffinen IL2-Rezeptors und verhindert dort die Signalleitung durch das entzündungsfördernde Zytokin.

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Dabei wurde eine spezielle, biotechnologisch leicht veränderte Form jenes Antikörpers eingesetzt, der bisher häufig gegen die Organabstoßung bei Nierentransplantationen zum Einsatz kam, erläuterte Wiendl, der zusammen mit Neurologen aus 28 Ländern an der Studie beteiligt und im Steering Committee der Studie war.

Beim primären Endpunkt der Studie, der jährlichen Schubrate, war das neue Präparat mit einem Durchschnittswert von 0,22 deutlich überlegen (IF-ß-1a: 0,39), ebenso bei der Zahl neuer oder vergrößerter Läsionen des Gehirns in der T2-gewichteten Kern­spintomografie nach 96 Wochen (4,3 versus 9,4).

Allerdings gab es in der Antikörper-Gruppe 14 Prozent Studienabbrecher, gegenüber neun Prozent unter If-ß-1a. Schwere Nebenwirkungen wurden bei 15 Prozent der Patienten festgestellt, die Daclizumab bekommen hatten, gegenüber zehn Prozent in der Gruppe mit IF-ß-1a. Schwere Infektionen waren mit vier Prozent doppelt so häufig wie unter IF-ß-1a. „Je nach Schwere des Verlaufs könnten entweder bewährte Substanzen mit guter Verträglichkeit zum Einsatz kommen oder – in schwereren Fällen – auch die stärker wirksamen neuen Arzneien, deren potenzielle Nebenwirkungen dann allerdings intensiver überwacht werden müssen“, so Wiendl.

© hil/aerzteblatt.de

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