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Medizin

Gliome: Antidepressivum plus Gerinnungshemmer löst Autophagie aus

Samstag, 26. September 2015

dpa

Lausanne – Zwei ältere Wirkstoffe, die allein keine Wirkung bei Krebstumoren erzielen, haben in Kombination bei Mäusen mit Gliomen die Überlebenszeiten deutlich verlängert. Die Forscher führen dies in Cancer Cell (2015; doi: 10.1016/j.ccell.2015.08.012 auf eine Stimulation der Autophagie zurück.

Mit der Autophagie oder Autophagozytose könnten Zellen verbrauchte Eiweiße entsorgen oder auch intrazelluläre Krankheitserreger beseitigen. Beides wird zunächst in einem Organell, dem Autophagosom, isoliert und dann nach einer Fusion mit einem Lysosom vernichtet. Dieser Reinigungsmechanismus muss fein justiert werden, denn eine hyperaktive Autophagie kann schnell zur Selbstverzehrung, griechisch Autophagie, der Zellen führen.

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Seit einigen Jahren ist bekannt, dass das trizyklische Antidepressivum Imipramin die Autophagie von Gliomzellen fördern kann. Doch die Ergebnisse einer kleinen klinischen Studie verliefen enttäuschend. Das Antidepressivem allein konnte die Überlebenszeiten des tödlichen Hirntumors nicht verlängern.

Ein Team um Douglas Hanahan von der École polytechnique fédérale de Lausanne hat deshalb systematisch nach Substanzen gesucht, die die Autophagie weiter verstärken können. Sie stießen dabei auf das Antikoagulans Ticlopidin, wie Imipramin ein älterer Wirkstoff, der derzeit in der Krebstherapie nicht eingesetzt wird. Nähere Unter­suchungen ergaben, dass Imipramin und Ticlopidin jeweils an unterschiedlichen Orten in die Regulation der Autophagie eingreifen. Die Kombination der beiden Mittel führte zu einer hyperaktiven Autophagie, die Gliom-Zellen zerstören kann.

Erste tierexperimentelle Studien an Mäusen ergaben, dass die Kombinationstherapie die Überlebenszeiten beim Gliom verdoppelt. Da beide Wirkstoffe seit vielen Jahren als Medikamente eingesetzt werden und sich dabei als verträglich erwiesen haben, will das Team demnächst Pläne für klinische Studien entwickeln. Von einem vorzeitigen „Off Label“-Einsatz wird abgeraten, zumal die effektiven Dosierungen nicht bekannt sind und bei der Kombination zweier verträglicher Wirkstoffe durchaus unvorhergesehene Komplikationen auftreten können. © rme/aerzteblatt.de

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