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Medizin

Nivolumab und Cabozantinib: Zwei neue Wirkstoffe bei Nierenkrebs wirksam

Montag, 28. September 2015

Nierenkarzinom: Mikroaufnahme Vergrößerung 64:1 /dpa

Houston/Boston – Der Checkpoint-Inhibitor Nivolumab und der Multikinase-Inhibitor Cabozantinib können ein fortgeschrittenes Nierenzellkarzinom zurückdrängen, wenn andere Therapie-Optionen versagt haben. Dies zeigen zwei Phase 3-Studien, die auf dem Europäischen Krebskongress in Wien vorgestellt wurden. Nivolumab verlängerte das Gesamtüberleben, für Cabozantinib konnte dies noch nicht gezeigt werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten beim metastasierten Nierenzellkarzinom wurden in den letzten zehn Jahren deutlich erweitert. Vor 2006 bestand die Therapie in einer Kombination von Interferon alfa und Interleukin 2. Seither wurden mit Sunitinib (FDA-Zulassung 2006), Temsirolimus (2007) Pazopanib (2009), Everolimus (2009) Bevacizumab (2009), Axitinib (2012), Tivozanib (2013, in Europa noch nicht zugelassen) sieben neue Wirkstoffe eingeführt, die die Ergebnisse jeweils leicht verbesserten. In der Summe verlängerten sich die medianen Überlebenszeiten der Patienten von 10 bis 12 Monaten auf etwa 20 Monate.

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Zwei neue Wirkstoffe versprechen jetzt eine weitere Verlängerung. Der Antikörper Nivolumab, ein Checkpoint-Inhibitor, der durch Bindung an den PD-1-Rezeptor das Immunsystem stimuliert, ist nach Interleukin 2 die erste neue Immuntherapie beim Nierenzellkarzinom. In der offenen randomisierten Phase 3-Studie, deren Ergebnisse jetzt in Wien vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1510665) publiziert wurden, erzielte Nivolumab bei 99 von 406 Patienten (24 Prozent), die bereits mehrere andere Medikamente erhalten hatten und „austherapiert“ waren, eine Remission. In der Vergleichsgruppe, in der die Patienten mit Evorolimus behandelt wurden, kam es bei 20 von 397 Patienten (5 Prozent) zu einer Remission.

Komplette Remissionen waren jedoch selten. Sie wurden unter Nivolumab nur bei vier Patienten (1 Prozent) gegenüber zwei Patienten (weniger als 1 Prozent) im Vergleichsarm erzielt. Die meisten Remissionen waren zudem kurzlebig: Das progressionsfreie Überleben stieg nur unwesentlich von 4,4 auf 4,6 Monate.

Dennoch wurden die von Padmanee Sharma vom MD Anderson Cancer Center in Houston vorgestellten Ergebnisse als Durchbruch bewertet. Der entscheidende Punkt war, dass Nivolumab das Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom von 19,6 Monate auf 25,0 Monate verlängerte. Bei einer Hazard Ratio von 0,73 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,57 bis 0,93) war dies ein signifikanter Vorteil. Er hatte im Juli 2015 zum vorzeitigen Abbruch der Studie geführt. Der Hersteller Bristol-Myers Squibb darf aufgrund der Ergebnisse auf eine baldige Zulasssungs­erweiterung von Nivolumab auf das metastasierten Nierenzellkarzinom hoffen. 

Ein weiterer Vorteil gegenüber Everolimus war die geringere Toxizität: Grad 3 oder 4-Nebenwirkungen traten bei 19 Prozent der Patienten gegenüber 37 Prozent der Patienten unter Everolimus auf. Die häufigste Nebenwirkung war Müdigkeit (bei 2 Prozent der Patienten). Unter Everolimus kam es am häufigsten zu einer Anämie (bei 8 Prozent der Patienten).

Ein weiterer Wirkstoff mit guten Chancen auf eine Zulassung ist Cabozantinib des US-Herstellers Exelixis aus South San Francisco. Als Tyrosinkinase-Inhibitor hat das Mittel zwar keinen neuartigen Wirkungsmechanismus. Cabozantinib blockiert jedoch gleichzeitig mehrere Tyrosinkinasen. In der METEOR-Studie, an der 658 Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom teilnahmen, wurde die Remissionsrate im Vergleich zu Everolimus von 5 auf 21 Prozent signifikant gesteigert. Vollremissionen waren nicht darunter.

Cabozantinib konnte anders als Nivolumab das progressionsfreie Überleben von 3,8 auf 7,4 Monate verlängern, wie Toni Choueiri vom Dana-Farber Cancer Institute aus Boston und Mitarbeiter im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1510016) berichten. Der Vorteil einer lebensverlängernden Wirkung ließ sich allerdings noch nicht signifikant nachweisen. Der Hersteller rechnet allerdings fest damit, dass dieser demnächst in einer der geplanten Analysen erkennbar wird. Die Studie nimmt keine weiteren Patienten mehr auf. 

Die Verträglichkeit des Multikinase-Inhibitors ist möglicherweise etwas schlechter als bei Nivolumab. Bei 15 Prozent der Patienten kam es zu einem Bluthochdruck vom Grad 3 oder höher. 11 Prozent klagten über schwere Durchfälle, 9 Prozent über Müdigkeit und bei 8 Prozent kam es zu einem Hand-Fuß-Syndrom. © rme/aerzteblatt.de

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