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Appell: Ineffizienz im Wissenschaftsbetrieb abbauen

Montag, 28. September 2015

Berlin – Wer öffentliche Gelder für medizinische Forschungsprojekte beansprucht, sollte auch für einen effizienten und nachhaltigen Mitteleinsatz sorgen. Das Gegenteil ist jedoch häufig der Fall: Geschätzte 85 Prozent der Forschung sind letztlich verschwendet – etwa wegen falscher Fragestellungen, schlechter Studiendesigns oder weil die Ergebnisse nicht publiziert werden. Im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums haben Cochrane Deutschland und die TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung gemeinsam mit Forschern, Patienten, Ethikern und Vertretern von Fachverlagen und Infrastruktureinrichtungen diskutiert, wie der Mehrwert von Forschungsmitteln in der Medizin gesteigert und Ineffizienz vermieden werden kann.

In diesem Kontext haben TMF und Cochrane Deutschland Handlungsempfehlungen formuliert. Unter anderem ist aus ihrer Sicht für einen effizienten Fördermitteleinsatz mehr Transparenz erforderlich, etwa durch Register für Forschungsprojekte und durch die verpflichtende Registrierung neuer Forschungsprojekte, insbesondere klinischer Studien. Ethische, rechtliche und methodische Aspekte müssten zudem stärker in der biomedizinischen Forschung berücksichtigt werden, fordern die beiden Organisationen.

Die dauerhafte Nutzbarkeit von Forschungsinfrastrukturen, wie Daten- und Proben­banken, müsse abgesichert werden. „Querschnittseinrichtungen, die aus einer Projektförderung hervorgehen sollen, werden derzeit dazu verpflichtet, bei Antragstellung Konzepte für ihre eigene Nachnutzung und Nachhaltigkeit vorzulegen.

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Die Bereitstellung der hierfür notwendigen finanziellen Mittel muss jedoch konstitu­tioneller Bestandteil öffentlicher Forschungsförderung werden“, heißt es in den Empfehlungen. Studienergebnisse müssten transparent und validierbar sein. Die Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung – einschließlich Forschungsprotokollen, Analyseplänen und Rohdaten – seien vollständig zu veröffentlichen.

Darüber hinaus seien bei der Priorisierung medizinischer Forschung Patienten stärker mit einzubeziehen. So sollten beispielsweise Patientenvertreter an maßgeblichen strategischen und operationalen Entscheidungen über Fördermaßnahmen beteiligt und für den Austausch zwischen Patienten und Wissenschaft geeignete Foren etabliert werden. Ineffizienz begünstigende Faktoren und Fehlanreize im Wissenschaftssystem  müssten durch systematische empirische Forschung (Research on Research) aufgedeckt werden. Auch seien Verbesserungsansätze unter Moderation der Politik von allen Interessengruppen  gemeinsam zu entwickeln.

TMF und Cochrane Deutschland unterstützen vor diesem Hintergrund auch die bevorstehende REWARD-Kampagne, die im Januar 2014 durch einen Sonderband der Zeitschrift Lancet initiiert wurde. An den deutschen Wissenschaftsbetrieb appellieren sie, sich dieser Entwicklung aktiv anzuschließen. © KBr/aerzteblatt.de

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