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Medizin

Krebstherapie in der Schwangerschaft ohne negative Auswirkungen im Kleinkindalter

Dienstag, 29. September 2015

dpa

Loewen – Eine Krebstherapie in der Schwangerschaft hat in einer Gruppe von 129 Kindern zwar häufig zur Frühgeburt geführt. Entwicklungsschäden der Kinder waren laut der Fall-Kontrollstudie, die auf dem europäischen Krebskongress in Wien vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1508913) publiziert wurden, jedoch nicht erkennbar – zumindest in den ersten Lebensjahren.

Krebserkrankungen bei Schwangeren sind ein therapeutisches Dilemma, da die Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung neben der Patientin auch ihr werdendes Kind betreffen. Dies ist problematisch, da viele Zytostatika teratogen sind und auch die Radiotherapie dem kindlichen Gewebe, das der Strahlung gegenüber hoch empfindlich ist, bleibende Schäden zufügen könnte. Die meisten Onkologen dürften die Therapie deshalb auf die Zeit nach der Geburt verschieben oder den Frauen zu einem Abbruch der Schwangerschaft raten. Beides ist nicht immer möglich oder nicht gewünscht.

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Über die Folgen, die die Krebstherapie auf die Kinder hat, ist wenig bekannt. Ein „International Network on Cancer, Infertility, and Pregnancy“ um Frédéric Amant von der Katholischen Universität Löwen hat jetzt die Daten von 129 Kindern zusammengetragen, bei deren Müttern während der Schwangerschaft eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Bei mehr als der Hälfte war dies ein Mammakarzinom, am zweithäufigsten waren hämatologische Malignome. Achtundneunzig Frauen erhielten vor der Entbindung eine Chemotherapie, vier eine Strahlentherapie, sieben eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie. Eine Frau wurde mit Trastuzumab behandelt, eine andere mit Interferon-beta. Bei 13 Frauen wurde während der Schwangerschaft eine Operation durchgeführt, 14 Mütter erhielten während der Schwangerschaft keine Behandlung.

Wichtig ist der Hinweis, dass alle Chemotherapien erst nach dem ersten Trimenon durchgeführt wurden. Die Embryonalphase, in der die Organe sich bilden und in der das Risiko von Fehlbildungen besonders hoch ist, war bereits abgeschlossen. Die wichtigste und bislang einzige Folge der Krebsbehandlung waren Frühgeburten: 79 Kinder (61,2 Prozent) wurden vor der 37. Woche geboren, in der Allgemeinbevölkerung sind es nur 7 bis 8 Prozent. Die Rate von Fehlbildungen war nicht höher als in einer Kontrollgruppe.

Eine Frühgeburt kann die späteren Entwicklungschancen der Kinder beeinträchtigen. Dies war jedoch in der Studie nicht nachweisbar. Die Gesamtgruppe und auch die Untergruppe der Kinder, die den Wirkstoffen einer Chemotherapie ausgesetzt waren, entwickelten sich normal, wie Amant betont. Die Testbatterie der Bayley Scales of Infant Development, die im Alter von 18 und/oder 36 Monaten durchgeführt wurde, zeigte keine Störungen der körperlichen oder geistigen Fähigkeiten an.

Auch eine kardiologische Untersuchung von 47 Kindern im Alter von 36 Monaten erbrachte keine Hinweise auf Schäden am Herzmuskel. Die Kinder scheinen sich normal zu entwickeln. Amant räumt allerdings ein, dass in dem jungen Alter noch keine abschließende Bewertung möglich sei. Außerdem würden die Ergebnisse nur für die eingesetzten Wirkstoffe gelten, größtenteils Zytostatika. Zu den Auswirkungen moderner zielgerichteter Wirkstoffe oder Immuntherapeutika lägen noch keine Erfahrungen vor. © rme/aerzteblatt.de

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