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Ärzteschaft

KBV baut eigenes IT-Netz für das Gesundheitswesen aus

Dienstag, 29. September 2015

dpa

Berlin – Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz und dem künftigen E-Health Gesetz müssen neue digitale Anwendungen für die tägliche Arbeit in die Arztpraxen eingeführt werden. Um hier Praxen und Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) technische Möglichkeiten anzubieten, baut die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weiterhin das „Sichere Netz der KVen“ – kurz SNK – aus. Obwohl die Tele­ma­tik­infra­struk­tur mit dem E-Health-Gesetz nun forciert werden soll, will die KBV weiter in ihre Netzwerklösung investieren. „Es ist das größte, sicherste und das real bestehende Online-Netzwerk, das es im Gesundheitswesen gibt“, erklärte KBV-Vorsitzende Andreas Gassen vor Journalisten in Berlin.

Die Teilnehmerzahlen in den Arztpraxen nehmen von Tag zu Tag zu, nach aktuellem Stand sind rund 76.000 Teilnehmer gemeldet, Tendenz steigend. In den KV-Regionen Niedersachsen, Westfalen-Lippe, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Brandenburg seien bereits Teilnahmequoten von 100 Prozent erreicht. In anderen Regionen hinke die Teilnahme noch hinterher – so gibt es in Bayern nur 40,2 Prozent der Ärzte, die in dem Netz kommunizieren, in Baden-Württemberg sind es 21,4 Prozent, in Hamburg und Berlin je 7 Prozent. Diese deutlichen Unterschiede lassen sich dadurch erklären, dass die 17 KVen unterschiedlich schnell die Digitalisierung vorantreiben und auf unterschiedliche Systeme setzen. „Ich bin mir sicher, dass wir in einem Jahr bei einer Abdeckung von 100 Prozent liegen“, sagte Gassen.

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KBV sieht keine Parallelstrukturen
Bis die Tele­ma­tik­infra­struk­tur starte, sei mit dem SNK ein sicheres Netz für das Gesundheitswesen verfügbar.  Parallelstrukturen oder künftige Schnittstellenprobleme der Software zwischen SNK und Tele­ma­tik­infra­struk­tur sieht Gassen nicht. „Solange es die Tele­ma­tik­infra­struk­tur noch nicht gibt, werden wir das SNK weiter betreiben. In dem künftigen System können sehr viele Player andocken“, so Gassen.

Außerdem habe das SNK eigene Anwendungen, die nur Praxisärzte benötigen, beispielsweise eine Online-Lösung zum unkomplizierten Tausch von Notdiensten, erklärte Thomas Kriedel vom Vorstand der KV Westfalen-Lippe. Kriedel berichtete von verschiedenen erfolgreichen Projekten, wie die Arzneimittelinitiative ARMIN, bei dem in Sachsen und Thüringen die jeweiligen KVen, die  Apotheker sowie die AOK Plus auf der digitalen Basis des SNK-Systems zusammenarbeiten. Das Uniklinikum Aachen nutzt das Modul der „Fallakte Plus“, das ebenso im Rahmen des SNK verfügbar ist. 

„Das SNK-System ist nicht nur für die Ärzteschaft, sondern offen für viele Formen der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“, erklärt Kriedel. Natürlich sei die KBV als einer der Gesellschafter der gematik am Erfolg der Tele­ma­tik­infra­struk­tur interessiert, man arbeite „mit  Hochdruck“ daran, dass die nun vorgegebenen Termine eingehalten werden können. „Allerdings: Hätten wir das SNK nicht, könnten wir Ärzten gar nichts anbieten“, sagte Gassen weiter.

Arztbrief soll Schub für die tenische Innovation bringen
Mit dem elektronischen Arztbrief, der laut E-Health-Gesetz künftig mit 55 Cent vergütet werden soll, erwartet die KBV einen regelrechten Schub für die technische Innovation in den Netzwerken. Ebenso wollen sich die KV- sowie KBV-Vertreter für mehr Abrech­nungs­möglichkeiten von Telemedizin in den Verhandlungen mit den Krankenkassen einsetzen.

Die Sicherheit der Patientendaten stehe in dem SNK-System an erster Stelle, so die KBV. Es sei derzeit die sicherste Online-Anbindung für Ärzte, das wurde von Zertifizierungsstellen bereits bestätigt. Die Daten seien in einem doppelten Sicherheitssystem geschützt: Zum einen durch die Software, zum anderen durch eine Art Router. Selbst wenn es Hacker-Angriffe auf die Software geben sollte – ohne den Zugang zum Router, der in der Praxis steht, könne keiner auf die Daten zugreifen. 

Softwareprojekt für Terminservicestellen als Angebot an die KVen
In einem weiteren IT-Projekt bereitet die KBV derzeit eine Software-Lösung für die Terminservicestellen vor. Die Terminservicestellen wurden - unter großem Protest der Ärzteschaft – im Versorgungsstärkungsgesetz vorgeschrieben. Hier hält die KBV für interessierte KVen nun eine Software-Lösung bereit. Die KVen können selbst entscheiden, wie sie die geforderten Terminservicestellen bei sich umsetzen.

Datenaustausch per KV-SafeNet: Vernetzt denken und handeln

Die niedergelassenen Ärzte können inzwischen auf ein breites Spektrum von Anwendungen im sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen zugreifen. Während der flächendeckende Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur nur mühsam vor-ankommt, gewinnt das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (SNK) als Kommunikationsinfrastruktur im ärztlichen Alltag zunehmend an Bedeutung. 

Das angebotene System der KBV sieht einen Code auf dem Überweisungsschein vor, aus dem sich die Dringlichkeit der Überweisung ableiten lässt. Falls ein Patient nicht auf dem üblichen Weg einen Facharzttermin findet, können die Terminservicestellen den Code einlesen und  dementsprechend Termine vergeben. Dieser Code könne aber nicht vor Ende des ersten Quartals 2016 umgesetzt werden, erklärte Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH. Daher wird zusätzlich als Übergangslösung eine Webseite entwickelt, über die bis zur Einführung der Codes Facharzttermine vermittelt werden sollen.

Auf dieser Webseite tragen Arztpraxen in einem geschlossenen Bereich ihre freien Termine ein, die Terminservicestellen können diese an suchende Patienten vergeben. Patienten können in das System nicht einsehen. Das System befinde sich derzeit in der Abstimmungsphase mit den KVen, ab dem 23. Januar 2016 soll es für die Mitarbeiter in den Servicestellen zur Verfügung stehen.

KBV-Chef Gassen betonte noch einmal, dass die Servicestellen nicht „als Komfort­buchungssystem für Facharzttermine“ missverstanden werden sollen. „Wir halten diese Servicestellen weiterhin für sinnlos“. Er appellierte an die Praxen, freiwillig freie Termine zu melden, und hofft darauf, künftig keinen Zwang zur Meldung einführen zu müssen. © bee/aerzteblatt.de

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