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Medizin

Antihypertensiva am Abend senken Diabetesrisiko

Mittwoch, 30. September 2015

Vigo – Die Tageszeit, zu der Hypertoniker ihre antihypertensiven Medikamente einnehmen, könnte ein wichtiger Einflussfaktor für das Diabetesrisiko der Patienten sein. Ramon Hermida konnte mit seiner Arbeitsgruppe an der Universität von Vigo in zwei unabhängigen Gruppen mit je über 2.000 Patienten zeigen, dass ein niedriger nächtlicher Blutdruck und die Einnahme am Abend das Risiko erheblich senken könnten. In Diabetologia berichten sie in zwei Studien über ihre Ergebnisse (doi:10.1007/s00125-015-3748-8 und doi:10.1007/s00125-015-3749-7d).

Da Diabetes und Bluthochdruck durch ähnliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung begünstigt werden, haben Hypertoniker häufig auch ein erhöhtes Diabetesrisiko. Einen Diabetes bei dieser Patientengruppe zu verhindern ist besonders lohnend, da eine Kombination dieser Erkrankungen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um ein Vielfaches erhöht. Bestimmte Antihypertensiva können ihrerseits allerdings auch das Diabetesrisko steigern. Die Forscher untersuchten, ob zum einen das Blutdruckprofil während des Tages und der Nacht das Risiko beeinflusst und zum anderen, ob der Einnahmezeitpunkt von Antihypertensiva das Risiko verändert.

Die Arbeitsgruppe schloss mehr als 2.600 Patienten in ihre Studie ein, die normotensive oder hypertensive Blutdrücke in der ambulanten Messung zeigten. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 50,6 Jahre alt und wurden über rund sechs Jahre von den Forscher beobachtet. Jährlich kontrollierten sie den Blutdruck und die Aktivität der Teilnehmer in einer ambulanten 48-Stunden-Messung. In der Kohorte entwickelten 190 Teilnehmer einen Diabetes. Es zeigte sich, dass der nächtliche Blutdruck ein starker Prädiktor für das Erkrankungsrisiko war. Je niedriger der nächtliche Blutdruck war, desto stärker sank das Diabetesrisiko. Demgegenüber beeinflusste der gemessene Blutdruck am Tag das Risiko nicht.

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Diesen Zusammenhang konnte die Arbeitsgruppe mit einer zweiten Kohorten in einer klinischen randomisierten Studie bestätigen. Die Forscher verteilten rund 2.000 Hypertoniker in zwei Interventionsarme, in denen eine Gruppe ihre Blutdruck­medikamente abends und eine zweite morgens einnahm. Unter Ausschluss von Faktoren, die den nächtlichen Blutdruck beeinflussen könnten wie eine chronische Niereninsuffzienz erkrankten Teilnehmer der Abendgruppe wesentlich seltener an einem Diabetes. In der Abendgruppe betrug die Inzidenz 4,8 Prozent innerhalb von sechs Jahren, gegenüber 12,1 Prozent in der Morgengruppe. Bei AT-1 Blockern, ACE-Hemmern und Betablockern war die Risikoreduktion laut den Forschern am besten nachweisbar.

Die Wissenschaftler konnten mit ihrer Studie zeigen, dass der nächtliche Blutdruck das Diabetesrisiko wesentlich beeinflussen könnte. Sie folgern aus den Ergebnissen, dass die abendliche Einnahme von Antihypertensiva mindestens so sicher ist wie die morgendliche und sogar metabolisch protektive Effekte bieten könnte.

© hil/aerzteblatt.de

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