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Medizin

Schwangerschaft: Adiponectin-Infusion könnte Makrosomie verhindern

Mittwoch, 30. September 2015

Denver - Adiponectin, ein Hormon aus Fettzellen, das die Insulinempfindlichkeit steigert, hat in einem Mausmodell verhindert, dass eine Adipositas des Muttertiers das fetale Wachstum fördert und das Geburtsgewicht steigert. Die Studie in Proceedings of the National Academy of Sciences (2015; doi: 10.1073/pnas.1515484112) liefert Einblicke in die Funktion des Hormons und bietet möglicherweise einen Ansatzpunkt für eine präventive Therapie.

Das 1995 in Fettzellen entdeckte Hormon Adiponectin signalisiert dem Körper, dass die Fettreserven zur Neige gehen. Durch eine Steigerung der Insulinempfindlichkeit wird der Körper aufgefordert, die Lager zu füllen. Übergewichtige haben in der Regel einen niedrigen Adiponectin-Spiegel. In der Schwangerschaft kann dies die ohnehin verminderte Insulinwirkung weiter abschwächen.

In gewissen Grenzen ist eine Insulinresistenz in der Schwangerschaft sinnvoll: Blutzucker und andere Nährstoffe werden vermehrt in den Kreislauf des Feten verschoben. Bei adipösen Schwangeren kommt es infolge einer übermäßigen Insulinresistenz jedoch zu einer Überversorgung des Feten. Ein vermehrtes intrauterines Wachstum hat dann ein hohes Geburtsgewicht zur Folge. 

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Diese Makrosomie führt nicht nur zu Geburtskomplikationen. Es gibt auch Hinweise, dass die intrauterine Überversorgung den Stoffwechsel dauerhaft schädigt und im späteren Alter das Risiko einer Adipositas fördert. Damit beginnt ein Kreislauf, der sich von Generation zu Generation verstärken könnte.

Die Zusammenhänge legen nahe, übergewichtige Schwangere mit Adiponectin zu behandeln, um eine Makrosomie zu verhindern. Irving Aye von der Universität von Colorado in Denver und Mitarbeiter haben dies jetzt an einem Mäusemodell untersucht. Die übergewichtigen Tiere erhielten in der Spätschwangerschaft, wenn das intrauterine Wachstum am stärksten ist, täglich eine Adiponectin-Infusion. Dies verhinderte eine Makrosomie der neugeborenen Mäuse. In einer Kontrollgruppe unbehandelter Tiere war das Geburtsgewicht infolge der Adipositas um 29 Prozent höher.

Die genaue Untersuchung der Tiere zeigte, dass Adiponectin eine Hyperglykämie im fetalen Kreislauf verhindert. Das Hormon hemmte in der Placenta die Konzentration der Transportproteine für Glukose und Aminosäuren. 

Klinische Konsequenzen ergeben sich aus den Forschungsergebnissen nicht, zumal Adiponectin nicht als Medikament zugelassen ist. Der Einsatz müsste zunächst in klinischen Studien erprobt werden. Eine Überdosierung könnte möglicherweise die Versorgung des Feten mit Nährstoffen gefährden. © rme/aerzteblatt.de

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